Weit weg, nah dran: Korea Life Kolumne, Teil 7

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Wolfgang Faust, hier mit seiner NC750X DCT vor dem Bongeunsa-Tempel in Gangnam, lebt und arbeitet in Seoul. Weil in Südkorea vieles anders, abenteuerlich und interessant ist, schreibt »Hondawolf« die Kolumne »Weit weg, nah dran« für Gasgriffsalat.com.

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Pizza to Go-Kuriergefährte.

Tach, Gemeinde, ich erzähle einfach mal weiter: Ein samstäglicher Ausritt mit der Besten aller Sozias startete in Richtung Osten zu einer Rundtour, die wir schon einmal in ähnlicher Form unternommen hatten, nur diesmal gegen dem Uhrzeigersinn. Der Verkehr lief stadtauswärts flüssig, wir kamen gut voran. Das erste Bild hatte ich schon lange in Planung; unweit unserer Behausung stehen Pizza-Kuriermopeds am Straßenrand, die später ausschwärmen, um ihre kulinarische Fracht zuzustellen. Später sehen wir an einer Kreuzung ein Mädchen in Jeans und ohne Helm freihändig als Sozia auf der Ladeplattform einer Daelim Ace. Die Polizei hier fährt seelenruhig an so etwas vorbei…

No-Prob-Transportlösung.

Ziel am Vormittag war der ansprechende Royal-Enfield-Salon am östlichen Stadtrand. Alle Modelle waren am Start, die Continental GT und die Interceptor sind richtig gute Retrobikes mit stimmigem Design und der richtigen Prise „Habenwill“. Der Türgriff am Eingang trägt auch gleich das Motto dazu: Made like a gun“… 

Beim Bäcker.

Nach soviel Nostalgie war erst mal ein Kaffee fällig, den wir vor der Kulisse der hier überall anzutreffenden „Tous les Jours“-Bäckereien einnahmen. Der Besitzer eines Honda Elektro-Mopeds kam uns mit einer großen Tüte Croissants entgegen. Wir hatten noch Kilometer vor uns, so sputeten wir uns, aus der Stadt zu kommen. Nach einem Spaziergang im Dasan Mountain Eco Park am Zusammenfluß von Namhangang- und Bukhangang-Fluß und einer Begegnung mit einer Hauskatze, die sich sogar von uns Ausländern streicheln ließ, sahen wir uns nach einem Mittagsmahl um. Also steuerten wir den Motorrad-Treffpunkt nahe Yangpyeong an. Dort lässt sich lecker (abgemildert) koreanisch essen, also auch für europäische Geschmäcker gut. Zum anderen ist der Treff immer Anziehungspunkt fürs fahrende Zweirad-Volk. 

Style + Show.

Unter anderem gab es eine Harley mit Stützrädern und eine Victory neben einem Chamäleon-Can-Am-Spider. Ein Paar war vorbildlich gekleidet; Sicherheitsaspekte beim Motorradfahren sind hier ja häufig nachrangig, insofern also eine echte Dresscode-Ausnahme. Ewiges Thema: Style und Show. Hier ein aufgebrezelter Milwaukee-Eisen-Treiber. Alles Ton in Ton und Wapiti-Hirschleder aus good old USA. 

Unser Weg führte durch pittoreske Gebirgstäler und Dörfer. Zur Reis-Erntesaison ist die gelbe Färbung der Pflanzen Zeichen für ausreichende Reife, also wird mit Spezialmaschinen alles gemäht, dann die Garben gedroschen. Die Reiskörner werden auf Plastikplanen auf dem Randstreifen der Straße zum Trocknen ausgebreitet und dann in Säcke gefüllt. Noch nicht abgeernteter Reis ergibt mit den schon ausgedroschenen Garben schöne Motive. Dieses Foto entstand direkt neben dem „Dreamy Camera Café“, ein gemütliches und liebevoll ausgestattetes Refugium mit einer ansehnlichen Kamera-Sammlung und fotobezogenen Accessoires, Bildern und dekorativem Krimskrams.

Pittoreske Täler und Dörfer.

