Praxis-Test: Shoei J-Cruise 2

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Tragekomfort und Panorama-Rundumblick: Shoei J-Cruise 2

Der Shoei J-Cruise 2 zählt mit Oberkopfbelüftung und langem Visier zur Jet-Helm-Oberklasse. Nach zwei Monaten Praxiseinsatz (inklusive Bridgestone T32-Test-Tour in Italien) lässt sich sagen: Die Murmel ist tragefreundlich, sehr hochwertig verarbeitet und funktioniert beim Fahren auf hohem Niveau – der Helm durchschneidet den Fahrwind aerodynamisch sauber, bleibt ausreichend leise, egal bei welchem Tempo, wozu das an den Kanten gerundete Visier sowie eine vorgezogene Lippe am unteren Rand beiträgt; auch hinter dem Visier bleibt es zug- und wirbelfrei.

Der grundsätzliche Vorteil eines Jethelms ist das große Blickfeld, weil man nicht wie bei einem Integralen aus einem Bullauge blickt. Drehzahlmesser und Tacho ablesen zu können, ohne extra den Kopf zu senken, ist ein Bonus, den man genauso schätzt wie das schönere Panorama sowie natürlich das leichtere Auf- bzw Absetzen, speziell auch als Brillenträger.

Oberkopfbelüftung für gutes Klima, klar. Getöntes Visier trotz integrierter Sonnenblende? Wenn man die Hell-Dunkel-Grenze beim Fahren mit klarem Visier und runtergeklappter Blende vermeiden möchte, ein praktikabler Ausweg, jedenfalls für den Salatprynz.

Der J-Cruise bietet ein integriertes Sonnenvisier, das über einen Schieber betätigt werden kann. Dieses Feature ist bei Verwendung eines klaren Visier schon praktisch, wenn sich die Sonne blicken lässt. Den Salatprynz irritiert die Hell-Dunkel-Grenze jedoch beim Fahren, deswegen wurde der J-Cruise 2 meist mit dunkel getöntem Visier genutzt. Nur bei Bewölkung wurde eben schnell das klare Exemplar montiert. Hinzufügen lässt sich, dass ein integriertes Sonnenvisier bei Integralhelmen besser funktioniert, weil man den Helm mit ein wenig nach unten senkt, um das Cockpit abzulesen. Bei einem Jethelm rollt man aufgrund des größeren Blickfeldes nur die Augen nach unten und blickt dann durch den Dunkel-Hell-Bereich, was nicht so toll anmutet.

Visierwechsel-Hebel.

Die Visiermechanik ist federunterstützt und dreht nicht um eine Achse, sondern bewegt sich in einer Ellipse, was das Anliegen unterstützt. Eine Hebelkonstruktion erlaubt einfachen Visierwechsel, An- und Absetzen gelingt damit besonders einfach. Wer eine Pinlock-Folie montieren möchte, das Visier ist dafür vorbereitet. Bei den aktuellen Temperaturen ist Beschlagen jedoch überhaupt ein Problem.

Beim Schliessen des Visiers schätzt man die präzise Führung und Rastung sehr. Eine Bohrung am linken unteren Rand rutscht über einen Nupsi, zum Öffnen reicht es, die untere Visierkante etwas nach außen und oben zu schieben. Das ist eine praxisgerechte Lösung. Die optische Qualität der J-Cruise-Visiere ist richtig gut, keine Verzerrungen oder Reflexe stören den Durchblick. Kratzfeste Beschichtung gehört serienmäßig dazu. 

Die Helmschale besteht aus mehreren Lagen Glasfasern und organischen Fasern (AIM= Advanced Integrated Matrix) für hohe Festgkeit und geringes Gewicht. Bei der Fertigung ist reichlich Handarbeit mit im Spiel. Die organischen Fasern verstärken laut Shoei die Glasfasern und ermöglichen geringes Gewicht, spezielles Polyesterharz erhält seine gewünschten Eigenschaften (hohe Elastizität und Widerstandsfähigkeit) während der Wärmebehandlung bei der Produktion. 

Die Form der Außenschale fällt im hinteren Bereich mit sanften Sicken und leicht kurvig aus dem Rahmen, wie ein modernes Kunstwerk fast. Die drei Schieber der Oberkopfbelüftung schliessen präzise, die Wirkung der durchstreifenden  Luft bei ist gut zu spüren. Der J-Cruise 2 ist vorbereitet für den Einbau eines Sena SRL2-Kommunikationssystem, die wellenförmigen seitlichen Abdeckungen dafür sind abnehmbar. 

Das Adagio TC-1-Design des Testhelms mit Schwarz-Silbergrau und einem Streifen in Leuchtfarbe erinnert an Emerson Fittipaldis Look aus den Siebzigern, man muss aber kein Freund alter Formel 1-Zeiten sein, um das schön zu finden. 

Abgang mit sanften Sicken und leicht kurvig.

Shoei fertigt die Außenschale in vier Größen (für (XS-S, M, L, XL-XXL), Wangenpolster gibt es bei Bedarf in vier  verschiedenen Stärken zur Feinabstimmung, die Innenpolsterung ist herausnehm- und waschbar. Der Kiennriemen ist mit einem Ratschenverschluss aus Edelstahl ausgestattet. Das Gewicht liegt bei 1.250 Gramm (Größe XL 1500 Gramm) und das Prüfverfahren erfüllt die ECE 22.05. Dekore und Designs, mit Klarlackschicht ordentlich gefinisht, werden zu Univarianten natürlich auch angeboten. Die UVP-Preise beginnen bei 479 Euro, der Aufpreis für das abgebildete Adagio TC-1 Dekor beträgt 100,- Euro.

Der Shoei J-Cruise 2 überzeugt bei Anmutung, Materialien, Fertigungsqualität etc. auf ganzer Linie und sorgt als Tophelm für ein gutes Gefühl, beim in die Hand nehmen, beim Aufsetzen und beim Fahren sowieso, ja sogar beim Absetzen, ein bißchen wie bei einem Schmuckstück, über das man sich freut. Das macht es leicht, eine Entscheidung dafür auch im Nachhinein abzupolstern und verdient die volle Gasgriffsalat-Empfehlung.

Jet Set? Durch Zeit und Raum strömen, je weiter weg, desto besser.

Fotos: Buenos Dias, Bridgestone/Montero & Co

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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