Weldinger Flüsterkompressor FK60

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Endlich mal eine nützliche Luftnummer!

Luftdruck prüfen und bei Bedarf korrigieren ist wichtig und sinnvoll. Das weiss jeder Motorradfahrer/in. Für problemfreies Fahrverhalten und eine korrekte Betriebstemperatur sowie gegen unnötigen Verschleiss. Normal läuft man dafür eine Tankstelle an. Anstatt weiter die einst üblichen, leicht händelbaren Luftdruck-Prüfgeräte anzubieten, sind Benzinstationen jedoch mehr und mehr dazu übergegangen, fix installierte Luftfüll-Apparaturen mit unpraktischen Anschlußstücken und aus Zweiradfahrer-Sicht praxisfremden Programmier-mich-zuerst-Bedienungsabläufen zu installieren. 

Alles was man braucht: Kompressor, Schlauch, Reifenfüll-Messgerät.

Mit einem mobilen Druckluft-Erzeuger daheim lässt sich dem ganzen Brassel geschickt aus dem Weg gehen. Dafür nutze ich diesen Weldinger Flüsterkompressor FK60, der seit inzwischen über drei Jahren anstandslos funktioniert. Das Gerät wiegt 14 kg, verfügt über einen 9 Liter Lufttank sowie einen 550 Watt-Motor. Die Geräuschentwicklung des mit Netzstrom betriebenen Teils beträgt 48 bis 65 dB, was sich als sanftes Brummen umschreiben lässt – Klagen darüber aus der Nachbarschaft gab es jedenfalls noch nie. Handling und Bedienung sind denkbar einfach: Das Aggregat ist wartungs- und ölfrei, mit einer Schnellkupplung ausgestattet und schaltet sich nach ausreichender Füllung selbsttätig aus und bei Bedarf auch wieder an (wenn man den Stecker in der Steckdose belässt).

Hinzuzufügen ist, dass meine erste Erfahrung mit einem Luftspender ernüchternd verlief. Die schuhkartongroße elektrische Luftpumpe eines Bohrmaschinen-Herstellers entpuppte sich als unangenehm laut, war umständlich zu bedienen und nach relativ kurzer Zeit schon defekt.

Der gelbe Wendlinger-Flüsterkompressor hingegen funktioniert komplett unproblematisch und leistet mir gute Dienste, zusammen mit einem Spiralschlauch (Innen-Ø 6,35mm, mit Schnellkupplung und Nippel sowie 360 Grad drehbarem Gelenk an den Anschlüssen) und einem Reifenfüll-Messgerät (Manometer-Ø 63 mm mit Messbereich 0-12 bar, Schlauchlänge 400 mm), beide von Hazet. Mindestens einmal pro Monat wird der Luftdruck an meiner CB1300 geprüft, sowie an Testbikes. Auch der Salatbus und noch ein paar Fahrzeuge aus dem Umfeld profitieren von regelmäßigen Luftdruck-Checks. Dass sich der Luftdruck zu Hause vor dem Abfahren überprüfen lässt, wenn der Reifen noch kalt ist und so das nervige Warten an der Tanke entfällt, bis die Pneus nach der Anfahrt abgekühlt sind, ist ein angenehmer Zusatzbonus.

Besser ist das: Mit Druckluft Bremszangen nach der Reinigung trocknen.

Kombiniert mit einer Ausblas-Pistole wird der Flüsterkompressor auch zum praktischen Trockenpusten genutzt, nach einer Motorradwäsche in unzugänglich zerklüfteten Bereichen oder nach Servicearbeiten an der Bremsanlage, nachdem zum Beispiel die Bremskolben in den Zangen mit Spüli-Wasser von Bremsabrieb gereinigt wurden. Eher häufig kam die reinigende Pustekraft ebenfalls bei verstaubten Innereien von Computern und Spielekonsolen zum Einsatz.

Mit Kompressor und Luftdruck-Schrauber geht auch das einfacher.

Vier Räder sind bekanntlich zwei zuviel, aber auch hier macht sich der luftige Helfershelfer alle halbe Jahre nützlich, nämlich beim Sommer-/Winterräder-Wechsel. Dafür habe ich noch einen Druckluftschrauber angeschafft, sowie einen zusätzlichen Druckluftregler (mit Filter und Wasserabscheider), der zwischen dem Schlauch und dem Kompressor angeschlossen wird. Dieses notwendige Zubehör regelt die Luftmenge, weil der Druckluftschrauber zwar nach viel Luft, aber niedrigem Druck verlangt. Deswegen ist auch der hierfür verwendete Schlauch ein anderer, nämlich einer mit größerem Innenquerschnitt.