Kaffeezeit war noch nicht, also schwangen wir uns in den Sattel und warfen die NC in die in dieser Gegend wirklich fahrenswerten Kurven. Da wenig Verkehr war, hatten wir richtig Spaß und surften in Richtung Nordwesten durch die Berge. Am Bukhangang-Fluß stieß meine Holde spitze Schreie aus, die mich zum Ankern und Umkehren bewogen, weil sie ein Pink-Muhly-Gras-Feld entdeckt hatte. Diese Gräser sind ein Blickfang, der einen Trend in Asien begründet: Porträts vor pinkem Hintergrund. In Seoul gibt es am Han-Fluß in der Nähe des World-Cup-Stadions ein solches Gelände, zu dem Heerscharen von Menschen pilgern und gern auch Schlange stehen, um sich vor und in diesem sehr aparten Gras fotografieren zu lassen (einfach mal #pinkmuhly bei Instagram suchen). 

Bauen ohne Grenzen.

Auf der anschließenden Heimfahrt wurden wir nach einer Kurve einer riesigen Brückenbaustelle angesichtig. Da steht dann einfach so ein Pfeiler mitten im Fluß und wartet auf den beidseitigen Straßenanschluß. Beeindruckend, wie ich finde…

Mädelz on the road.

Der letzte Schnappschuß entstand an einer der gefühlt Millionen Ampelkreuzungen in Seoul, als hinter uns drei lustige Biker das Gasgriff-Spielchen anfingen. Die schielende BMW wird übrigens von einem Mädel bewegt, die dann sehr flott über die Kreuzung sägte, um an der ebenfalls im Racemodus startenden FJR-1300-Pilotin dranzubleiben. In der Dunkelheit kamen wir zu Hause an und hatten über 200 Kilometer bei bestem Wetter und viel Sehenswertem verbracht. 

Nachdem der Herbst eingezogen ist, werden zwar die Tage kürzer, aber das Motorradfahren bleibt nicht minder reizvoll. Denn es ist tagsüber noch angenehm warm, aber nicht mehr stickig. Bei Temperaturen von 24°C in der Spitze und strahlend blauem Himmel ist die beginnende Laubfärbung ein Augenschmaus der besonderen Art und bietet eine grandiose Kulisse für Touren außerhalb der Stadt. So nutzte ich an einem Freitag die Zeit nach dem Feierabend, um zum Honda-Händler zu fahren und neue Bremsbeläge zu erwerben. Auf dem Weg dorthin, den ich bewußt so gelegt hatte, daß noch einige Zwischenstopps rund um die Gewerbezentren in Dongdaemun reinpassten, ging mir fotografisch einiges ins Netz. I

BMW muss warten….
Geheimnisvoller Flügelscooter.

Ich kam mit meiner NC750X DCT neben einem Honda-Scooter mit dem poetischen Namen „Julio“ zu stehen. Ein anderer Schnappschuß zeigt die Kontraste in dieser Gesellschaft: Der nagelneue BMW muß halt warten, bis der Kollege mit dem einachsigen Gefährt abbiegt, um seine Ladung abzuwerfen. Egal, wie oft er das tut, wird er dennoch nie in einem solchen Auto sitzen. Das Aufstiegsversprechen gilt halt nicht für alle, schon gar nicht für die Straßenarbeiter… 

An der gleichen Stelle rollte später ein Schwerlasttransport ins Bild – entgegen der Einbahnstraße, ohne Helm und in Schlappen. Die hier allgegenwärtigen Daelim CitiAce sind offenbar unkaputtbar und machen jeglichen Mißbrauch mit. Beim Honda-Händler in Gangbuk staunte ich Bauklötze. Ich hatte im Urlaub in Deutschland versucht, beim Händler Bremsbeläge zu beschaffen, was aber nicht klappte. Was soll ich sagen: Der junge Mann am Tresen verschwand nach einem Blick in den Computer im Lager und stand kurz darauf mit den gewünschten Teilen wieder vor mir. 

Beim Flügel-Dealer.

