Weinsberg CaraBus 630 MEG »Outlaw«

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Multitalent für Transport + Übernachtung: Weinsberg CaraBus 630 MEG »Outlaw«

Gehört Ihr auch zu jener Spezies der Gasgriffsalat-Degustierer, die sich mit ihrem Motorrad gerne abseits des öffentlichen Verkehrs fortbewegen? Beispielsweise mit dem Rennmopped auf einem asphaltierten Rundkurs oder einer Enduro im unwegsamen Terrain? Sprich: Mit Sportgeräten ohne Straßenzulassung? Dann habt Ihr, wie meine Tochter Kathi und ich (Link zum Beitrag »Spanien im Kreisverkehr«) Bedarf an einem geeigneten Gefährt, um das Bike zum Ort des aktiven Geschehens zu speditieren. Mit geeignet meine ich: Multitalentiert für Transport und Übernachtung. Aber eines, dass nicht gleich den Rahmen in puncto händelbarer Größe und persönlichem Preislimit sprengt. Also nicht unbedingt so ein riesiges Wohnmobil mit Heckgarage wie z.B. der Hymer MasterLine B-Klasse I 780.

Effizient: Alles drin und dran, was man sich wünscht.

Wer nun folgerichtig an ausgebaute Kastenwagen mit hochklappbarem Heckbett denkt, ist schon auf dem richtigen Weg. Ich finde diese aus Erfahrung allerdings eher suboptimal, weil man bei Übernachtungen zwischendurch das Bike ausladen muss. Und im Dunst von Sprit und Öl schlafen ist selbst für Petrolheads kein verlockender Gedanke. Ein Camper mit großer Garage und ausreichend Zuladung für Mensch, Maschine und Equipment zu einem vernünftigen Preis käme also recht, sagt der geneigte Sportbiker ohne Ambitionen zum aufwändigen Selbstausbau. Bei Weinsberg wird er fündig: Der CaraBus 630 MEG „Outlaw“ steht mit 44.870 Euro in der Preisliste. Die Idee zu diesem ersten Camping-Utility-Vehicle (CUV) mit fester Heckgarage im Portfolio der Knaus-Tochtermarke kam übrigens von einem motorradbegeisterten und Trackday-aktiven Produktmanager.

Zentrales Element des Ausbaus auf der Basis des 6,36 Meter langen Fiat Ducato-Kastenwagens mit Superhochdach ist ein opulenter Laderaum: 220 Zentimeter von den Hecktüren bis zur Rückwand des Wohnraums, knapp 144 cm Breite von einem Seitenschrank zum anderen, 187 cm auf Lenkerhöhe und ordentliche 150 cm vom alugeriffelten Boden bis zur Unterseite des festen Doppelbettes unter dem Dach. Das praxisgerecht Beste an dieser nominell 4.500 Liter fassenden Motorradgarage: Sie ist zum Wohn-/Schlafbereich hin sorgfältig abgedichtet und schützt die Besatzung damit vor den unvermeidlichen Ausdünstungen der Betriebsstoffe.

Ein klarer Vorteil des Längs-Laderaums im „Outlaw“ ist auch das einfache Handling beim Einladen des Bikes: Über die klappbare, gut 2,20 Meter lange und bis zu 340 kg belastbare Alurampe – direkt an der Wand hinter der linken Hecktüre verzurrt – lässt sich das Motorrad mit gezieltem Schwung hineinschieben. Das Vorderrad wird von einer Motowippe aufgefangen und gehalten, anschließend kann man die Maschine mit Spanngurten an den verstellbaren Ösen in den Airline-Bodenschienen verzurren. Es passen zwei Maschinen rein (Kostenpunkt: 670 Euro pro „Bike-Pack“).

Daneben und dazwischen bleibt genügend Platz für Werkzeug, Ersatzteile und anderes technisches Equipment oder Camping-Möbel. Entweder in Kisten, die man logistisch geschickt im Innenraum verteilt. Oder in den Staufächern der beiden Seitenschränke, in deren vorderem Bereich allerdings schon die Aufbau-Batterie (links, eine zweite gibt’s gegen Aufpreis), die Fünf-Kilo-Gasflasche sowie der Frischwassertank (rechts) installiert sind. Praxisgerechte Details sind eine Außendusche (249 Euro) sowie 12-V/230V-Steckdosen.

