Honda Super Cub 125 für 2022

3
Honda Super Cub 125, Modelljahr 2022: Erfüllt Euro 5, Zweisitzer, neue Farbe.

Honda hievt die Super Cub 125 für das Modelljahr 2022 über die Euro 5-Abgashürde. Dafür wurde der luftgekühlte 125er Einzylindermotor überarbeitet und erhielt ein neues Hub-Bohrungs-Verhältnis. Weiteres Novum ist der jetzt mögliche Zweipersonenbetrieb, dafür präsentiert sich das Leichtkraftrad mit einem Beifahrersitz und zusätzlichen Fussrasten ausgestattet. Auch die Federung wurde passend zum Zuladungspotential neu abgestimmt.

Die erste Super Cub rollte 1958 von den Produktionsbändern in Japan. Honda als Hersteller war damals 10 Jahre jung. Das Vehikel verfügte über einen 50 Kubik-Viertaktmotor, Durchstiegsrahmen, Beinschild und Halbautomatik-Schaltung. Technikus Soichiro Honda hatte die Super Cub auf Anregung seines kaufmännisch genialen Managers und späteren Vizepräsidenten Takeo Fujisawa entwickelt. Erklärtes Ziel war, nützliche Mobilitäts-Eigenschaften im Alltag mit einfacher Bedienung zu verknüpfen, dazu kostengünstig, zuverlässig und sparsam zu sein, um eine nützliche Rolle im Leben der Menschen spielen zu können.

Der Erfolg sollte alle Erwartungen überflügeln. In Motorvarianten mit 50 und später 65, 70, 90, 100, 110 und 125 ccm Hubraum wurde die Super Cub über Jahrzehnte gefertigt und verkauft, in Japan, Asien und China sowie den meisten Teilen der Welt. In vielen Regionen bestimmen die kostengünstigen Flitzer mit das Straßenbild und sind für die Mobilität der Menschen von wesentlicher Bedeutung. 2017, nach 60 Jahren, waren sage und schreibe 100 Millionen Exemplare produziert. Die Honda Super Cub ist das erfolgreichste motorgetriebene Fahrzeug weltweit.

Honda Super Cub 125, Modelljahr 2018: Erstmals auch in Deutschland erhältlich, nach 60 Jahren weltweiten Erfolgs.

2018 folgte eine modernisierte 125er im Retro-Look. Damit schlug Honda ein neues Kapitel der Super Cub-Historie auf, denn die fashionablere Variante wurde auch in europäischen Märkten ins Programm gerückt, die frühere Super Cub-Modelle nicht angeboten hatten. Eben auch erstmalig in Deutschland.

Die Super Cub 125 für das Modelljahr 2022 präsentiert sich auf die Abgas-Vorschriften in Europa angepasst. Dafür hat Honda das luftgekühlte SOHC-Einzylinder-Viertakt-Triebwerk mit einem geänderten Hub/Bohrungs-Verhältnis versehen. Weitere Änderungen im Einlass- und Auslassbereich sowie eine modifizierten ECU-Steuereinheit helfen, die Euro 5-Emissionsvorschriften zu erfüllen. Die Leistung der ACG-Lichtmaschine wurde ebenfalls verbessert. Neu dazu sind die zweite Sitzbank sowie die Fußrasten für den Beifahrer. Um den Fahrkomfort sicher zu stellen, erhielten die Vorderradaufhängung als auch die Stereo-Federbeine eine für Zweimannbetrieb angepasste Abstimmung.

Als Zweisitzer sollte sich die Super Cub 125 spürbar besser in Deutschland verkaufen.

Der weiterhin luftgekühlte Einzylindermotor mit 124 ccm Hubraum kombiniert den Kurbeltrieb der in Japan angebotenen Super Cub C 110 (mit überarbeitetem Motorgehäuse) mit dem Zweiventil-SOHC-Zylinderkopf und den Leistungsteilen der aktuellen Honda MSX Grom. Die Bohrung misst 50 mm, der Hub 63,1 mm, das Verdichtungsverhältnis ist auf 10 zu 1 ausgelegt. Die Leistung beträgt 7,2 kW (entspricht einem Plus von 0,1 kW) bzw. 10 PS bei 7.500 Touren, das max. Drehmoment beläuft sich auf 10,4 Nm bei 6.250/min.

