Selz-Nahe-Mosel-Rhein-Tour

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Wenn beim Gasgriffsalat mal wieder frische Luft ins Spiel kommt, die um die Nase pusten soll, wird gerne von fernen Destinationen geträumt. Café Fahrtwind in der Eifel hatten wir mit 125ern schon, eine Tagestour mit CB1300/Fireblade-Eisen Richtung Süd-Südwest Richtung Donnersberg auch. Jetzt sind wieder die Hubraumzwerge dran. An die Mosel oder den Rhein fahren könnte verlockend sein. Oder gleich beides? Bingo, das passt. Wir starten also die Honda Super Cub 125 und die Honda CBF125 und ein Peugeot-Citystar 200i Roller, der tatsächlich 175 Kubik hat, gibt Geleitschutz.

Am Peugeot-Scooter: Hartwig. Salatprynz mit Super Cub. CBF125 für Lothar.

Am Treffpunkt. Lothar hat grob eine Route ausbaldowert. Selz-Nahe-Mosel-Rhein. Weil zwischendurch Einkehren in Corona-Zeiten wenig verheißungsvoll scheint, werfe ich ein Picknick als Idee in den Raum. Habe extra eine Decke mitgebracht, die bei Hartwigs Scooter unter der Sitzbank Platz findet. Wurst, Käse, Brot plus Tomaten, Chips und Flüssiges wären ratzfatz unterwegs im Supermarkt eingekauft. Ich sehe vor geistigem Auge bereits die (blaue) Decke auf grüner Wiese, alles ausgebreitet, zufriedene Mienen, die Mopeds rundum, paradiesische Zustände quasi. 

Erstmal losfahren. Um die Ecke sehen wir gleich die erste Radarfalle in einer 30 km/h-Zone, als Reminder, dass man auch mit Leichtkraftradpower jederzeit heimtückisch abkassiert werden kann und ratzfatz Punkte drohen, die einem den Lappen entreissen. Einschüchtern, sanktionieren, Daumenschrauben weiter anziehen und am Ende alles verbieten. Da es immer dreister wird, wundert nichts mehr; bald darf wohl jeden Tag eine Kerze angezündet werden, an dem man nicht im Knast landet.  

Als Touristen am schönen Rhein.

Aus der Stadt raus und die ersten Kilometer verrichte ich die Führungsarbeit. Die Dauertest-Super Cub ist inzwischen eingefahren, der 1000er Ölwechsel erledigt und beschwingtes Ausdrehen der vier Gänge völlig okay. Bis Gensingen kenne ich mich aus, danach übernimmt Lothar mit der CBF bis Simmern, womit Selz und Nahe bereits abgehakt sind. Die Hondas und der Peugeot brummen einzylindrig melodiös dahin. Schöne Landstraßen, blauer Himmel, kaum Verkehr, dazu mehr und mehr schwungvolle Kurven durchs Grüne.

So brausen wir durch den Hunsrück. Die 9,7 PS der Super Cub schieben tapfer, die CBF125 reisst mit 2 bis 3 PS mehr an der Kette. Hartwig geniesst nicht mehr den brutalen Leistungsvorsprung der letzten Ausfahrt, weil er den gallischen Scooter nach 60.000 Kilometern inzwischen durch ein neues Exemplar ersetzt hat, das dank Euro 4 jedoch nurmehr knapp 18 PS leistet (der Vorgänger produzierte 1,3 PS mehr). Als Trio passen wir also gut zusammen, saugen Kilometer um Kilometer auf, machen richtig Meter, vor allem wenn bergab die Sonne in den Auspuff scheint, der Fahrspass ist jedenfalls weit höher, als der Hubraum vermuten lässt.

So sieht Volltanken mit der Honda Super Cub aus (1 Liter war noch drin im Tank).

Geschwind Sprit nachfassen in Kastellaun. Der Super Cub-Tank ist mit 3,7 Litern eher schüchtern dimensioniert, dafür lässt sich für unter 4 Euro volltanken, ein Erlebnis der besonderen Art in der Tat. Nach WMTC-Modus gibt Honda einen Spritdurst von 1,5 Liter auf 100 km an. Bei mir in der Praxis hat sich der Verbrauch auf Werte zwischen 1,9 bis 2,0 Liter pro 100 km eingependelt, was IMHO immer noch verdient, als beneidenswert sparsam eingestuft zu werden.

Sind wir schon da? Das ging jetzt aber schnell. Mit unseren 3 Bestien an der Mosel.

Eine verwunschen verschlungene und reichlich enge Strasse führt runter ins Moseltal zur Ortschaft »Burgen«. Der Blick fällt auf Wasser und Schiffe. Sind wir echt schon da? Das ging jetzt aber schnell. Wir schiessen ein paar Bilder an der Uferstrasse. Ich setze ein FB-Posting auf und schreibe zum Foto etwas von einer Selz-Nahe-Mosel-Rhein-Picknick-Tour, weil ich ja denke, dass meine blaue Decke noch zum Einsatz kommt.