Da legst di nieder…

Reichlich Raum für’s Sportbike impliziert bei unter 6,40 Meter Länge einen eingeschränkten Wohnraum für die Biker selbst: Durch die Türe in der Trennwand hineingeschlüpft, gewährt der Gang zwischen Küchenzeile und Bad nur minimale Ellenbogenfreiheit. Die Küche ist mit Standard-Komponenten ausgestattet: ein Zweiflamm-Herd und eine Spüle in einer Edelstahleinheit, ein 75 Liter fassender Kompressor-Kühlschrank sowie Besteck- und Stauschubladen. Der Kühlschrank wäre allerdings besser am vorderem Ende des Küchenblocks, also im Bereich der Schiebetüre, platziert. Dann könnte man mal schnell durch die geöffnete Schiebetüre zum Kaltgetränk greifen.

Weiteren Stauraum gibt’s in einem Hänge- und einem Dachschrank (letzterer über dem Cockpit). Gesessen und gegessen wird am – allerdings kleinen – Tisch der Halbdinette, auf deren Sitzbank man aus Platzgründen durchaus verzichten könnte. Einer Zweier-Besatzung würden auch die drehbaren Cockpitsessel reichen. Okay: Im Fahrerlager sitzt man nach den Turns am Abend eh’ lieber draußen mit den Kollegen beisammen – den Grill und das Bierfässchen oder die Getränkekästen in Reichweite.

Pause zwischen dem Umrühren.

Konzeptbedingt ungeräumig ist die Sanitärzelle: Zum Duschen mag man einen Vorhang als Spritzschutz einhängen, Brause und Schlauch lassen sich aus der Einhebel-Mischarmatur des Waschbeckens ausziehen. Für die Notdurft steht eine übliche Thetford-Cassetten-Toilette bereit. Treibt es einen nachts heraus, sollte man das nicht im Halbschlaf versuchen. Denn es steht intelligente Fortbewegung in mehreren Etappen an: Als erstes muss man aus dem Bett nach vorne robben, weil die Schlafetage nur 53 cm Kopffreiheit gewährt. Da wäre ein kleines Hubdach zweckmäßig (wie beim seligen VW T1 Westfalia). Anschließend darf man über das nicht komplett verstaubare Fallschutznetz via Leiter runterklettern. Diese muss man aushängen, um ins Bad zu gelangen. Dann das Ganze wieder retour: Türe zu, Leiter einhängen, raufklettern, Schutznetz einhängen, langlegen. Ausstrecken darf man sich auf einer 1,97 Meter langen und 170 cm breiten sowie 7 Zentimeter starken, von einem Abstandsgewirke unterlegten zweigeteilten Matratze. Dort ruht man komfortabel, vor allem nach einem intensiven Motorradsport-Tag.

Je nachdem was und wieviel man nun in den Outlaw packt, empfehlen sich Auflastung und Mehrleistung: Mit zwei Motorrädern und allem Equipment sind die serienmäßigen 520 kg Zuladung und die 120 PS des Standard-Ducato-Motors schnell ausgereizt.

Text: Egbert Schwartz
Fotos: Egbert Schwartz, Weinsberg

Datensalat Weinsberg CaraBus 630 MEG »Outlaw«

Basisfahrzeug/Chassis: Fiat Ducato 35 L, Kasten L4H3. Motor/Antrieb: 2,3 Multijet II 120, 88 kW/120 PS, Euro 6d-TEMP, Frontantrieb, 6-Gang-Schaltgetriebe. Maße & Gewichte: L/B/H 636/205/282 cm, Stehhöhe 218 cm, Fahrgewicht 2.980 kg, Gesamtgewicht 3.500 kg, Zuladung 520 kg, Radstand 403,5 cm. Ausstattung: Sitzplätze/mit Gurt 4/4, Sitzgruppe Halbdinette mit Quersitzbank und verstellbarem Tisch, drehbare Cockpitsitze, Schlafplätze 2 x Heckbett 200 x 170 cm, 1 x Notbett (Sitzgruppe): 145 x 70 cm (opt. 180 x 80 cm), Küchenzeile rechts: 2-Flamm-Gaskocher, Spüle, 75 l-Kompressor-Kühlschrank. Kompaktbad links: integrierte Duschwanne, Waschtisch, drehbare Cassettentoilette. Installation: Fahr-/Frisch-/Abwassertank: 20/110/85 LiterHeizung Truma Combi 6 inkl. 10 Liter WarmwasserboilerAufbaubatterie 1 x 95 AhGasvorrat 1 x 5 kgPreis ab 44.870 Euro

Hersteller-Link: www.weinsberg.com

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Eggi

Egbert Schwartz kreiselte mit Kreidler, Suzuki, Yamaha, Moto Guzzi und ist jetzt bei einer Suzi Freewind XF 650 angekommen.

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