Eine neue, kompaktere Airbox optimiert die einströmende Luft für den Verbrennungsvorgang. Die PGM-FI-Einspritzung dosiert dazu den Kraftstoffanteil. Ein neuer Auslasskrümmer sowie eine neu positionierte Einspritzdüse tragen zu harmonischer Leistungsentfaltung bei. Die Form des Endschalldämpfers blieb gleich, trotz modifizierter Innereien. Beim Vormodell waren zwei Katalysatoren verbaut; mit der erhöhten Verbrennungseffizienz erledigt nunmehr ein einzelner Katalysator die Reinigung der Abgase. 

Die fußgeschaltete Viergang-Schaltbox komplettiert wie seit Urzeiten eine Fliehkraftkupplung. Der Viertakt-Single arbeitet mechanisch leise, ein schrägverzahnter Primärantrieb reduziert die Geräuschentwicklung. Der Tank unter der Sitzbank fasst unverändert 3,7 Liter Kraftstoff. Der Verbrauch wird optimistisch mit 1,5 Liter auf 100 km angegeben. 

Wie das wohl in Natura aussieht? Vermutlich besser.

Das zusätzliche Sitzbank-Brötchen gestattet das Mitfahren eines Beifahrers. An der Schwinge befestigte Fußrasten für en Sozius gehören ebenfalls zur Ausstattung, auch eine Hitzeschutzabdeckung über dem Auspuff wurde noch dazu spendiert. Der Lenker ergänzt die aufrechte Fahrposition, das Beinschild sorgt für Wind- Und Wetterschutz. Scheinwerfer, Rücklicht und Blinker leuchten mit LED-Technik. Das Cockpit ist über Chromringe zweigeteilt. Der innere Bereich informiert mit Digitalanzeigen, der äußere mit analogem Tacho sowie mehreren Warnleuchten.  

Ein Smartkey-System mit »Answer-back-Funktion« ist serienmäßig an Bord. Beim Mitführen des Funkschlüssels erkennt das System seinen Besitzer, damit über den Drehschalter am Bodywork die Zündung aktiviert und das Triebwerk angestartet werden kann. Auch das Lenkradschloss wird über den Drehknauf (mit blau illuminiertem Außenring) verriegelt. 

Das Gewicht vollgetankt beläuft sich auf 110 kg. Die Teleskop-Vordergabel verfügt über 100 mm Federweg und neu abgestimmte Federn; die Stoßdämpfer hinten sind mit Blick auf den Zweipersonenbetrieb mit neuen Federn und neuen Anschlaggummis für Fahrten auf schlechten Straßenbelägen versehen. Auf 17 Zoll-Aluminium-Gussräder sind schlauchlose Reifen montiert, vorne in der Größe 70/90-17 und hinten in 80/90-17. Das Vorderrad verzögert eine hydraulisch betätigte Scheibenbremse, hinten bremst eine einfache Trommelbremse. Als praktisches Relikt aus alten Zeiten ergänzt ein Kettenkasten die Ausstattung. 

Zu Preisen, Verfügbarkeit und weiteren Farben der 2022er Super Cub 125 gibt es von Honda noch keine Infos.

Brachten alles ins Rollen: Soichiro Honda, Takeo Fujisawa.

Wissenswerte Super Cub-Anekdoten 

Honda produziert die Super Cub seit über 60 Jahren. Kein Wunder, dass sich etliche interessante Fakten und Anekdoten angesammelt haben. 