Eigentlich ist der 9 Liter Lufttank des FK 60 zu klein, um damit einen Druckluftschrauber zu betreiben, das wird auch jeder Kundige auf diesem Gebiet bestätigen. 90 oder 120 Liter Lufttanks sind dafür besser geeignet. Gleichwohl: mit ein bißchen Kompromißbereitschaft lassen sich mit dem PK 60 auch PKW-Räder ummontieren. Es kann zwar passieren, dass man nach jedem einzelnen Rad (manchmal auch erst nach dem zweiten Rad) den Kompressormotor starten und den Tank neu auffüllen muss, was aber nach etwa 60 bis 90 Sekunden erledigt ist und dann geht es wieder weiter.

Mit Luftdruck-Unterstützung PKW-Reifen zu wechseln, auch wenn so ein Kompressor mit kleinen Lufttank zwischendurch nach neuerlicher Aufladung verlangt, ist jedenfalls deutlich leichter und schneller erledigt als mit purer Handkraft, die Huiii-Huiii-Lautmalerei des pneumatischen Werkzeugs sorgt außerdem jedesmal aufs Neue für belustigend professionelles Ambiente und Feeling, obwohl das Ganze ja nur im Hinterhof stattfindet. Dennoch sei angeraten: Wer an seinem Vierrad-Fuhrpark mehrmals im Jahr ein paar Räder umbauen will, greife lieber gleich zu einem deutlich größeren Kompressor.

Anzumerken ist noch, dass der Wendlinger-Flüsterkompressor FK60 inzwischen mit einem stärkeren 750 W-Motor (mit 90 statt 60 Liter/min maximaler Luftleistung beim 550 W-Motor) ausgeliefert wird. Wem das nicht reicht: Größere Kompressor-Varianten mit 790 W/90 Liter, 980 W/120 Liter oder 1960 W/240 Liter sind ebenfalls zu haben. Es ist eigentlich wie beim Motorradfahren: Irgendeine stärker motorisierte Variante wird immer angeboten, die Frage ist am Ende immer, was man selber braucht, wünscht und bezahlen will. 

Für Automobilisten: Druckluft-Schlagschrauber, verstärkter Schlauch plus Druckregler.

Zur Orientierung: Für den aktuellen Wendlinger-Flüsterkompressor FK 60 sind um 140 Euro zu berappen, ein Spiralschlauch kostet zwischen 22,- und 35,- Euro (je nach Hersteller), ein Reifenfüll-Messgerät (Hazet 9041-1) um 25,- Euro und eine Luftpistole zum Ausblasen 20,- bis 25,- Euro. Der von mir verwendete Druckluft-Schlagschrauber von Hazet (Modell 9012M, mit Halbzoll-Vierkant und 1100 Nm max Lösemoment) kostet etwas über 130,- Euro und ein dazu passender Druckluftschlauch mit größerem Innen-Querschnitt um 25,- Euro. Für einen Druckregler (aka Druckluft-Wartungseinheit) sind 25,- bis 30,- Euro zu veranschlagen. Wichtig wäre noch eine Flasche Pneumatik-Öl, von der es ab und an einen Tropfen in den Schlagschrauber-Anschluss zu träufeln gilt, um der schmierbedürftigen Mechanik des Werkzeugs zu einem langen Leben zu verhelfen.

Wie wertvoll und nützlich ein eigener Kompressor in Garage, Werkstatt und auch im Haushalt ist, merkt man erst, nachdem man die Vorteile eine Weile selbst entdeckt und in Anspruch genommen hat. Auf das Tankstellen-Geraffel verzichten zu können ist dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt; wichtig ist vor allem, jederzeit auf die segensreichen Vorteile von Druckluft zugreifen zu können, wann und wo immer man möchte.

Ein Kompressor stellt keine Luftnummer dar, sondern eine sinnvolle Investition, für Motorradfahrer noch mehr als ohnehin schon. Und der Wendlinger Flüsterkompressor verdient die volle Gasgriffsalat-Empfehlung mit Sternchen.

Datensalat Weldinger Flüsterkompressor FK60 / Baujahr 2016: Gewicht 14 kg, Lufttank 9 Liter, max. Luftleistung 60 Liter/min, Motordrehzahl 1450/min, Lautstärke 48-65 dB, max Druck 8 bar, Leistung 550 W, Spannung 230 V, Frequez 50 Hz. Anmerkung: Der aktuelle, modellgepflegte FK60-Flüsterkompressor von Weldinger wiegt 15 kg und ist mit einem 750 W-Motor ausgerüstet, die max. Luftleistung liegt bei 90 Liter/min. 

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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