Neu in Dietzenbach: Mellow Motorcycles

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Einer von 3 Köpfen bei Mellow Motorcycles: Patrick Sauter.

Mellow Motorcycles übernahm vor eineinhalb Jahren Triumph Frankfurt in Rosbach. Die drei Köpfe der Unternehmung heissen Flo Hubert, Patrick Sauter und Sascha Seubert. Jetzt kam Anfang Mai bereits ein zweites Geschäft in Dietzenbach im Süden der Mainmetropole hinzu, zusätzlich mit Yamaha zu den Briten-Bikes im Programm. Der Salatprynz unterhielt sich mit Patrick Sauter, der sich ansonsten mit Wonne auf Rennstrecken herumtreibt und zuvor Chefredakteur beim Motorradmagazin MO war.

Wie waren die ersten Tage im neuen Domizil?

Sauter: Gut, Eröffnung war am 2. Mai, die Rückmeldung ist super. Viele Kunden, die jetzt hierher kommen sind happy, weil sie kürzere Anfahrtswege haben und nicht mehr in den Norden müssen. Darunter sind auch solche, die aus Prinzip gesagt haben, Rosbach wäre zu weit weg. Außerdem habe ich den Eindruck, dass viele so einen Laden hier in der Gegend um Dietzenbach vermisst haben.

Raumgreifend: Mellow Motorcycles, neu in Dietzenbach.

Keine Angst vor Kannibalisierung des anderen Geschäfts, dass Ihr Euch Kunden wegnehmt?

Sauter: Nein, im Gegenteil, es ist sogar besser, weil Kundendienst, Servicearbeiten und Umbauten sich jetzt auf zwei Werkstätten verteilen, das entlastet vor allem Rosbach, was positiv ist. Derzeit arbeiten bei uns 18 Personen, inklusive Azubi und zwei studentischen Hilfskräften. Das neue Geschäft verfügt über 1.400 qm, für jede Marke also die Hälfte, derzeit sind etwa 80 Maschinen ausgestellt, wobei bei Yamaha noch einige fehlen. Es sind nicht alle lieferbar, weil die Produktion in Italien und Frankreich gestoppt war, dazu warten wir auf die 700er Ténéré als Topseller. 125er sind gerade ein Riesenthema mit den neuen Führerscheinregelungen, wir haben schon einige verkauft. Wann der Yamaha-Bereich final fertiggestellt ist? Im Moment fehlt noch Inventar, das schon hätte da sein müssen, ich schätze mal in 4 Wochen. 

Die Stimmgabel-Hälfte: Ausschmückendes Inventar wird bald folgen, an Bikes ist kein Mangel, auch wenn gewisse Perlen noch fehlen.

Erst Journalist, jetzt Motorradhändler, wie kam es dazu?

Sauter: Als ich bei MO aufgehört hatte, wollte ich eigentlich ein Jahr mit dem Motorrad durch die Welt fahren. Dann rief mich der Flo an und sagte, lass´ uns mal miteinander reden, ich habe da eine Idee. Zwei Monate später sind wir schon nach England geflogen und haben im Werk unser Konzept vorgestellt, wie es in Hessen aussehen könnte und das hat die eigentlich ganz gut vom Hocker gehauen. 

Das heisst in Worte gefasst?

Sauter: Unsere Pläne waren riesig und sind immer noch ambitioniert, aber alles lässt sich gar nicht umsetzen. Wir hatten uns das laufende Geschäft einfacher vorgestellt, punkto Bürokratie und allem was auf einen zukommt. Wir hätten gerne mehr gemacht, vor allem zusammen mit den Kunden. Reisen nach Argentinien anbieten war von Anfang an so ein Plan, unter der Bezeichnung »Mellow Adventure Experience«. Argentinien wäre schon eine exklusive Hausnummer, anders als Spanien mit Almeria etwa, weil da fast jeder schon war. Die Flyer sind schon auf dem Computer, aber vielleicht gilt es das mit den aktuellen Entwicklungen auf nächstes Jahr zu verschieben.

In Rosbach war der Einstieg nicht einfach, obwohl der Standort bereits existierte, dazu gab es einen Kundenstamm. Das Problem war, dass alles runtergewirtschaftet war; ich hatte noch nie einen Motorradladen auf Google schlechter bewertet gesehen als den da oben. Es galt also an alle Kunden heranzutreten und zu kommunizieren, dass das Team ausgetauscht wurde und sich alles verändern und bessern würde. Das haben wir gemacht, per Telefon, dazu mit Veranstaltungen diverse Modelle vorgestellt, mit Essen und Trinken, das hat zum Glück funktioniert. Jetzt im Winter haben wir komplett umgebaut, damit die Leute sehen, dass weiter etwas passiert und sich positiv entwickelt. Im Norden wurden um 250 qm Showroom aufgestockt, zu den 500, die schon da waren, und dazu die Werkstatt auf 250 qm vergrößert, richtig aufwändig mit Mauerdurchbruch etc. Jetzt ist alles nebeneinander und zusammen ein großer, schöner Laden. 

Schon fertiger: Die andere Ladenhälfte gehört zum Empire.

Hier in Dietzenbach gab es jetzt einen kompletten Neustart. Beim Motorrad holst viele in den sozialen Medien ab. Facebook, Instagram, dazu allerlei Aktivitäten in der lokalen Umgebung. Mit Blick auf Yamaha schreiben wir gerade 500 Fahrschulen in Hessen an. Wir versuchen direkt dorthin zu gehen, wo künftige Kunden ausgebildet werden, haben Flyer drucken lassen mit Angeboten für Führerschein-Neulinge, für die Fahrschulen selber. Weil wenn jemand auf der MT125 den Führerschein macht, kann es sein, dass er nachher auch genau diese Maschine steuern will. Weil das so toll fährt oder so gut aussieht. Es gilt also immer aktiv zu agieren. Die Partnerfirmen spielen bei allem natürlich eine enorm wichtige Rolle. Triumph und Yamaha sind nicht irgendwelche XY-Brands, sondern DIE Marken eigentlich.

