Rainer Kopp und die rote Kuh

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Rainers rote Kuh: Früher sahen seine Geräte irgendwie desmodromischer aus.

Manchmal wünsche ich mir irgendeine alte Möhre mit ein paar Wehwehchen, weil dann könnte ich öfter in der Werkstatt von Rainer Kopp in Butzbach vorbeischauen und fragen »Kannste mal schauen und das richten?«. Rainer hat zu goldenen Schrauber-Händen den vollen Motorraddurchblick und übercheckt alles, von der Roller-Gurke über alles Normale bis zum Kringel-Renner, aber da ich eine betonsolide CB1300 fahre, die immer brav brummt, geht mein Bedarf eigentlich gen Null und ich schaue eher punktuell rein. Zuletzt, noch vor Corinna, war ich für einen Vorderradlagerwechsel da, den er quasi im Handumdrehen erledigte, ich schaute zu dabei, mit einem Kaffee in der Hand.

Butzbacher Man-Cave, quasi.

Die Hangaround-Qualitäten der Werkstatt, die er RK-Racing nennt, sind jenseits von. Da glänzen eine Unmenge interessanter Maschinen aller Marken, auf den Hebebühnen und verstreut drumherum. Das eine-andere Bonbon ist seins, weil es passiert manchmal, dass ihm ein älteres Eisen zuläuft, er es kunstfertig in Quasi-Neuzustand versetzt und sich eine Weile daran erfreut. Ducs von anno Tuck, eine frühe VFR, ein bayrischer Tourer (der zum Custom-Roadster umoperiert wurde) oder eine göttliche Bimota DB5R, die hier im Salat einmal gewürdigt wurde. 

Passende Farbe für Italo-Freaks.

Früher, als Rainer noch jung und hübsch war wie der Prinz von Wetterauhausen, fuhr er mit einer Honda RC30 Rennen, danach folgten allerlei Desmo-Divas. Mitunter dachte ich, dieses Kapitel auf und jenseits der Ideallinie, manchmal auch im Kiesbett, sei irgendwie ausgestanden. Obwohl nach seinen sensationellen Bonneville Salzsee-Eskapaden eigentlich klar war, dass gegen den Flatout-Virus kein Kraut je gewachsen sein wird. Inzwischen tobt er sich wiederholt bei Trackdays aus. Wenn ich nicht irre, ging das kürzlich mit einer alten Fireblade wieder los, obwohl er eigentlich bei  einem Event nur als Fahrwerk-Service-Technikus vor Ort sein sollte, jetzt wurde auf einmal auf eine rote Kuh aufgerüstet, die über den Winter mit edlen Fahrwerks-Teilen auftoupiert wurde, als gelte es den grimmigsten Highspeed-Göttern dieser Welt Paroli zu bieten.

Hilft, wo er kann, auch bei alten CB-Eisen.

Jedenfalls messagte er vorhin nachfolgendes Lebenszeichen: »Ledenon 2021 mit Motorrad Grässel ist vorbei – das war fast wie ein Reifentest im Contidrom, bei nur 20 Teilnehmern war es recht einfach 30 Liter Super-Plus zu atomisieren, teilweise war ich ganz alleine auf der Strecke. Kalt, 10 Grad, Windböen bis 70 km/h an Tag 1, bis 58 km/h an Tag 2. Da war vorsichtiges Agieren angesagt, ins Krankenhaus will keiner, und zur Zeit erst recht nicht. Die montierten Bridgestone S22 waren bei diesen Bedingungen ideal, ein Slick hätte ausser höherem Verschleiss (durch kalten Asphalt) keinen Unterschied gemacht. Habe Freitagmittag eingeladen, 14 Uhr war Abfahrt, zu Hause kurz nach Mitternacht nach 950 km. Gruss vom Ali* soll ich ausrichten.« 

»Ich hatte die BMW auf Öhlins umgerüstet, Cartridge vorne und TTX hinten. Das funktioniert halt einfach, dazu kommt bei Schwedischem Gold der Psycho-Effekt dazu. Die Gabel ist sensationell besser wie die DDC-Presse, das zuvor umgerüstete Federbein war auch super, da merke ich jetzt nicht so viel, das musste halt mit rein, weil nur einseitig umbauen geht nicht wegen dem DDC, die Steuerelektronik erkennt sonst auf Fehler und alle Ventile gehen zu. Habe noch das Motor-Ansprechverhalten auf „Rain“ gestellt, damit ist die Drosselklappenkurve nicht so aggressiv, der Gasweg länger und besser dosierbar. Alte Männer wie wir, die dicke Federn an Drosselklappen gewöhnt sind, kommen mit den schwuchteligen Poti-Gasgriffen nicht zurecht, da ist halt kein Gefühl dahinter.«

»Coronabedingt haben wir vorher und auch schon eben gerade einen Test gemacht, (Testcenter und Selbsttests) natürlich alle negativ, wir haben uns auch nur vom Anhänger (darin haben wir auch genächtigt) bis zur Box bewegt und alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten. Tanken, Autobahngebühr geht per Karte und kontaktlos, Restaurants undsoweiter sind auch in Südfrankreich geschlossen, das wirkt schon befremdlich im Gegensatz zu sonst. Danke an Ali, es war wie immer ein superfreundliches Training und rundum alles Klasse. Cheers Rainer!

* Karl-Thomas »Ali« Grässel, Yamaha-Händler in Hof und Ex-Rennfahrer (DM, Grand Prix, das ganze Programm, zu TZ 250/250-Zeiten) veranstaltet einmal im Jahr ein Trackday-Event für Freunde und Kunden in Lédénon/F. Vor etlichen Jahrzehnten konnte der Salatprynz ihn einmal zur Teilnahme an einem Velosolex-25 Stundenrennen in Orléans überreden. War ein großer Spass!

Tasty Tasse. Kaffee geht immer.

Fotos: Rainer Kopp, Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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