Tim Holtz: Racing und Musik

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Tim Holtz, Superstock-IDM 600, Yamaha R6.

Letztes Jahr gewann Tim Holtz die Twin Cup-Serie, heuer ist er in der Superstock 600-IDM unterwegs, die zusammen mit der Supersport 600 Kategorie abgewickelt wird. Drei von vier IDM-Events sind über die Bühne gegangen, Gespräch mit dem 21-jährigen Yamaha R6-Piloten.

Nach dem Umstieg von den Twins: Wie gefällt Dir die STK600-Klasse? Tim Holtz: »Gut. Beim ersten IDM-Rennen in Assen habe ich die Plätze 2 und 4 in der 600er Stock-Klasse eingefahren. Am Sachsenring war ich Vierter und Fünfter, wenn man Moritz Jenkner rausrechnet, der als Gaststarter mit von der Partie und vor mir war . Letztes WE am Lausitzring dann Zweiter und Vierter. In der STK600-Meisterschaft führt Paul Fröde, dahinter rangiere ich als Gesamtzweiter, punktgleich mit Jan-Ole Jähnig.«

»Ich fahre unter dem Dach des Bonovo action powered by MGM Racing Teams. In meiner kombinierten Klasse wird schon relativ viel Aufwand getrieben. Die 600er Supersport-Bikes dürfen andere Gabeln fahren und am Motor ein paar Dinge verbessern und haben etwa 6 bis 10 PS mehr Leistung. Mein Stock-Bike ist serienmäßig. Man fährt da selten alleine herum, muss immer gegen irgendjemand kämpfen, was ja gut ist, wenn man sich verbessern will. Sich etwas abschauen können von Leuten wie Luca Grünwald oder Karel Hanika ist immer wertvoll, auch wenn die in einer anderen Liga fahren. Man tüftelt mehr mit der Abstimmung herum, was auch interessant ist. Die serienmäßige Traction Control bleibt abgeschaltet, weil das für Straßenbetrieb ausgelegt ist und im Endeffekt nur langsamer macht. Grundsätzlich macht mir das Fahren mit der 600er mehr Spass als mit einer brachialen 1000er wie vor zwei Jahren im Seriensport.«

Racing unter Corona-Maßnahmen – schlimm? Tim Holtz: »Ich sehe das mit einem lachenden und weinenden Auge. Man hat mehr Ruhe als Fahrer, auch bei der Startaufstellung ist weniger los. Im Fahrerlager sind weniger Besucher, Begleiter, Freunde, weniger Party abends und laute Musik. Schade ist, dass jetzt ein so toller Fahrer wie Jonas Folger dabei ist, und die Zuschauer das nicht live miterleben können. Ich kann ihm ja zusehen, was sehr beeindruckend ist. Trotz der Corona-Auflagen herrscht viel Wirbel um seine Person, am Sachsenring schaute glaube ich jeder Streckenposten vorbei, um ein Autogramm mitzunehmen. Es sind schon noch jede Menge Leute da, die mit ihm reden wollen. Auch ein Fernsehsender hat ihn verfolgt.«

»Zuletzt am Lausitzring stand im Fahrerlager Supersport-WM-Pilot Thomas Gradinger neben uns, der zurzeit mit einer Sprunggelenkverletzung außer Gefecht ist, aber als Riding Coach für Superbiker Philipp Steinmayr dabei war. Im Qualifying hatte ich ein paar Probleme mit der Linie und war auch etwas verkrampft; er hat mit Tipps geholfen, hat auch gleich etwas gebracht. War schon cool, von einem Profi Rat zu erhalten.« 

Mit Papa Thomas.

Jetzt steht noch das Finale in Hockenheim an. Schon Pläne für nächstes Jahr? Tim Holtz: »Die ganze IDM-Serie eher nicht nochmal, vielleicht ein paar Gaststarts. Ansonsten lieber den Horizont erweitern, in neuem Umfeld, auf anderen Strecken. Etwa in der holländischen Meisterschaft; Dijon in Frankreich wäre auch reizvoll, weil die Strecke so toll ist. Weil der Aufwand im IDM-Zirkus ist schon arg, man darf sich auch keine Fehler erlauben. Mein Vater Thomas und ich sind fast die Einzigen zu zweit, alle anderen treiben mehr Aufwand, personell wie auch materiell. Da werden dann halt sieben Reifen am Wochenende durchgebraten. Man ist aber gewungen mitzuziehen, weil wenn ein Reifen 20 Runden alt ist, bist eine halbe Sekunde langsamer.« 

Du hast zum August die Ausbildung zum Groß- und Außenhandels-Kaufmann abgeschlossen. Inzwischen steckst aber in der Musikbranche…? Tim Holtz: »Ja, Ich arbeite als Produzent und Komponist in Bremen. Ich spiele Gitarre, am Klavier oder diversen Geräten, um auf analoge Weise elektronischen Sound zu erzeugen, komponiere Melodien und Songskizzen und arbeite die weiter aus. Ich mache das zusammen mit einem Freund, der schon länger dabei ist. Es existiert ein Netzwerk, aus dem Künstler und Sänger anfragen, ob wir Songs produzieren können, weil sie an Alben arbeiten oder neue Singles brauchen. Ich mache das schon eine Weile, immer nebenbei, habe dann aber gemerkt, dass es auch im professionellen Bereich den Leuten gefällt. Im letzten Jahr gab es Songs, die gut angekommen sind, einer erreichte Platz 6 in den deutschen Single-Charts. Es hat sich so entwickelt, dass man damit Geld verdienen kann. Aber das war ja eh immer mein Ziel, genug im Beruf zu verdienen, damit ich weiter Motorradrennen fahren kann.«

Fotos: Felix Wiesmann/Bonovo Action powered by MGM Racing, Philip Wolter

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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