Neue BMW M 1000 RR

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Erstes M Modell der Motorradsparte: Neue BMW M 1000 RR

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5 PS mehr Leistung, 5 Kilo weniger Gewicht, Aero-Winglets an der Verkleidung, neue Nissin-Bremszangen, Carbonfelgen und weitere Feinheiten im Detail. Mit der neuen M 1000 RR, die ab März/April 2021 und für 32.168 Euro zu haben sein wird, setzt BMW ein nochmals verschärftes Superbike im Verkaufsprogramm über die S 1000 RR, das gleichzeitig als Homologationsmodell für Sporteinsätze in Superbike-WM und nationalen Serien einen Schritt nach vorne ermöglichen soll.

Carbon-Fügelwerk.

Das erste M-Modell bei BMW Motorrad leistet 212 PS (156 kW) und wiegt vollgetankt 192 kg. Die Spitzenleistung erreicht der überarbeitete Shiftcam-Inline-Four bei 14.500/min. Das maximale Drehmoment von 113 Nm liegt bei 11.000 Touren an, die Maximaldrehzahl beträgt 15.100/min. Der Motor verfügt über neue 2-Ring-Schmiedekolben von Mahle, angepasste Brennräume, auf 13,5 zu 1 gesteigerte Verdichtung, längere und leichtere Titan-Pleuel von Pankl, schmalere und leichtere Schlepphebel, Einlass-Kanäle mit neuer Kanalgeometrie sowie Optimierungen an Nockenwellen und Ansaugtrakt. Überarbeitet wurde auch die Titan-Abgasanlage. Der Motor der M 1000 RR soll im für Racing relevanten Bereich von 6.000 bis 15.100/min druckvoller als das S 1000 RR-Triebwerk zu Werke gehen, ohne seine Qualitäten für sportliches Landstraßenfahren eingebüßt zu haben. 

Stärker, leichter, aerodynamischer

Das aus Carbon gefertigte Flügelwerk produziert Abtrieb und geschwindigkeitsabhängig zusätzliche Radlasten. Die zusätzliche Radlast am Vorderrad wirkt der Wheelie-Neigung beim Beschleunigen entgegen, damit die Traktionskontrolle weniger regelt und mehr Antriebskraft in Vortrieb umgesetzt wird für schnellere Rundenzeiten. Auch in der Kurve und beim Bremsen soll der Effekt der Winglets spürbar sein und späteres Ankern sowie erhöhte Kurvenstabilität ermöglichen.

Das Fahrwerk basiert auf dem Aluminium-Brückenrahmen des S-Modells und erhielt eine optimierte Upside Down-Gabel sowie ein überarbeitetes Zentralfederbein. Das Fahrwerk ist für die Rennstrecke ausgelegt, soll aber auch mit Qualitäten für die Landstraße überzeugen. Augenmerk lag auf der Optimierung des Fahrverhaltens, des Brems-und Anfahrnickausgleichs sowie auf bestmöglichem Gefühl des Fahrers für Vorder- und Hinterrad. 

Äußerlich kennzeichnen die neuen, von Nissin gefertigten M Bremssättel eine Beschichtung in blauem Eloxal. Die Felgen aus Carbon gab es als Option der S 1000 RR, bei der M sind sie serienmässig verbaut. Das Cockpit-Instrument zeigt eine M Aufstart-Animation.

Trackday-ready, hier noch mit der 220 Gramm schwereren schwarzen Schwinge.

Wem der Serientrimm nicht reicht, erhält optional mit dem M Competition Paket eine Bauteile-Mischung für Ästheten und Renntechnik-Gourmets. Dieses umfasst zu M GPS Laptrigger-Software und Freischaltcode ein M Frästeilepaket, das M Carbonpaket sowie eine in Silber gehaltene und 220 g leichtere Schwinge, die neu (wartungsarme und DLC- beschichtete) M Endurance Kette sowie das Soziuspaket inklusive Höckerabdeckung. 

Das Wichtigste zur neuen BMW M 1000 RR, knapp gerafft:

• Für Rennsportzwecke entwickelter M 1000 RR Vierzylinder. Gesteigerte Spitzenleistung, höheres Drehmoment im mittleren Bereich und 500/min mehr Maximaldrehzahl. 

