40 Jahre Zahnriemen-Antrieb

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Industrieller Transmissionsantrieb in den 30er Jahren.

Riemenantriebe erlauben eine simple und effektive Art der Kraftübertragung zwischen Wellen. Ventiltriebe an Motoren werden damit betätigt, Plattenteller angetrieben und Industrieroboter bewegt. Das Konzept ist bereits älter und kam in der Ära der Industrialisierung zu seiner Blüte. Eine zentrale Dampfmaschine trieb über Stahlwellen an den Decken sowie Riemenscheiben und Transmissionsriemen eine Vielzahl Maschinen an, die in Werkshallen nebeneinander standen. Später nutzte man die Idee mit Wellen, Scheiben und meist ledernen Flachriemen auch in der Landwirtschaft und im Bergbau. Es lag also nahe, Motorräder mit Hilfe dieser Technik anzutreiben. So übertrug die erste Harley die Power ihres 400er Einzylinders über einen Lederriemen an das Hinterrad. Das klappte, als sich Leistung und Drehmoment noch in Grenzen hielten. Doch mit der ersten V-Twins im Jahr 1909 kamen lederner Flachriemen und optional erhältlicher Keilriemen an ihre (Schlupf-)Grenzen. 

Erste HD von 1903 mit Riemenantrieb.
1909: erster HD-Twin mit Riemen.

Daher erhielt der V2 bereits 1912 optional eine Kette als Sekundärantrieb. Über Jahrzehnte hinweg trieben Ketten die Hinterräder von Harleys an. Parallel nahmen Riemen eine rasante Entwicklung. Form, Aufbau und verwendete Werkstoffe wurden weiter optimiert und den Anforderungen angepasst. So konnten durch das Einbringen eines Strangs aus zugfestem Material und das Aufbringen einer verschließfesten Deckschicht starke und langlebige Riemen gefertigt werden. Die Einführung trapezförmiger Zähne auf der Innenseite erlaubte dann die formschlüssige Kraftübertragung ohne Schlupf. 

Die Sturgis von 1980.

Ende der Siebzigerjahre wurde bei HD ein Prototyp gebaut, dessen Antriebsstrang über zwei Zahnriemen verfügte – einen für den Primär- und einen für den Sekundärantrieb. Willie G. Davidson fuhr damit nach Sturgis. Dabei wurde ihm klar, dass man eine solche Maschine in Serie fertigen musste. Als er eine Design-Eingebung hatte, hielt er diese auf einer aus dem Müll gefischten Papiertüte fest: Schwarzer Look, tiefe und flache Silhouette, Gussräder, Drag-Style-Lenker und orangerote Details – die FXB Sturgis debütierte dann 1980 am Markt. Das B im Typkürzel stand für „Belt“ und dieses System kam später auch in Low Rider und Disc Glide zum Einsatz.

Zahnriemen-Baugruppe.

Mit dem Evolution-Motor hielt der Sekundärantrieb mittels Zahnriemen allmählich in allen Baureihen Einzug. Nach Touring-, FX/R- und Softail-Typen stattete HD 1991 auch Sportster-Modelle mit Zahnriemen aus und seit 1993 rotieren alle Hinterräder an Riemen, die schlanker und reißfester wurden, Kevlar und ummantelte Aramidfasern machten es möglich.

Zahnriemen gelten als Alternative zu Kette und Kardan, weil diese leise, sauber, nahezu wartungsfrei und langlebig sind. Lastwechselreaktionen kommen erst gar nicht auf, da der Riemenantrieb spielfrei verbaut wird und eine hohe Elastizität aufweist. Darüber hinaus ist der Wirkungsgrad hoch – ein Vorteil gegenüber dem Kardan. 

Riemenantrieb heute an der LiveWire.

Fotos: HD

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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