Den Eingang zierte tatsächlich eine Gold Wing und nicht wie letztes Mal eine CBF 650. Der Berater kam gleich zu mir und gab mir in Englisch zu verstehen, wie toll er die Wing findet. Ich stimmte ihm zu und wagte mir die Frage wie viele der fahrenden Einbauküchen dieses Jahr schon einen Besitzer gefunden hätten. Die Antwort: allein dieser Händler hat bis dato  fünfundvierzig neue Goldflügel verkauft. Und in Gangnam sind’s wohl noch ein paar mehr… 

Daelim-Chopper mit Dach.

Auf dem Heimweg begegnete mir ein überdachter Daelim-Chopper mit Lastenanhänger. Er gehört einem Arbeiter, der in einer Müllsammelstelle direkt nebenan seinem Tagwerk nachgeht. So Eindrücke stehen in so starken Kontrast zur Glitzerwelt im Stadtzentrum, daß einem manchmal schummrig wird. In Indien oder Thailand geht es noch extremer zu, aber Korea ist halt unter den zehn stärksten Industrienationen der Welt und dann gibt es solche Bilder. 

Open air-Exponate.

Auf einer Dosenfahrt nach Incheon und Umgebung gab es einige zweiradrelevante Ereignisse, die ich mit der Kamera festhalten konnte. Geradezu exemplarisch ist für Korea, dass alles Mögliche einfach irgendwo ausgestellt und feilgeboten wird. Auf einer Uferpromenade in Wolmido fand eine Suzuki-Motorradpräsentation unter freiem Himmel statt. Direkt vor dem Maskottchen von Incheon waren rund ein Dutzend fabrikneue Motorräder aufgestellt und warteten auf interessierte Betrachter. Nix aufsitzen, nix Probefahrt, weil: gefährlich! Direkt daneben waren noch ein paar Indian-Modelle aufgebaut.

Bulli-Kids.

Wenige Schritte weiter war eine Ausleihstation für Kinder-Elektromobile, die diesmal nostalgische Gefühle weckten: die Modelle waren dem Typ-2-Bulli von VW nachempfunden. Wenn koreanische Kinder diese Autos lenken, wirkt das doch sehr niedlich. Die Originale sieht man ja außerhalb entsprechender Treffen mittlerweile sehr selten auf der Straße.

Vielleicht ein Bestatter?

Der Sonntag darauf war einer Tour mit meinem Sohn vorbehalten, die Einkaufs- und Erledigungszwecken diente, aber halt nicht nur. Die Kamera ist praktisch immer startklar. Der erste Schuß an einer Ampel galt einem Harleypiloten mit Todessehnsucht, wenn man sich die Airbrush-Motive auf seinem Eisen so anschaut. Vor dem zweitgrößten Shoppingtempel Koreas, der Starfield Hannam Mall, kamen wir auf einem der hier seltenen Motorradparkplätze zum Stehen. 

BMW-Shopping im Einkaufscenter.

Der Gang in den Konsumtempel (zu viele Leute, zu viel Krach, zu viel Werbung) endete mit dem Kauf einer Uhr für meinen Sprößling und einem schmackhaften Mittagessen. Danach ging es mir besser und wir wagten (völlig underdressed, weil in Mo-Klamotten) einen Gang durch das Gewühl. Zunächst kamen wir am National Geographic-Flagship Store vorbei. Da stand am Eingang auf einer Schotter-Plattform eine BMW 1200 GS mit einer Fahrerpuppe in sehr interessanter Position; möglicherweise springt er gerade ab…

Im 3. Stock entdeckten wir einen Harley-Händler inmitten von Klamottenläden und Parfümerien. Ich weiß zwar nicht, wie das in anderen Ländern so ist, aber zumindest in Deutschland wäre es wohl komisch, wenn ich in irgendwelchen Shopping-Arkaden erst am H&M vorbeikomme, dann bei Douglas, vielleicht im Subway etwas esse und dann noch schnell beim BMW-Fritzen gucke, was es Neues gibt. Ist hier aber genau so – ein paar Meter weiter residierten z.B. Land Rover/Jaguar und Tesla.  

