Bridgestone BT46: Diagonal-Touring-Reifen

0
Gute Idee: Moderner Diagonal-Gummi für Youngtimer-Schätze.

Als Bridgestone im Oktober 2019 ankündigte, seinen weithin bekannten Dauerbrenner für Youngtimer und Mittelklasse-Bikes zu ersetzen, las sich das in einer Media-Info so:

Battlax BT46 – Der neue Diagonal-Touring-Reifen »Der Battlax BT46 ersetzt den legendären Battlax BT45. Seit seiner Einführung vor 22 Jahren gilt der Battlax BT45 als der ideale Touring-Reifen im Segment der Reifen in Diagonalbauweise. Bridgestone hat dieses Design nun mit modernster Technologie weiter entwickelt.« 

BT46 Front – am Profil leicht zu erkennen.
BT46 Rear – auch hier vertraute, aber leicht modifizierte Optik.

»Der Battlax BT46 verfügt über eine invers gestaltete V-Form im Profil des Vorderreifens. Das reduziert unregelmäßigen Verschleiß und gibt dem Fahrer ein hervorragendes Feedback sowie ein verbessertes Handling. Der Hinterreifen wurde mit einer neu angepassten Silika-Mischung verstärkt, die Grip und Laufleistung maximiert. Die Performance auf Nässe wurde im Vergleich zum BT45 verbessert, ohne das bewährte Handling und die Verschleißfestigkeit des Vorgängers zu beeinträchtigen.«

Angepasste Silica-Mischung für optimierte Nass-Performance.

»Bridgestone hat den BT46 entwickelt, um die breite Auswahl an diagonal bereiften Motorrädern im Touring-Segment abzudecken. Der Reifen wird in 21 Größen für die Vorderachse und in 27 Größen für die Hinterachse erhältlich sein. Im Januar 2020 werden zehn Hauptgrößen auf den Markt kommen, wobei kurz darauf die Einführung des kompletten Portfolios folgen wird.«

Das wär´s gewesen, mit frisch gummierten Alteisen entlang der Adria.

So weit, so gut. Das eigentlich Umwerfende folgte kurz darauf, eine Einladung zu einem BT46-Testevent in Kroatien im Mai/Juni 2020. Der Testmaschinen-Fuhrpark dafür umfasste – sitzen Sie gut? –  über ein Dutzend Youngtimer aus den 70er und 80er Jahren, die eigens gescoutet, gekauft, aufbereitet und in Quasi-Neuzustand versetzt wurden, damit die Journalisten und Tester würdige Geräte zum Ausprobieren der neuen Gummis vorfinden würden. Die Liste umfasste: BMW R 90 S, Honda CB 900 Bol ´Or, Ducati 900 Darmah, Moto Guzzi V7 Sport, Honda CB 1100 Super Bol d´Or, Kawasaki 900 Z1, Honda CBX 1000, Kawasaki GPZ 900R, Suzuki Katana 750, Yamaha RD 350 LC, Yamaha XJ750 und noch ein paar mehr. Jedenfalls genug Pretiosen, um in allen Redaktionen Hauen und Stechen auszulösen, welcher Glückspilz diesen Test-Termin schließlich wahrnehmen würde dürfen.

Doch dann funkte Corona dazwischen, ab März grassierte das tückische Virus überall und das Event musste abgesagt werden. Alles was blieb, waren ein paar vorab produzierte Fotos (die hier zu sehen sind) und der Bridgestone BT46 wurde ohne begleitende Berichterstattung in den Handel eingeführt. Superschade, denn die wunderbaren Alteisen hätten allen Berichterstattern vor Ort eine fantastische Zeitreise beschert und den Lesern aller Gazetten und Websites erhellende Testimpressionen.

Wie sich der BT46 im Bridgestone-Programm einordnet.

Nachdem es also verstohlen eine Träne wegzuwischen galt – sniff – springen wir fast forward ein paar Monate nach vorne und krallen uns Tim Röthig, der inzwischen einen alten R80/7-Boxer custommässig entkernt und natürlich auf BT46-Gummis gestellt hat. Tim arbeitet bei Bridgestone, war im früheren Leben aber Motorradtester für das Magazin »motorrad, reisen & sport« und fuhr viele Jahre Rennen, von Yamaha Cup über 600er DM bis zur Langstrecken-WM.