  • Der erste Entwurf entstand nicht gezeichnet auf Papier, sondern wurde gleich mit Lehm modelliert. So konnte Soichiro Honda seine Vorstellung direkt am Objekt umsetzen, nachdem er 1956 eine Studienreise nach Europa unternommen hatte, um sich für künftige Projekte inspirieren zu lassen. 
  • Soichiro Honda hätte lieber ein ausgewachsenes Motorrad oder gleich eine Rennmaschine gebaut, um die Leistungsfähigkeit seiner aufstrebenden Unternehmung unter Beweis zu stellen. Takeo Fujisawa überzeugte ihn jedoch, vorher ein leichtes und praktisches Transportmittel zu entwickeln. Honda würdigte die bedeutende Rolle seines Verkaufsgenies in seinen Memoiren mit dem Hinweis, dass auf den Tanks der Maschinen eigentlich auch der Doppelname Honda-Fujiwara seine Berechtigung gehabt hätte. 
  • Kennzeichend für die Super Cub-Erstauflage von 1958 waren ein Durchstiegsrahmen aus Pressblech sowie ein Kunststoff-Beinschild für Wind- und Wetterschutz. Der Motor verschwand teils unter einer Abdeckung, um der Damenwelt, die ebenso angesprochen werden sollte, keine allzu technische Anmutung zuzumuten. Geboten wurde dazu eine bequeme Sitzposition sowie eine hübsche Lackierung in Hellblau/Dunkelblau sowie als Farbtupfer eine rote Sitzbank.
Das Urmodell der Honda Super Cub mit 50 Kubik, anno 1958.
  • Leise, sparsam und effizient sollte der Antrieb ausfallen, also kam nur ein Viertaktmotor in Frage, der zunächst mit 50 Kubik Hubraum entwickelt wurde. Weitere Vorgaben: Kein Kupplungshebel und einfache Bedienung. Deshalb konstruierte Soichiro Honda zum Motor ein fußgeschaltetes Dreiganggetriebe mit automatischer Fliehkraftkupplung. Die Größe der Räder betrug 17 Zoll, damit sollte ein komfortables Abrollverhalten auf den damals eher rumpligen japanischen Straßen und Feldwegen erzielt werden.
  • In Amerika startete der Verkauf der Super Cub im Jahre 1959. Der Verkaufspreis betrug anfänglich 295 Dollar. Die Super Cub öffnete den Markt für motorisierte Zweiräder bei Käufern jeden Alters sowie quer durch alle sozialen Schichten und war zweifellos auch Wegbereiter für die Erfolge, die der japanische Hersteller später mit Motorrädern immer größerer Hubräume in den USA erzielen konnte. 
Hondas US-Kampagne in den frühen Sechziger Jahren.
  • Die legendäre Honda-Werbekampagne ‘You meet the nicest people on a Honda’ bewarb in Amerika die Super Cub und trug dazu bei, das Image von Zweiradfahrern in neues Licht zu stellen und sozialverträglicher zu gestalten, was der Ausgangspunkt war, Motorräder als Hobby und Freizeitgestaltung zu akzeptieren. Zuvor wurde Motorradfahren mit Rockern, zwielichtigen Biker-Gangs und Outlaws assoziiert.
  • Der Song »Little Honda« der Beach Boys trug 1964 als Hit dazu bei, den Bekanntheitsgrad der Marke Honda in allen US-Haushalten zu steigern.
  • 1964 begann der Export der Super Cub nach Asien. Der anhaltende Erfolg prägt bis heute das Transport- und Verkehrswesen in allen Bereichen und zahlreichen Ländern – als Mobilitätslösung für Millionen Menschen.
     
