LSL Custom-Umbau: Triumph Scrambler

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Road Trac: Modifizierte 2008er Triumph Scrambler EFI

Einfach ein paar Teile ab- und andere dafür dranschrauben plus neue Farbe drübergiessen ist etwas anderes als Motorradtechnik wirklich zu verstehen. Diese LSL Triumph Scrambler 900 ist ein gutes Beispiel dafür, wenn beim Customising die optimierte Funktion im Vordergrund steht. Der Umbau basiert auf einem 2008er EFI-Modell mit Einspritzung (die sichtbaren Vergaser sind Attrappen) sowie Kabelbaum statt CAN-Bus-System, wurde aber erst im Sommer 2020 fertiggestellt und befindet sich inzwischen in der Hand eines zufriedenen Kunden im Bergischen Land. 

Luftiger Retro-Look gesellt sich zu optimiertem Handling und reduziertem Gewicht hinzu.

Im Prinzip wiederholte Jochen Schmitz-Linkweilen von LSL mit der »Road Trac« einen weiter verfeinerten Umbau, den er fünf Jahre zuvor (an der unten gezeigten weissen Maschine) schon einmal durchgeführt hatte. Seine Erklärung dazu: »Das Konzept dreht sich vor allem um die Verbesserung des Fahrverhaltens, weil das Fahrwerk unglücklich gewählt war. Triumph hat damals Geometrien aus den 70er Jahren wiederholt, ohne Not, anstatt sich auf das zu besinnen, was sie längst konnten, nämlich moderne Fahrwerke zu bauen.«

Schlanker LSL-Halter mit LED-Scheinwerfer und -Blinker von Highsider.

Optimiert wurde aufwändig mit einem Maßnahmen-Bündel. Geändert wurden die Radgrößen von original 19/17 Zoll auf nun 18/18 Zoll, dadurch kam das Fahrzeug vorne niedriger und hinten höher. Mit 10 mm längeren Federbeinen wurde dazu der Lenkkopfwinkel auf 64 Grad geändert und der Nachlauf dank neu angefertigter LSL-Gabelbrücken (kleineres Offset von 48 mm) auf 97 mm. Alles zusammen führte mit der neuen Reifenpaarung 110/80-18 und 150/70-18 zu deutlich verbessertem Handling bei gleichzeitig tadellosem Geradeauslauf auch bei höherem Tempo. »Die Radkombination mit 18 Zoll und den übrigen Änderungen funktioniert auf diesen Motorrädern echt klasse und fährt sich super«, bemerkt der üblicherweise zurückhaltende Technikus und Konstrukteur aus Krefeld dazu.

Komplex gefaltet: Alu-Kennzeichenhalter.

Ein leichter Zard-Auspuff hilft Gewicht sparen und bringt zusammen mit passenden Mapping mehr Drehmoment und Ansprechkraft. Die Summe der übrigen Umbauteile (Lenker, Felgen, Kotflügel aus Aluminium, Cockpit etc.) hilft das Fahrzeuggewicht um etwa 12 kg zu reduzieren.

Zur vergleichsweise schlichten Sonderlackierung präsentieren sich Front und Heck aufbautechnisch entschlackt. Vorne ist ein LED-Scheinwerfer von Highsider an luftigen LSL-Haltern aufgehängt. Dazu wurde ein Teil der Kabelage ordentlich fixiert unter den Tank verlegt (im Tanktunnel ist dafür genug Platz), weil es sonst im kleineren Lampentopf zu eng zugeht. 

Winz-Cockpit.

Spendiert wurden außerdem MotoGadget-Cockpit sowie Highsider Classic X1-Blinker mit LED-Technik, nicht zu klein und mit schönem Alugehäuse. Als Rücklicht sind LED-Einheiten mit 3 zu 1-Funktion verbaut, also Rücklicht, Blinker und Bremlicht gleichzeitig. Ein komplex gefalteter Aluminium-Kennzeichenhalter platziert das Kennzeichen in korrektem Winkel und mit Bedacht oberhalb des Schutzblechs, damit es bei Geländeausflügen nicht gleich Schaden nimmt.

Ähnliche Rezeptur: LSL-Clubman-Umbau auf Basis einer 2015er Bonneville.

Neben der optimierten Funktion ist die inkludierte Zeitlosigkeit ein weiterer Custom-Umbau-Bonus. Wer etwas nach eigenen Geschmack in die Tat umsetzt, muss nicht mehr befürchten, sobald ein Nachfolger erscheint, ein veraltetes Eisen sein Eigen zu nennen. Custom-Bikes altern nicht, sondern bleiben einzigartig und individuell, egal was nachfolgt.

Optimierte Funktion ist das Eine, inkludierte Zeitlosigkeit das Andere.

Fotos: LSL

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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