Mosel-Idylle.

Aber zuvor halten wir noch die Nase in den Wind. Weiter geht es in nördlicher Richtung, also flussabwärts. Einen Yachthafen lassen wir links liegen und fahren weiter bis Oberfell. Dort entpuppt sich die Uferstrasse als gesperrt, was uns aber wumpe ist, weil wir ohnehin rechts abbiegen und eine kurvenreiche Querverbindung Richtung Rhein unter die Räder nehmen wollen. Diese allerdings ist so versteckt und straßenbautechnisch unbedeutend, dass es keinerlei Beschilderung gibt und der Einstieg schon mit Sucherei verbunden ist und ein Weilchen dauert.

Kleine Sträßchen sind die besten? So ist es. Das Asphaltband, das wir endlich aufspüren, kringelt sich durch die Wald und Wiesen-Landschaft, erst bergauf, dann nach dem Kreuzen der Autobahn 61 wieder bergab. Die Distanz ist kaum der Rede Wert, die Fahrfreude hingegen von exquisiter Güte. Wir durchströmen beseelt Zeit und Raum und erreichen bald schon Boppard und den Rhein. Wieder denke ich, das ging jetzt aber fix. Nach Boppard geht es touristisch flanierend die Rhein-Uferstrasse entlang. Hier ist wesentlich mehr Verkehr. Von hinten walzen ein paar übermotorisierte Vierräder heran, obwohl wir nicht trödeln.

St. Goar, inklusive historisch wertvoller Burg im Hintergrund.

St. Goar scheint geeignet für eine Pause inklusive Nahrungszuführung. Ich bringe erneut die Picknick-Idee an, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen, offenbar bin ich nicht mit Gourmets unterwegs. Bleiben die Einkehr in ein Restaurant oder eine Imbissbude ein Stück weiter. Die Mehrheit entscheidet sich für Letzteres. Während also Harti eine Bratwurst verdrückt und Lothar eine Flasche Erdbeermilch schlürft, kaue ich auf einer Currywurst mit Fritten herum und akzeptiere endgültig, das mein geplanter Arbeitstitel sich nurmehr als Selz-Nahe-Mosel-Rhein-Picknixx-Tour gebrauchen lässt. 

Nixx war mit Picknick. Stattdessen Fastfood, sniff.

Als brave Touristen können wir anschließend der Fähre nicht widerstehen und setzen über zur anderen Rheinseite. Hartwig mit dem Peugeot-Scooter übernimmt als ortskundiger Guide, und wir zickzacken auf Nebenstraßen durch den (zumindest hier) berauschend kurvigen Taunus in Richtung Rheingau. Auf der Downhill Anfahrt zur Wispertalstraße laufen unsere drei Bestien, die es zusammen auf 425 Kubik Hubraum bringen, auf zwei bekofferte Gummikühe auf – aber Hartwig bleibt ganz cool dahinter bis hinunter ins Tal, anstatt den Vollstrecker zu spielen. Fand ich gut.

Warten auf die….
…..Loreley-Rheinfähre.

Das Wispertal im Rheingau zieht viele Motorradfahrer aus der Region an, hier und da nimmt man schon Kondensstreifen wahr, trotz allerlei Bemühungen, das abzustellen. Nach einem Becher Kaffee in der Bikerkneipe in Geroldstein geht es über versteckte Nebenstraßen weiter Richtung Schlangenbad. Nach einem Stück Autobahn mitsamt Rheinquerung ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause. Autobahn? Mit der Super Cup 125? Klar. 100 bis 110 km/h zeigt der Tacho bei Vollgas an; damit lässt sich mitschwimmen. In den Papieren sind 95 km/h Topspeed angegeben. Hartwigs Scooter-Rakete sogar mit 114 km/h, da ist Mithalten dann natürlich nicht so einfach.

Sparwunder: Nach 427 km mit der CBF125 ist der Tank noch ein Drittel voll!

Zurück an der heimatlichen Garage kommt Lothar aus dem Giggeln nicht mehr heraus. Bei seiner CBF125 zeigt der Tripmeter 427 km, dabei ist noch immer ein Drittel Tank mit Sprit gefüllt. Sparsamer Spass haben geht nicht. Nur nebenbei bemerkt: die Versicherung für 125er ist ein Fingerschnipp, die kleinen Dinger sind außerdem steuerfrei. Insgesamt spulten wir auf der Tagestour erlebnisreiche 215 Kilometer ab und am liebsten würde jeder von uns gleich wieder losfahren. Kleine Bikes sind eben klasse, immer wieder auf´s Neue!

Ist die Mosel eine ferne Destination? Mit den Hubraumzwergen schon.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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