Auf dem Rückweg sah ich erstmals in freier Wildbahn ein Ural-Gespann. Der Eigner war ein lustiger Geselle, der zu mir meinte, zum Einkaufen sei das Ding wegen des Kofferraums gut geeignet. Aller Nostalgie zum Trotz halte ich so ein Gefährt gerade in Korea für einen ziemlichen Anachronismus: man steht im Stau wie alle Büchsen und hat noch nicht mal eine Umlufttaste. Außerdem fanden wir noch eine expeditionsmäßig ausgerüstete BMW F800 GS. Wo der nach dem Shopping mit seinem Hausstand noch hinwollte, fragt man sich schon.

Urige Ural.

Nach dem Shopping wollten wir weiter zur Kartbahn im Stadtteil Jamsil. Dort stellte sich aber heraus, daß die Kartbahn für ein motorsportliches Großereignis okkupiert war: es lief gerade die Abschlußzeremonie der KSRC – Korea Scooter Race Championship. Die Rennen waren zwar schon vorbei, es war dennoch höchst unterhaltsam. Zunächst konnten wir auf dem Parkplatz einige Zweiräder begutachten: eine rosa Super Cub parkte neben einer neongrün-perlmuttglitzer-changierenden Yamaha R3, die wiederum von einer Tracer mit signalneongrünen Sturzbügeln und Accessoires flankiert wurde. Ein paar Schritte weiter stand eine Suzuki V-Strom mit einem Sturzpad in Satellitenschüsselgröße. Eindeutig dazu die hier beliebten Plüsch- und Gummigesellen, als Sozius (vorschriftsmäßig mit Helm) wie als Blinker- und Heckbürzel-Maskottchen. 

Auf dem Gelände war eine Bühne für die Siegerehrung aufgebaut, aber zunächst war Kinderbespaßung angesagt war. So zogen wir weiter Richtung Fahrerlager. Dort war Erstaunliches zu sehen: die bereits erwähnten Daelim CitiAce, umgebaut als Racer mit großen Scheibenbremsen vorn und hinten, Rennauspuff, Kriegsbemalung und Slicks! Dazu gab es weitere grandiose Umbauten. Leider haben wir diese Teile nicht in Aktion gesehen. An der Bühne hob inzwischen der ultimative Krawall an, der die Siegerehrung einläutete. Grid-Girls überreichten die Pokale, alle Sponsorenplakate waren am Start und das Wichtigste: alle erhielten Schampus zum Verspritzen. Eine Moderatorin interviewte die Sieger, sogar die Kids der Rennfahrer wurden auf die Bühne gehoben.  

Am nächsten Wochenende wurde es ziemlich schattig. Deshalb jetzt eine Nachlese mit Fotos anderer Touren und Unternehmungen, die bisher nicht in den Kontext passten. Los geht es mit einer interessanten Installation. Da hatte ein älterer Mann seinen Dreiradroller als mobile Keks-Backstation umfunktioniert und bot die Ergebnisse in der Fußgängerzone der China-Town von Incheon an. Da treffen sich japanische, chinesische und koreanische Einflüsse in Architektur, Küche und Ambiente auf nette Weise. 

Matt liegt hart im Trend.

Unweit davon war eine rote Vespa zu sehen. Matt ist (nicht nur) hier hart im Trend, Vespa hat das aufgenommen und bietet interessante Varianten an. Die von einer zierlichen Fahrerin bewegte S1000RR war einer Schmuckschatulle nachempfunden. Der changierende Perlmuttlack blinkte und glitzerte. Dann fuhr ich an einer coolen Kreation vorbei: Eine Daelim CitiAce in Strip-Version. Plastik und Zierrat ab, Auspuff hoch, Stollenreifen und Hochlenker dran, spannende Farbe drübergejaucht, Sitzbank abgesteppt – schon war ein Caféracer startklar.

Auf einer Fahrt Richtung Südosten ging über die Städte Wonju und Danyang nach Andong. Dabei kamen wir an einen spannenden Ort: die Odaeho Lake Art Factory. Hier hat ein vor Ideen übersprudelnder Koreaner sein Metall-Reich erbaut. Er sammelt alten Schrott aus der Umgebung und erzeugt phantasievoll-bizarre und lustige Fahr- und Stehzeuge sowie Metallskulpturen. Der Rundgang dort ist ein Fest für die Sinne, man entdeckt immer wieder staunenswerte Kreationen aus Maschinenteilen, Gummi und Eisen. 