Nachfolgend also unser Fachgespräch:

Wenn man als Ex-Rennfahrer für eine Reifenfirma arbeitet, wie fährt man da auf der Straße?

Tim: »Ziemlich normal eigentlich. Hin und wieder gibt es Leute, die sich wundern, was mit dem alten Boxer und so schmalen Reifchen möglich ist, dabei bin ich nur lustig unterwegs, ohne ein Risiko einzugehen. Wenn ich moderne Motorräder mit Radial-Sportreifen fahre, geht problemlos mehr und es bleibt gleichzeitig safe. Wenn irgendwelche Sachen schleifen, weiss ich, jetzt ist genug.«

Tim´s entkernte R80/7 rollt natürlich auf BT46-Gummis.

Wie lässt sich das Fahrverhalten älterer Maschinen mit dem neuen BT46 umschreiben? 

Tim: »Das funktioniert vereinfacht gesagt so, dass die alten Eisen und Youngtimer fahren wie moderne Motorräder. Es gibts nichts zu motzen und fühlt sich nicht ungewöhnlich an. Weder hart noch polterig, sondern natürlich, intuitiv und erfreulich neutral im Handling, auch weil diese Bikes meist schmal bereift sind und breite Lenker haben. Es rollt sauber geradeaus und glänzt mit geschneidigem Handling,

Volle Nostalgie-Packung: Tim und das LSL-motorrad, reisen & sport-Team, anno 2000.

Man steigt also nicht ab, ohgott-ohgott, das war ja schlimm früher, und ist heute immer noch so, auch wenn der Reifen modern ist? 

Tim: »Überhaupt nicht. Man ist ja auch früher bereits anständig gefahren, als die Motorräder auf einem anderen technischen Stand waren als heute, was aber nicht heisst, dann man weniger Spass beim Fahren hatte. Definitiv nicht. Vielleicht waren die Geschwindigkeiten hier und da etwas niedriger, aber die Fahrfreude war die gleiche wie heute.«

Alte Eisen, frisch besohlt.

Der Bridgestone BT45 war 22 Jahre im Verkauf, kann der BT46 ähnlich lange angeboten werden? 

Tim: »Warum nicht? In diesem Segment macht man nicht jedes Jahr alles neu, weil wenig neue Motorräder nachfolgen, die neue Ansprüche haben. Ich gehe davon aus, dass der BT46 ebenfalls längere Zeit im Programm bleiben wird.« 

Diese BT46-Größen kamen 2020 in den Handel.

Ersetzt der BT46 den BT45 oder läuft der Verkauf parallel weiter?

Tim: »Es ist so, dass der BT46 den BT45 schrittweise ablöst, über drei Jahre verteilt. 2020, im ersten Jahr, kamen die gängigsten 20 Größen, im zweiten folgen 15 weitere Dimensionen und im dritten Jahr nochmal etwa 10, bis das avisierte Größenangebot dann komplett lieferbar ist.«

Die Nachfolgegrössen für 2021 und 2022. Die UM-Zulassung des BT46 erlaubt die Montage sowohl mit als auch ohne Schlauch auf jeweils entsprechenden Felgen.

Was erzählst, damit potentielle Kunden ihre Entscheidung für diese Bridgestone-Gummis abpolstern können?

Tim: »Der BT45 war in seinem Segment das Mass der Dinge. Ich würde schon behaupten, dass wir den gängigsten Reifen anbieten konnten und nicht umsonst Marktführer waren. Der BT46 glänzt zusätzlich mit verbesserter Nassperformance. Damit macht man alles richtig, egal ob man ein jüngeres Motorrad mit Diagonalreifen fährt oder einen Youngtimer aus Zeiten, als es noch keine Radialreifen gab und auch die Reifendimensionen anders ausfielen. Dazu kann der BT46 schlauchlos auf entsprechenden Tubeless-Felgen montiert werden und mit UM-Zulassung ebenso auf Felgen mit Speichen, bei denen ein montierter Schlauch erforderlich ist.«

Tim hat sich kaum verändert, nur die Tochter ist heute 20 Jahre älter.

Fotos: Bridgestone, Buenos Dias, Röthig

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply