Yamaha R6 Race für 2021

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Interessante Entwicklung: 2021 wird Yamahas R6 nurmehr als nicht-homologierter Supersportler für Trackday-Enthusiasten und Rennfahrer erhältlich sein, eine Straßenzulassung ist dann nicht mehr möglich. Die Modellbezeichnung wechselt von YZF-R6 auf R6 Race. Damit wird der Fokus klar auf Rennstrecken-Einsätze geswitcht. Die R6 Race wird ab Januar 2021 bei den Yamaha-Händlern erhältlich sein, der »Spezialpreis« dazu wird intern noch kalkuliert und später verlautbart.

Die bisherige 2020er YZF-R6 und die künftige 2021 R6 Race werden zwar baugleich sein, also komplett mit Lichtanlage, Blinkern, Spiegel, Hupe und Kennzeichenhalter ausgeliefert. Wer jetzt denkt, dass eine Zulassung auch ohne Euro 5 eventuell 2021 noch möglich sein könnte (wie bei einigen anderen Euro 4-Bikes), ist auf dem Holzweg, denn dafür müsste Yamaha Motor Deutschland eine Sondergenehmigung beim Kraftfahrtbundesamt beantragen, was aber nicht der Fall sein wird; und ohne die damit verbundenen COC-Papiere (Certificate of Conformity) kommt eine Zulassung nicht in Frage.

Der überquadratisch ausgelegte (Bohrung 67 mm/Hub 42,5 mm/599 ccm Hubraum) DOHC-Vierzylindermotor mit Titanventilen leistet unverändert 118,4 PS, wenn bis 14.5000 georgelt wird. Das max. Drehmoment beträgt 61,7 Nm bei 10.500/min. Den Deltabox-Alurahmen komplettiert ein Heckrahmen aus Magnesium. Verbaut sind dazu KYB-Federelemente vorne und hinten. Die R6 RACE verfügt über eine Traktionskontrolle, wählbare Fahrmodi und Ride-by-Wire-Gasgriff. Ein optional erhältliches R6 GYTR Kit (Genuine Yamaha Technology Racing) hält spezielle Komponenten zur Racing-Aufrüstung bereit. 

Im GYTR-Kit enthalten sind u.a ein leichter Kabelbaum und eine programmierbaren ECU, ein modifiziertes Lufteinlasssystem, eine Akrapovic Titan Komplettanlage, andere Bremsleitungen, ein ABS Emulator (zum Entfernen der ABS-Einheit), Bremshebelschutz und Kettenfinne. Nachfolgend die exakte Auflistung des R6 GYTR Kit:

  • GYTR Race Verkleidungsset 
  • Akrapovič-Komplettanlage
  • GYTR ECU-Paket 
  • GYTR Kabelbaumsatz 
  • GYTR Schaltereinheit 
  • GYTR Interface Kabel 
  • GYTR AIS Plug Set
  • GYTR ABS Emulator
  • GYTR schlüsselloser Tankdeckel 
  • GYTR Sitzpolster 
  • Bremsleitungssatz aus Edelstahl für Vorder- und Hinterrad 
  • Bremshebelschutz vorne 
  • GYTR einstellbare Fußrastenanlage mit optionaler Schaltumkehr 
  • Kettenradschutz hinten (Kettenfinne) 
  • Kettenritzel (14 Zähne), passend für 520 Kettenumbau 
  • Kettenrad (45 Zähne), passend für 520 Kettenumbau 
  • DID Gold Race Chain 520 
  • Ständeraufnahmen
  • Paddockständer 

Zusätzlich gibt es weitere GYTR- und Öhlins-Komponenten, mit denen die R6 RACE aufgerüstet werden  kann. 

Yamahas Vorgehen, die R6 auf diese Art und Weise weiter anzubieten, ergibt Sinn, wenn man weiss, dass 2020 in Deutschland bis dato nur 134 Maschinen der YZF-R6 für den Strassenverkehr zugelassen wurden. Selbst wenn man aufrundet mit jenen Bikes, die ohne Zulassung direkt auf Rennstrecken gelandet sind, auf vielleicht 200 bis 250 Exemplare und dann noch bedenkt, dass es auf anderen Märkten in Europa vergleichbar aussieht, wäre eine Weiterentwicklung auf Euro 5 kaum wirtschaftlich sinnvoll darstellbar. So bleibt Sportfahrern wenigstens die Möglichkeit, eine renntaugliche 600er Supersport-Basis zu erstehen und weiter einzusetzen.

Sportliche 600er von Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki waren einmal als Allrounder eine Macht am Markt, aber diese Zeiten sind lange vorbei, weil die Bikes über die Jahre immer extremer für die Rennstrecke hochgezüchtet wurden und immer weniger für den Alltagseinsatz taugten.

Alte Zeiten: Cal Crutchlow eroberte 2009 mit der YZR-R6 den Supersport-WM-Titel.

Im Fall der R6 reicht die Historie zurück bis 1999, die als Supersport-Motorrad für Profi-Rennfahrer und Trackday-Hobbyracer über alle Entwicklungsschritte hinweg immer erste Wahl war. Größen wie Jörg Teuchert, Cal Crutchlow, Chaz Davies, Sam Lowes, Lucas Mahias, Sandro Cortese und Randy Krummenacher eroberten damit Weltmeistertitel. In diesem Jahr reihte sich Andrea Locatelli nach etlichen Siegen in Serie in die Liste der Weltmeister ein.

Insofern muss kein Racer eine Träne verdrücken. Im Haupteinsatzgebiet, flatout auf der Idealline, bleibt die Yamaha R6 Race ja allen erhalten, die supersportlich in der 600er Klasse unterwegs sein wollen.

Fotos: Yamaha, Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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