Weltreisender in spe.

Nach der Übernachtung in Andong erkundeten wir die Umgebung mit einer pittoresken Brücke über den Fluß und trafen auf dem Rückweg einen BMWisten mit seiner neuen R1250 GS in der Fulldress-Variante. Er bat, ihn vor seinem Eisen zu fotografieren und wir kamen mit ihm ins Gespräch. Er erzählte von seiner Tochter, die in Frankfurt/Main studiert und die er zu besuchen gedenke. Allerdings nicht einfach so, sondern in Verbindung mit der Teilnahme an den BMW Motorrad Days – mit dem eigenen Motorrad. Zu diesem Behufe plant er mit der Fähre nach Wladiwostok überzusetzen und dann auf dem Landweg bis nach München zu fahren. Auf die Frage, welche Fahrzeit er dafür angesetzt habe, meinte er, drei Monate für Hin- und Rückfahrt. Ich halte das für ausgesprochen sportlich, zumal auf er auf dem Rückweg noch schnell in Spanien vorbeischauen und dann am Mittelmeer entlang über Türkei, Georgien, Iran usw. wieder nach Hause wollte.

In Blue Bär-Gesellschaft.

Die Tagesroute führte uns weiter nach Gyeongju. Dort angekommen, fiel mir gegenüber unserer Bleibe die malerisch vor der Ziegelwand geparkte Daelim CitiAce mit einem feschen „Centerbag“ im Rahmendurchstieg auf. In Homigot an der Ostküste nahe Pohang begegnete uns die Rollertruppe. Der weiße Leuchtturm im Hintergrund ist der höchste und größte an der koreanischen Küste. Davor bietet ein fideler Senior Quadtouren mit faßähnlichen Anhängern an. Das muß man gesehen haben: Der Alte heizt in einem Affenzahn mit den sieben Fässern im Schlepptau über die Uferpromenade und die Leute hinten drin kreischen, was das Zeug hält. Sowas in einem Land, wo ansonsten alles gefährlich ist und Warnschilder an allem kleben. 

Charmanter Einzylinder.

Von da aus fuhren wir weiter an der Ostküste nach Pohang. Der Ort ist das Stahlzentrum Koreas mit dem Megakonzern POSCO. Die Skyline der Stadt direkt am Meer ist geprägt durch Schlote, Hochöfen und Rohrleitungen – Duisburg-Rheinhausen in asiatisch halt. Am Hauptsitz im Stadtzentrum klebt der Slogan „Green & Clean“. Klar, ist ja auch die erste Assoziation, die man bei Stahlwerken hat… Wir sind einigermaßen rumgekommen in diesem für Europäer erstaunlichen und in vielen Bereichen wohl dauerhaft rätselhaften Land und seinen Leuten. Mit vielen Erscheinungen des koreanischen Alltags kann man sich arrangieren. Ein gerüttelt Maß an Geduld, viel Fehlertoleranz und gesunde Selbstironie helfen dabei.

Das bißchen Rost stört nicht beim Fahren…

Abschließend ein paar Bilder aus dem Fundus der Zweirad- und sonstigen Skurrilitäten in diesen Gefilden:  Anfangen will ich mit einem Lastenbike, eine Doppelstockvariante für die Ladewannen war mir bis dato noch nicht untergekommen. Gleich daneben: ich bin immer wieder fasziniert von den Ladekapazitäten dieser doch eher zierlichen Motorräder. Interessant und hier gut zu sehen: die per Bratkunst verlängerte Schwinge mit Doppelfederbeinen und die Seitenstütze.

Gute Güte, eine Griso.

Die Moto Guzzi Griso ist schon in Europa eine Seltenheit, die hier angetroffene stand vor einem Händler im Osten der Stadt, wo es noch mehr Kaufmannsläden dieser Art gibt. Ich hatte mal von einer Begegnung mit einer MZ 1000S geschrieben. Hier hat es sogar einen Händler für die Marke. Da standen zwar keine Motorräder aus Zschopau, es war auch eine arge Rumpelbude, aber immerhin!

