Custom BMW-Roadster von Tim Röthig

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Weniger ist mehr: Entschlackter R 80/7-Roadster.

Es ist immer schön, wenn auch angejahrte Motorräder möglichst lange mit Freude genutzt werden. Die 1978er BMW R 80/7 von Tim Röthig als grimmig reduzierter Roadster-Umbau ist dafür ein gutes Beispiel. »Ich wollte immer schon so einen Boxer nach meinem Geschmack umbauen. Die Basis war zwar fast zu schade dafür, aber…. na ja.«

Tipp: Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken.

Tim Röthig, GSX-R 1000, Bridgestone Bikers Profi-Team, Endurance-WM, Assen 2003.

Tim, der bei Bridgestone arbeitet, war früher als aktiver Rennfahrer unterwegs (Yamaha Cup, 600er DM, etliche Jahre Langstrecken-WM, zuvor war noch Offroad angesagt) und turnt bis heute mit aktuellen Bikes auf der Straße und auf Rennstrecken herum. Die coole Kuh geht also als abwechslungsreiches Kontrastprogramm durch. 

Die 42 Jahre alte Basis vor dem Umbau-Start.

Die /7-Basis sah so aus, wie über 40 Jahre alte Bikes halt aussehen. Ziemlich Barock, mit Chrom und Candy-Lack plus zeitgeistigem Design. Als Tim mit seinem Youngtimer im Winter 2019/2020 in Grevenbroich bei der Fa. Boxer-Schmiede einziehen durfte – die beiden Inhaber sind zwei seiner besten Buddies – wurden erstmal Bauteile wie Schutzbleche, Hochlenker, rundlicher Tank, Sofa-Sitzbank, Auspufftröten, Seitendeckel, wuchtiges Heck samt Gepäckträger usw. abgebaut.

Danach ging es Stück für Stück an die Komplettierung der entkernten Basis. Ein schlankes Rahmenheck, der Einfachheit halber als Bausatz bei Dietmar Franzen (von Sport Evolution) gekauft, wurde montiert und die Gabel um 70 mm gekürzt. Die bereits montierten Koni-Stoßdämpfer funktionierten noch gut, konnten also revidiert wieder verbaut werden. 

Von vorne bis hinten reduziert auf schlanken BT46-Gummis.

Die Kleinteile sind aus allerlei Quellen zusammengetrüffelt: Winz-Tacho aus ebay-Kleinanzeigen, Blinker, Spiegel  und Rücklicht aus dem Netz. Der kurze Tank mit Kniekissen entstammt einem Behördenfahrzeug der /6er Serie und weist oben ein markant bedeckeltem Extrafach auf, in dem die mobilen Ordnungshüter den Knöllchenblock griffbereit transportierten. Außerdem stechen ins Auge: Schwarzer Superbike-Lenker, gnadenlos kurze Kotflügel vorne und hinten sowie knackige Ironhead-Auspuffdämpfer.

Die R 80/7 lässt sich einer Zeit zuordnen, in der Fahrwerke noch schneller als der Motor sein mussten. Da die Basis technisch einwandfrei in Schuss war, hielt sich das Arbeitsaufkommen insgesamt zum Glück in Grenzen. Tim lakonische Auskunft zur Einheit von Zweizylinder und Kardanantrieb: »Der Motor mit 23.000 km war schon revidiert. Den konnte ich also in Ruhe lassen.« 

Ein hübscheres Porträt von Tim als aus wilden WM-Zeiten war gerade nicht auffindbar.

Zum Frühling 2020 erst brachte Bridgestone einen Nachfolger des lange offerierten BT-45 auf den Markt, ergo ist der neue Battlax BT-46 als denkbar modernste Diagonalreifen-Paarung für Youngtimer und mittlere Hubräume auf die Speichenräder aufgezogen. Tim Röthig: »Die BT-46 passen super und sind natürlich viel besser als das Fahrwerk des alten Mopeds.«

So ist also aus der betagten R 80/7 mit moderatem Aufwand ein funktioneller, sachlich-unglamouröser Roadster geworden, auch die Farbgebung geriet eher unshiny. Jedoch: Schlüsse auf die mögliche Gangart damit sollten vorsichtshalber vermieden werden – denn Kondensstreifen lassen sich bekanntlich auch mit Alteisen fabrizieren… 

Bestie statt Alarmanlage – funzt auch.

Fotos: Tim Röthig + Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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