Saisonkennzeichen-Winterblues

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Am 31. Oktober schicken bekanntlich nicht Wenige ihre Maschinen in den Saisonkennzeichen-Winterschlaf mit einer letzten Last-Exit-Ausfahrt, um für den Winterfrust mitsamt Depressionen und sonstigen Entzugs-Nebenwirkungen zumindest einigermaßen gewappnet zu sein. Der Salatprynz begab sich mit zwei Mitfahrern (Carsten und Det aus dem CB1300-Forum) im Spessart auf eine solche Abschiedstour:

Treffpunkt im Spessart beim Engländer-Waldhaus.

War super! Ein Glück, dass zumindest drei Forumsmitglieder sich auf die Socken machten zur bluesigen Saisonende-Ausfahrt im schönen Spessart. Ich verirrte mich schon auf der Anfahrt zum Treffpunkt, schlug also einen Haken untenherum zum Engländer Waldhaus an einer einsamen Strasse im Wald, über die Kurvenorgie, die sich Engländerstrasse nennt. 8 km Geschlängel und tonnenweise nasses Laub (es hatte in der Nacht noch geregnet), die volle Glitschpackung. Carsten mit der wunderbaren SC 40-CB1300 mit Vergasern (Vorgänger der späteren SC54 mit Einspritzung) rauschte ebenfalls über diese Etappe, Det nutzte den Heimvorteil und trudelte auf der Diretissima via Aschaffenburg ein. Carsten wähnte noch einen blinden Passagier unter der Sitzbank in der Nähe der Batterieverschraubung, der ab und zu am Kabel wackelt, nach einem kurzen Check stellte sich heraus – war nur blinder Alarm.

Also brausten wir los, ich gab den Guide. Es war noch bewölkt, der Asphalt feucht und es gab einiges an Laub, fast mehr von oben herabgepustet als bereits gefallen, derart durch Laubwolken zu fahren, war schon speziell. Wir kamen gemächlich aber gut voran auf der ausgetüftelten Route mit mehreren Schleifen, bis zu einer Umleitung, die wir geschickt austricksten, indem wir eine Teilpassage in Gegenrichtung befuhren, die uns später retour führen sollte und schließlich einen Haken wieder zurück schlugen.

Kaffee-Pause.

Eine Kaffeetränke finden war kniffliger als gedacht, entweder war geschlossen oder es es hiess, wir öffnen erst am späten Nachmittag, was wohl weniger mit Corinna zu tun hatte, sondern eher eine Spezialität des Spessart zu sein scheint.

Eine nette Wirtin in einem eigentlich noch nicht geöffneten Restaurant erbarmte sich schließlich und brühte drei Capuccino auf, dazu gabs Zucker aus einem stilvollen Silberbehälter mit passendem Schaufellöffel – haben wahrscheinlich die Römer dort früher hinterlassen, oder die Hunnen.

Cappu serviert mit Stil

Danach verzogen sich die Wolken, richtig fetter und schöner blauer Himmel wie im Wetterbericht versprochen setzte sich durch, die Straßen wurden immer trockener, wir kurven fröhlich durch herbstfarbene Landschaft obenuntenrechtslinks. Det fiel später ein: »Ich hätte die GoPro mitnehmen sollen«, das gleiche ging mir auch durch den Kopf.

Beim nächsten Zwischenstopp an der Bayrischen Schanze, ein Bikertreff/Ausflugsort, den alle kannten außer mir, sagte jeder mindestens dreimal »Ich bin so froh, heute mitgefahren zu sein.« Das herbstliche Naturschauspiel war vom Feinsten, die Sonne wärmte das Herz, klasse.

Herbstfarben an der bayrischen Schanze

In Bad Orb waren 120 km inhaliert, also kehrten wir ein. Bei einem Griechen war ebenfalls noch geschlossen, »wir machen erst um halb Sechs auf«. Moped-Wanderer, kommst Du in den Spessart, denke nicht ans Einkehren vor dem späten Nachmittag – was es alles gibt.

Guten Appetit.

Zufällig war nebenan ein Dönerpalast, der uns gerne den Tisch vollpackte, lecker und reichlich – Ächz! Da wir am nördlichsten Punkt unseres Ausflugs waren, seilte sich Carsten danach ab in Richtung Heimat, Det und ich kurvten die geplante Kurzanbindung (mit reichlich Gegenlicht der tiefstehenden Sonne, poaaahh) zurück zum Engländer und weiter nach Aschaffenburg, wo es schon langsam wieder duster wurde. Det hopste solo das kurze Stück nach Hause, ich haute mich auf die Autobahn und erreichte 100 km weiter in Rheinland-Pfalz wieder die heimatliche Garage. War super! Aber das sagte ich ja schon.

CB-Trio in Bad Orb.

Auch wenn es im Winter zwischendurch immer wieder Möglichkeiten gibt, Motorrad zu fahren: Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der ich mich frage, ob es nicht eigentlich zielführend sei, auf der Zulassungsstelle das Saisonkennzeichen gegen eine Ganzjahreszulassung zu tauschen. Weil jene paar Tage über die kalte Jahreszeit, die man nicht fährt, obwohl es wettertechnisch eigentlich schon möglich wäre, bekommt man nicht mehr zurück. Schwierige Kiste! Oje, ich glaube, der Winterblues geht schon los.

Info no prob, sogar vor Ort.

Fotos: Buenos Dias, Det

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

3 Kommentare

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    Fein geschrieben, Gerhard! War ein toller Tag und ich freue mich wenn das nächste Saison vielleicht wieder klappen sollte. Da hast Du wirklich eine klasse Idee gehabt.

    TSFG Carsten

    PS:
    Kleine Berichtigung 😉 – Die SC40 steht vorne auf 120/70/17 (Serie 130/70/17) und hinten auf 190/60/17 (Serie)

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      Danke, ist korrigiert, war wohl eine Verwechslung mit der 18-Zoll-SC30-CB1000, mit der die Big-One-Familie einst begründet wurde.

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    Wenn du wieder mal einen Anlass brauchst, um so eine schöne Geschichte zu schreiben, dann lass es mich wissen. Ich stehe Dir immer wieder gerne als Basis für Lesestoff zur Verfügung 😉

    Okay die CB ist jetzt im Winterschlaf, aber ich hätte da noch eine Enduro und ein Gespann ohne Weicheikennzeichen. Komm vorbei und wir fahren am 24.12. auf den großen Feldberg. Dann nehme ich die GoPro mit. Die Fernbedienung ist am Samstag gekommen.

    Gruß
    det

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