Journalistisch denken, kaufmännisch denken – zwei Welten oder?

Sauter: Komplett, ja. Ich fühle mich aber wohl, dass ich weiter mit dem Thema Motorrad zu tun habe. Manchmal gehe ich mit Kunden auf Probefahrt, erkläre dann noch ein bißchen; die Zeit nehme ich mir, wenn ich merke, das das geschätzt wird. Neulich war ein Amerikaner für eine Street Twin da, der sich in der Gegend nicht auskannte. Wir waren dann eine halbe Stunde unterwegs, macht ja auch Spaß alles.

Patricks helfende Hand beim Flagge zeigen (weil der Wind pustete von rechts).

Was fällt Dir zur Corona-Misere ein ausser einem großem Seufzer?

Sauter: Das Beste draus machen halt. Die frühe Phase war arg und übel, auch weil wir letztes Jahr ein Riesen-Invest getätigt hatten, jetzt mit diesem zweiten Geschäft erneut, und dann war für 2 Wochen alles dicht. Was darf man machen, was nicht; alle verunsichert, die Kunden natürlich auch. Wir hatten die Werkstatt in Kurzarbeit geschickt, aber nach drei Tagen wieder alle zurückgeholt, weil wir rasch überrissen haben, das es nur weiter läuft, wenn man den Leuten entgegenkommt. 

Wir haben einfach alle, die schon Termine hatten, kontaktet, sind zu ihnen gefahren und haben die Mopeds geholt. Damit musste die Werkstatt-Belegschaft nicht zu Hause bleiben, als unter Auflagen wieder gearbeitet werden durfte. Damit begann ein Umschwung, aus dem tatsächlich mehr wurde, als sonst üblich. Motorrad fahren in Hessen war ja nicht verboten. Die Leute haben sich mit ihren Bikes beschäftigt und sind alle zu uns gekommen. Der Werkstattbetrieb in den letzten 4 bis 6 Wochen lief voll und hält auch weiterhin an. Weil die Leute Zeit haben, manche verzichten auf Urlaub, haben vielleicht Kohle über. Genauso war es mit dem Verkauf, als wieder geöffnet werden durfte, haben wir in einer Woche so viele Motorräder verkauft wie noch nie in 7 Tagen zuvor, nur in Rosbach. Und es geht derzeit genauso weiter.

Außerdem heulen bringt nix. Besser überlegen, was man anschieben kann. Wir hatten schon letzten Winter Transporter und Anhänger angeschafft,  um mit Hol-/Bringservice im Winter den typischen Hochs und Tiefs des Motorradgeschäfts auszuweichen, was sich jetzt als Vorteil erwiesen hat.

Die Offroad-Ecke, quasi.

Was sagst einem Kunden, der sich nicht entscheiden kann: Stimmgabel oder Roastbeef?

Sauter: Yamaha und Triumph beissen sich nicht, sondern ergänzen sich supergut. Die Kundschaft ist unterschiedlich; die von Yamaha prinzipiell etwas jünger und vielleicht auch preissensibler, Triumph-Interessenten sind eher etwas älter und finanzieren eher selten. Die Leute wissen, was sie wollen, wenn sie in den Laden kommen. Diese Entscheidung ist längst gefallen. Klar wird sich umgeschaut, wenn man da ist, aus generellem Interesse, aber jemand, der eine MT im Auge hat, wird sich am Ende nicht für eine Street Triple entscheiden. Innerhalb einer Marke kommt es schon vor, dass jemand nicht weiss, welches Modell das Richtige ist. Aber zwischen den Marken gibt es keine Entscheidungskonflikte. 

Frohburg 2019: Ex-Schreiber und Jung-Unternehmer bei zweitaktender Freizeitgestaltung.

Was fährst selbst?

Sauter: Einiges, über ein Dutzend Maschinen bestimmt. VTR-Honda SP1, eine Triumph, eine Mille-Aprilia, eine alte XTZ 750 Ténéré, einen Gixxer habe ich gerade verkauft. Dazu ein paar ohne aktuelle Zulassung sowie einige Rennmaschinen. Ich habe eben aus Loyalität meine KTM Enduro verkauft und mir stattdessen eine Yamaha zugelegt, ich muss ja auch die Marke repräsentieren, auch wenn es wahrscheinlich keinen Frankfurter und Dietzenbacher je dazu bringen wird, eine WR450 zu kaufen.

»Habe den Eindruck, dass viele so einen Laden hier in Dietzenbach vermisst haben.«

Rennmotorräder bewegen ist für Dich…..?

Sauter: ……alles. Leben. Wenn ich kein Geld mehr hätte und irgendjemand gäbe mir was, würde ich trotzdem einen Satz Slicks kaufen, egal. Der wichtigste Grund für mich, überhaupt Geld zu verdienen, ist, um es auf der Rennstrecke wieder herauszuhauen. Das ist wie Urlaub. Alles vergessen. Das ist für mich besser, als einfach irgendwo am Strand zu liegen. Mir ein Leben ohne Motorräder vorstellen geht auf keinen Fall, weil dann hätte wirklich gar nichts mehr einen Sinn. Unmöglich.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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