  • Als die Produktion der Super Cub 1958 begann, wurden 30.000 Einheiten pro Monat veranschlagt, was eine erstaunliche Zahl darstellte. Denn zu jener Zeit brachte es die die gesamte japanische Motorradindustrie auf 40.000 Einheiten pro Monat. Dennoch musste die Produktion im Laufe der Jahre immer wieder erhöht und der enormen Nachfrage angepasst werden. Bisher wurde die Super Cub in 16 Honda-Fabriken in 15 Ländern produziert sowie weltweit in 160 Ländern verkauft.
  • Am 29. Oktober 2017 wurde im zentralen Honda Motorradwerk Kumamoto in Japan die Jubiläumszahl von 100 Millionen weltweit gefertigter Super Cub erreicht. Der Erfolg des meistgebauten Motorfahrzeugs der Welt, welches auch Legenden wie Ford T oder VW-Käfer längst überflügelt hat, wurde mit einer kleinen Feier angemessen gewürdigt. 
Und läuft und läuft: Honda Super Cub Produktion in Japan.
  • Super Cub-Designer Jozaburo Kimura war im November 1956 der erste Industrie-Designer, der bei Honda eingestellt wurde, dabei zählte die Company bereits 2.500 Mitarbeiter. Sein Uni-Professor wollte ihm eine Brücke zu Suzuki bauen, der 26-jährige Kimura bewarb sich jedoch bei Honda. Da er noch immatrikuliert war, einigte man sich darauf, dass er nach dem Abschluss seine Arbeit aufnehmen würde. Es dauerte jedoch nicht lange, dass die Personalabteilung sich meldete und anfragte, ob er nicht doch früher íns Berufsleben einsteigen wollte, seine Fähigkeiten würden momentan benötigt und auch ohne akademischen Abschluss geschätzt. So nahm Kimura unverzüglich seine Arbeit auf, verfolgte sein Abschluss-Projekt an der Universität parallel weiter und brachte dies nach einem Jahr auch erfolgreich zu Ende.
  • Im April 1957 wurde Kimura mit dem Projekt eines 50er Leichtmotorrads beauftragt. Dazu händigte man ihm als Ausgangsbasis das Holzmodell eines Einzylindermotors aus, der seit Januar in Entwicklung war. Während der Prototypen-Entwicklung entdeckte der Jungdesigner in einer britischen Fachzeitschrift das »Step-Through-Prinzip«, bei dem der Raum zwischen Vorderrad und Bodywork als Durchstieg nutzbar angelegt ist. Gleichzeitig wurden mit einem Plastik-Zulieferer große Fortschritte erzielt. So konnte das Beinschild aus Spritzguss-Kunststoff gefertigt werden, was zur rundlichen Formgebung eine leichte und kostengünstige Bauweise ermöglichte, in Kombination mit dem Blechpress-Stahlrahmen. 
  • Während der Entwicklung prasselten etliche Vorgaben auf den Super Cub-Designer ein. Soichiro Honda kreuzte mit der Forderung nach leichter Beherrschbarkeit auf, damit die Auslieferungsfahrer japanischer Nudel-Shops auch einhändig fahren konnten, weil diese ihre Esswaren bei der Auslieferung auf der Schulter auftürmen und mit dem linken Arm abzustützen pflegten. Takeo Fujisawa äußerte den Wunsch nach charmanter Formgebung, damit auch Frauen sich trauen würden, damit mobilisiert durch die Gegend zu flitzen. Dafür sollte wiederum der Motor abgedeckt und nicht mit freiem Auge zu sehen sein. 
  • Die leichte Bedienung – einfach Gas geben, ab und zu den passenden Gang reinkicken – ist bis heute ein Markenzeichen der Honda Super Cub. Zusätzlich zur gefälligen Optik. Denn zu tiefem Sitz und flachem Lenker spendierte Kimura eine bequeme und aufrechte Sitzposition, dazu ausgewogene Proportionen mit glatten Flächen und fließenden, sanften Übergängen. 
Soichiro Honda 1971, als die 10 Millionen-Marke in der Produktion der Super Cub überschritten wurde.
  • Tiere in der Kinowelt und Farben aus der Natur spielten bei der Super Cub ebenfalls eine Rolle. Im Disney-Zeichentrickfilm Bambi gibt es eine Szene, in der ein Straußenvogel aus vollem Lauf stoppt und die Vorderläufe nach vorne durchstreckt; diese Body-Language wirkt entschlossen, aber gleichzeitig charmant. Ergo wurde diese freundlich-robuste Anmutung bei der Gestaltung der Front mit Schwinggabel, breiten Standrohren sowie hoch angesetzten Scheinwerfer umgesetzt. Die Farben Hellblau und Dunkelblau für Bodywork, Seitendeckel, Beinschild und Vorderradführung wurden der Natur abgeschaut; dafür genügte es, den Blick auf Himmel und Meer zu richten.
  • Für den roten Sitz gibt es zwei Erklärmodelle. Einmal den Kinofilm »Summertime« mit Katherine Hepburn, in dem eine rote Lichtspiegelung in venetianischem Glas den Designer wohl nachhaltig beeeindruckte; zum anderen die Allusion, wie in der Biologie einen bunten Kontrapunkt wie bei blauen Venen und roten Arterien zu setzen. 
  • Jedenfalls geriet die Super Cub als Erstlingswerk extrem gelungen. Leichtigkeit und freundlicher Auftritt, die Berührungsängste erst gar nicht aufkommen lassen, waren neben Funktionalität, einfacher Bedienung und Zuverlässigkeit ein wesentliches Element für die Erfolgsgeschichte der kleinen Honda, die weltweit in einer Vielzahl Hubraum-Kubaturen bis zum heutigen Tage anhält. 

Fotos: Honda, Buenos Dias

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

3 Kommentare

    • Salatprynz on

      Nicht schlecht? Der Doppelsitzer ist IMHO genau das, was bisher gefehlt hat. Angaben zur Zuladung gibt es noch keine, da gilt es abzuwarten bis das Bike in D erhältlich ist, also Ende dieser Saison (mit Glück) oder Anfang 2022.

Reply To Salatprynz Cancel Reply