• Leistung 156 kW (212 PS) bei 14.500/min, 4 kW mehr als in der RR. Maximales Drehmoment: 113 Nm bei 11 000/min. 

• Neue 2-Ring-Schmiedekolben je 12 g leichter, angepasster Brennraum, auf 13,5 zu 1 gesteigerte Verdichtung, schmalere und leichtere Schlepphebel. 

• Bearbeitete Einlasskanäle mit neuer Kanalgeometrie und BMW ShiftCam zur Variierung von Ventilsteuerzeit und Ventilhub. 

• Titan-Ventile, auslasseitig mit neuem Federpaket, schmalere, um 6 % leichtere Schlepphebel, optimierte Nockenwellen. 

• Grundmotor mit längeren, jeweils 85 g leichteren Titan-Pleueln von Pankl (die Company gehört bekanntlich zum KTM Konzern) für reduzierte Reibleistung und geringeres Gewicht. 

• Antihopping-Kupplung ohne Selbstverstärkung, optimiert für Rennstarts. 

• Ansaugsystem mit kürzeren Trichtern für optimierten Ladungswechsel bei hohen Drehzahlen. 

• Um 3.657 Gramm leichtere Abgasanlage (Akrapovic) mit Krümmer, Vorschalldämpfer und Endschalldämpfer aus Titan. 

• M Winglets und hohes Windschild: Später bremsen und früher beschleunigen sowie mehr Stabilität in der Kurve dank des aerodynamischen Abtriebs, ohne Einbußen bei Topspeed. 

• Fahrmodi „Rain“, „Road“, „Dynamic“, „Race“ und „Race Pro1-3“ sowie jüngste Generation der Dynamischen Traktionskontrolle DTC und DTC Wheelie-Funktion mit 6-Achsen-Sensorbox. 

State of the Art aus Bayern.

• Zwei einstellbare Gaskennlinien. Engine Brake mit dreifacher Einstellbarkeit des Motorschleppmoments im Modus „Race Pro“. 

• Schaltassistent Pro für schnelles Hoch-/Runterschalten ohne Kupplung. Leichte Schaltschema-Umkehrbarkeit. 

• Launch Control und Pit-Lane-Limiter.

• Hill Start Control Pro.

• Fahrwerksauslegung mit geänderter Geometrie, optimierter Radlastverteilung, erweiterte Justierbarkeit des Schwingendrehpunktes. 

• Optimierte Upside Down-Gabel und überarbeitetes Zentralfederbein mit Full Floater Pro Kinematik. 

• M Bremsen für maximale Track-Performance (Hersteller ist Nissin, die Company gehört bekanntlich Honda).

• Neue M Carbon Räder.

• 6,5-Zoll-TFT-Display im Cockpit, Aufstart-Animation mit M Logo und über Freischaltcode nutzbare OBD-Schnittstelle für M GPS Datalogger und M GPS Laptrigger. 

• Leichte M Batterie, USB-Ladebuchse im Heck, LED-Leuchteinheiten, elektronische Temporegelung und Heizgriffe. 

• M Design

• M Competition Paket mit M GPS Laptrigger und Freischaltcode, M Frästeilepaket, M Carbonpaket, in Silber gehaltene, 220 g leichtere Schwinge, DLC-beschichtete M Endurance Kette und Soziuspaket inklusive Höckerabdeckung. 

Im Windkanal optimiert.

Weitere M 1000 RR-Feinheiten im Detail:

….neue Schmiedekolben von Mahle: Gegenüber den Schmiedekolben der S 1000 RR verfügen diese im Kasten über zwei verstärkende Querstege. Damit sollen die M RR-Kolben Belastungen unter Rennsport-Bedingungen noch besser standhalten. Kolbenboden sowie Brennraumform sind mit Blick auf mehr Spitzenleistung und gesteigerte Maximaldrehzahl optimiert sowie die Verdichtung um 0,2 auf 13,5 zu 1 erhöht. 