Gruss nach Zschopau!

Eine bis auf das Allernotwendigste gestrippte Honda: Ein sehenswertes Exemplar der Weglaßkunst, zudem mit erfrischender Farbe auf dem Tank, die mich an Erdbeer-Sahne-Bonbons erinnerte. Jetzt  soll es um den arbeitenden Teil der hiesigen Zweirad-Piloten gehen, die ja im Straßenbild die Mehrheit darstellen. Da gibt es ein unerschöpfliches Reservoir an Ideen und Kreationen, bei denen sich unsereins die Nackenhaare aufstellen. Hat aber alles seinen Sinn und erfüllt den Zweck, zu dem es ausgedacht wurde. 

Inline-Four-Transporter mit Speer….

Im Viertel Dongdaemun findet man immer eine große Auswahl. Beginnen will ich mit einer Honda CB400F. Diese Bikes sieht man als Transportmittel eher selten, die meisten greifen auf 125er Scooter und Chopper von Daelim zurück. Die Ladekapazität würde auch den Kofferraum eines Kleinwagens gut füllen. Aberwitzig erscheint mir aber der per Riemen und Gurten befestigte Speer, der einen Meter über das Heck hinausreicht. Wehe dem, der das als Hinterherfahrender nicht rechtzeitig erkennt….

Transportkünstler.

Eine getunte Daelim CitiAce mit Doppelfederbeinen an der verlängerten Hinterradschwinge und ein aus Flacheisen und Armierungsstahl designter Klappständer am Hinterrad. Sehr schön zu sehen auch die Handschützer, die alle benutzen, um während der Fahrt das Touch-Smartphone bedienen zu können (geht ja mit dicken Handschuhen nicht).

Rollender Händler.

Die von Dongdaemun aus nahegelegene „Paperstreet“ ist eines meiner bevorzugten Reviere, weil da fast immer sehenswerte Vehikel unterwegs sind. Dieses schicke Gefährt fuhr in eine Tiefgarage, kurz darauf fuhr mir eine recht abgeschabte Version in ähnlicher Konfiguration vor die Linse. Der hinter der rechten Wade des Fahrers hervorragende Schalthebel dient übrigens dem Einlegen des Rückwärtsganges. Noch ein buntes Sammelsurium diverser Momentaufnahmen aus dem Seouler Zweiradleben. Starten will ich mit einem Honda Zoomer in der Rotkreuz-Ausführung. Der Besitzer ist offenbar Taschenfan, überall hängen welche, sogar am Lenker. 

Ich war einmal ein Honda Zoomer.

In einer Mittagspause, die ich häufig für eine Runde um den Block nutze, fielen mir die Post-Kurierfahrer vor ihren Arbeitsmitteln auf. Die koreanische Post fährt Daelim CitiAce, die Konkurrenz von UPS dagegen Honda Benly

Ziemlicher Brummer: Yamaha Morphous-Scooter.

Eine Ansammlung der in Europa nicht angebotenen Yamaha Morphous-Scooter. Wer den Honda Helix kennt, weiß, daß die Kategorie der Sofa-Scooter durchaus etwas für sich hat. Der Morphous ist ein ziemlicher Brummer und erfreut sich in Asien, obwohl schon länger nicht mehr gebaut, einer treuen Fangemeinde, die ihn gelegentlich auch abenteuerlich frisiert. Bei uns im Viertel fährt einer im Batman-Stil rum.

Graffiti-Kunst.

Zum Abschluß ein Graffiti. Der Dreirad-Chopper mit Getränkeausschank ziert als Wandgemälde eine Fassade auf dem sog. „Hooker Hill“ in Itaewon, rein optisch ein ziemliches Genickschußviertel. Sehr apart auch die ins Gemälde einbezogenen und kunstvoll verlegten Gasleitungen. Diese Art der Installation findet man in älteren Vierteln von Seoul überall. Das soll’s für heute gewesen sein, allen in Ost und West oder wo auch immer eine gute Zeit!

Text und Fotos von Hondawolf aka Wolfgang Faust

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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