M Endurance Kette von BMW

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Das hier ist kein verspäteter Aprilscherz: BMW bietet eine wartungsfreie Kette an. Diese sogenannte »M Endurance Kette« in 525er Teilung kann ab sofort für die Modelle S1000RR und S1000XR geordert werden. Direkt als Sonderausstattung ab Werk beträgt der Aufpreis 100,- Euro. Als Ersatzteil beträgt der Preis 286,08 Euro und ein kompletter Kettensatz inklusive Antriebsritzel, Kettenrad und Kleinteilen kostet 425,59 Euro. Die mögliche Ausrüstung für weitere Modelle ist in Vorbereitung.

Neues Zauberwort: ta-C Industriediamant-Beschichtung.

Idee und Entwicklung der wartungsfreien Kette erfolgten inhouse bei BMW, für die Serienproduktion wurde Kettenhersteller Regina gewonnen. Wie bei den bekannten Dichtring-Ketten verfügt auch die M Endurance Kette über eine mittels X-Dichtringen eingeschlossene Dauerschmierstoff-Füllung zwischen Rollen und Bolzen. Neu ist, dass das übliche „Kette schmieren“ ebenso entfällt wie das von Zeit zu Zeit notwändige Nachspannen.

Möglich ist dies durch Einsatz eines extrem harten Beschichtungsmaterials für die Rollen: tetraedisch amorpher Kohlenstoff (ta-C), auch unter der Bezeichnung Industriediamant bekannt. Diese Beschichtung zeichnet sich durch überdurchschnittliche Härte und Widerstandsfähigkeit aus und ordnet sich zwischen einer DLC-Beschichtung (Diamond Like Carbon) und dem reinen Diamanten ein. Anders als bislang nutzt sich die Beschichtung mit dem ta-C Industriediamanten nicht ab und offeriert dazu einen drastisch reduzierten Reibwert.

Nur die M Endurance Kette ist speziell veredelt, Kettenrad/Ritzel bleiben normale Bauteile.

Mit exzellenten Trockenschmierungs-Eigenschaften sowie eliminierter Abnutzung sollen die mit tetraedisch amorphem Kohlenstoff beschichteten Rollen der M Endurance Kette einen überlegenen Wartungskomfort ermöglichen. Auch das ständige Wegputzen abgespritzten Schmierstoffs am Hinterrad (wie bei herkömmlichen Sekundärketten) entfällt.

Was die Lebendauer betrifft, ist diese laut Information eines BMW-Mitarbeiters nicht mit der eines Kardans vergleichbar. Eine M Endurance-Kette wird voraussichtlich die Laufzeit einer herkömmlich, durchschnittlich gewarteten und gepflegten Kette bieten (grob geschätzt und je nach Fahrweise also ca. 20.000 bis 25.000 km) und dann verschlissen ausgewechselt werden müssen.

Mit der M Endurance Kette bricht wohl eine neue Ära an. Die Geschichte der Dichtringkette reicht zurück bis 1976, als Honda sich hilfesuchend an Kettenhersteller Takasago (heute RK) wandte. Die erste RCB-Werks-Honda für Langstrecken-Rennen im damaligen FIM-Endurance-Cup, eine DOHC-Vierventil-Konstruktion auf dem Gehäuse der CB 750 Four, verfügte anfänglich über 915 Kubik Hubraum und leistete 100 PS. Die zweite RCB-Stufe mit 941 Kubik schickte bereits 115 PS ans Hinterrad. Das war eine Menge Power vor über 40 Jahren, die herkömmliche Ketten schlicht überstrapazierte. Um Kettenschäden aus dem Weg zu gehen, bei Rennen über 1000 km, 8 oder 24 Stunden, existierte im Honda-Team deshalb die Order, nach jeweils 6 Stunden die Kette zu wechseln.

24 H Spa 1976, Honda RCB, Léon/Chemarin: O-Ring-Neuerung beseitigte Ketten-Probleme.

Für die 24 H in Spa 1976 lieferte Takasago dann eine Lösung mit Fettfüllung und Dichtringen, die erste O-Ring-Kette. Honda brachte für dieses fünfte Saisonrennen bereits das dritte Update, mit 120 PS aus 997,5 Kubik, dennoch bereitete der Antrieb zum Hinterrad kein Kopfzerbrechen mehr. Die Sieger-Paarung Léon/Chemarin auf der Werk-RCB-Honda donnerte mit der neuen Kette mit 270 km/h Topspeed auf dem damals 14 km langen und superschnellen Straßenkurs einmal rund um die Uhr durch die Ardennen, legte 315 Runden und beachtliche 4.447,8 km zurück, der Rennschnitt betrug sensationelle 185,3 km/h. Auch auf dem zweiten Platz landete eine Werks-RCB, unter Huguet/Ruiz. Kurzum: Die Haltbarkeitsproblematik durch immer stärkere Motorleistungen war mit der Erfindung der O-Ring-Kette erfolgreich aus der Welt geschafft.

Die Übernahme dieser Antriebstechnik für Kunden liess nicht lange auf sich warten: Die erste Serienmaschine mit Dichtringkette, die Kawasaki Z 1000, kam zur Saison 1977 auf den Markt. Das 85 PS starke Vierzylinder-Bike löste die erfolgreiche 900er Z1-Kawa ab. Schon erstaunlich, dass ausgerechnet BMW als einstigem Kardan-Gralshüter jetzt mit der M Endurance-Kette ein weiterer großer Schritt nach vorne gelingt. 

Fotos: BMW, Honda

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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