….Breite der neuen Schlepphebel: von 8 auf 6,5 mm reduziert, was sich in einer Gewichtsersparnis von 6 Prozent oder 0,45 g pro Schlepphebel niederschlägt. Verstärkte Lagerbrücken der Nockenwellen tragen der gesteigerten Maximaldrehzahl Rechnung. 

…. angepasste Steuerzeit: Auslassseitig wurde die Nockenwelle mit einer neuen Erhebungskurve und 0,4 mm mehr Ventilhub versehen.

….neue Pankl-Pleuel: S 1000 RR-Pleuel sind aus Vergütungsstahl. Beim M Vierzylinder kommen Titanpleuel von Pankl zum Einsatz. Diese sind verfestigungsgestrahlt und weisen als Kolbenbolzenlagerung eine eingepresste Buchse aus Lagerbronze auf, sind dazu um 2 mm länger (101 mm Länge, von Mitte Hubzapfen zu Mitte Kolbenbolzen). Vorteilhaft erweisen sich die längeren Pleuel mit Blick auf verringerte Querkräfte auf Kolben und Zylinderlaufbahn, was die Reibleistung verringert und die mechanische Beanspruchung reduziert. Dazu fallen diese leichter aus (Gewicht 85 g je Pleuel) und reduzieren die oszillierenden Massen. Damit dreht der Motor freier und vehementer hoch.

….Antihopping-Kupplung ohne Selbstverstärkung: Anders als die S besitzt die M eine Antihopping-Kupplung ohne Selbstverstärkung. Dies ermöglicht Vorteile hinsichtlich der Dosierbarkeit bei Rennstarts. Durch den Verzicht auf die Selbstverstärkung musste jedoch die Vorspannkraft erhöht werden; woraus eine höhere Handkraft resultiert. 

….verkürzte Ansaugtrichter: Auch das Triebwerk der M ist mit variablen Ansaugtrichtern ausgestattet. Dabei wird über einen auf der Airbox angebrachten Stellmotor deren Länge kennfeldgesteuert in zwei Stufen variiert. Bei einer Drehzahl von 11.900/min werden die kurzen, zur Erzielung maximaler Leistung günstigen Ansaugwege freigegeben. Für die M wurden die Ansaugtrichter verkürzt, um den Ladungswechsel und damit die Leistungsdarstellung bei hohen Drehzahlen zu optimieren. 

….leichtere Akrapovic-Abgasanlage: Der Titan-Auspuff verfügt über zwei Dreiwege-Katalysatoren. Neben verbesserten Leistungsdaten wurde eine Einsparung von fast 3,7 kg ermöglicht. So wiegt der Vorschalldämpfer 5.630 Gramm (S 1000 RR: 9.158 g) und der Schalldämpfer nur 2.150 g (S 1000 RR: 2.279 g). Insgesamt beträgt das Gewicht 7.780 Gramm (S 1000 RR 11.437 g). 

….BMW sagt: Der M-Vierzylinder geht über das gesamte Drehzahlband kraftvoller zu Werke als das Herz der S. Bis 100 km/h beschleunigt die M 1000 RR 0,1 bis 0,2 Sekunden schneller als die S 1000 RR und bis 200 km/h knöpft sie ihr 0,4 s ab. Das Bild bei den Durchzugswerten, gemessen im 5./6. Gang: Während bei der S von 60 bis 100 km/h 2,9/3,3 s vergehen, benötigt die M nur 2,8/3,2 s. Für den Zwischenspurt von 100 bis 140 km/h sind es 2,2/2,5 s (S: 2,5/2,9 s) und im Intervall zwischen 140 bis 180 km/h werden 2,4/2,6 s (S: 2,6/2,8 s) erreicht. 

Die Entwicklung der M Winglets fand auf der Rennstrecke als auch im Windkanal statt. Dabei wurden an der Front- und Heckpartie die nachstehenden Abtriebswerte ermittelt: 

Die M Winglets produzieren Abtrieb an der Frontpartie. Dem erhöhten aerodynamischen Widerstand begegneten die Entwickler durch ein neu gestaltetes hohes Windschild. So wird eine verbesserte Umströmung des Fahrerhelms erzielt, die leichte Luftwiderstandsvergrößerung durch die Winglets egalisiert und die Höchstgeschwindigkeit beibehalten. 

Änderungen an der Fahrwerkgeometrie: Der Lenkkopfwinkel der M gegenüber der S wurde flacher auf nun 66,4° gestellt und das Offset der Gabelbrücken (um 3 mm) auf 26,5 mm reduziert. Entsprechend verlängerte sich der Nachlauf von 93,9 mm auf 99,8 mm. Gleichzeitig erfolgte eine Verlängerung des Radstands auf 1.457 mm. Die Länge der neuen M- Hinterradschwinge mit Unterzügen beträgt 618,3 mm (S: 606,6 mm). Die Einstellbarkeit des Schwingendrehpunktes wurde erweitert. Der Einstellbereich verfügt über die Werte -2 mm/-1 mm/0 mm /+1 mm/+2 mm. 

Die Upside-Down-Gabel mit 45 mm Gleitrohr-Ø verfügt über Closed-Cartridge-Einsätze, also separate hydraulische Kolben-Zylinder-Systeme. Im Gegensatz zur S verfügt die Gabel oben wie unten über aus Aluminium-Vollmaterial gefräste, schwarz eloxierte und circa 20 g leichtere Gabelbrücken. Anpassungen erfuhren die Gabelfüße, die jetzt für die Aufnahme der M Bremssättel ausgelegt sind. Neu definiert wurde auch der Gabelüberstand, der nun 9,8 mm (S: 6 mm) beträgt. Die Gabel verfügt über Einstellmöglichkeiten für die Federbasis sowie über jeweils 10 Abstimmungs-Klicks für die Dämpfungs-Zug- und Druckstufe. 

Für den M-Einsatz wurde die Hebelkinematik der Schwinge geändert. Die Verstellstrebe der S 1000 RR (Länge 87,5 mm) ist bei der M durch eine aus Alu-Vollmaterial gefräste Exzenterstrebe mit 78 mm Ausgangslänge ersetzt. Neu ist die Möglichkeit zur Längeneinstellung über einen Bereich von 6 mm in Schritten von jeweils 1 mm (7 Positionen). Entsprechend reicht der Einstellbereich von 75 mm bis 81 mm. Die voreingestellte Länge beträgt 76 mm. Ebenfalls ersetzt wurde die bisherige Gewindestange der S (Länge 87,5 mm) durch Einleger bei der M. Die Back Ride Height beträgt +6 mm (S: 5,78 mm). Das Übersetzungsverhältnis wurde von 1,63:1 auf 1,97:1 angehoben. Aus Gewichtsgründen kommt bei der M 1000 RR eine (blaue) Feder aus neuem Federstahl zum Einsatz. 

Mit M: Nissin-Zangen.

…. zu den Nissin-Bremzangen: In der Superbike-WM setzt BMW auf Bremsen von Nissin. Aus den Erfahrungen wurde der bisherige Vierkolben-Festsattel für den Einsatz in der M überarbeitet. Damit einher geht eine Gewichtseinsparung von jeweils 60 g. Im Fokus standen Bremsleistung, Dosierbarkeit, thermische Stabilität und konstanter Druckpunkt. Hierfür wurden der Bremsflüssigkeits-Haushalt optimiert und Zink/Nickel-beschichtete Stahlbremskolben mit optimierten belagseitigen Kontaktflächen (Nuten) und zusätzlicher Konvektionskühlung entwickelt. Äußerlich kennzeichnen die Bremssättel eine Beschichtung in blauem Eloxal. Am Hinterrad sorgt ein Zweikolben-Festsattel für Verzögerung. Dabei ermöglicht ein optimiertes Lagerungskonzept schnelle Radwechsel – etwa im Qualifying oder bei Einsätzen in Langstreckenrennen. 

Die M Carbon Räder sind insgesamt 1,7 kg leichter als die bereits um 1,6 kg gewichtsreduzierten Serienräder der S 1000 RR aus Aluminium. 

Fotos: BMW

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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