Honda Super Cub, Teil 4: Südkorea-Life

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Wolfgang, der in Südkorea lebt und arbeitet und eine Honda NC 750 X steuert, hat nachfolgenden Beitrag geschickt. Die Gasgriffsalat-Serie über die Honda Super Cub, das kleine Motorrad mit den großen Rädern, wird somit bereichert um einen facettenreichen 4. Teil.

Lovely Little Cub mit 50 ccm.

»Hallo, ich bin Wolfgang und lebe seit Sommer 2018 in der Hauptstadt Südkoreas, in Seoul. In dieser Metropole mit 10 Millionen Einwohnern sind gefühlt mindestens ebensoviele motorisierte Zweiräder unterwegs. Große Teile davon werden als Kurierfahrzeuge zur Versorgung der Bevölkerung und Unternehmen mit allem Möglichen und Unmöglichem eingesetzt. Auf der anderen Seite gibt es eine durchaus lebendige Zweiradszene abseits der Arbeitswelt. Ein Modell taucht dabei regelmäßig in beiden Welten auf: die Honda SuperCub. Es gibt sie als braven Lastesel mit abenteuerlichen Trägeranbauten und als liebevoll umhegtes Kult-Zweirad mit weitgehenden Individualisierungen und Custom-Parts. Das Spektrum zwischen diesen beiden Extremen ist ausgesprochen breit. Da ich selbst Motorrad fahre, dabei ohnehin permanent mit der Kamera unterwegs bin und mir hier schon eine erkleckliche Zahl von SuperCubs in allen Variationen vor die Linse gefahren ist, zeige ich gerne einige fotogene Exemplare.«

»Die SuperCub wurde und wird in ganz Asien vertrieben, auch in Korea fand sie schon früh den Weg auf die Straßen. Es gab in den 80er Jahren sogar eine lokale Fertigung beim koreanischen Unternehmen Daelim, das Modell wurde unter dem Namen “DMC Honda Super DH88” verkauft. 

Die originale SuperCub gibt es bei Honda-Händlern in Korea offiziell seit Juli 2013 zu kaufen. Die Tageszeitung “Korea Joongang Daily” berichtete damals über die Markteinführung. Der Artikel ist unter diesem Link zu finden. Ziel war das Mitmischen bei den Kurier- und Lieferdienstfahrzeugen, die hier zwei Drittel des Marktes bei Zweirädern bis 125 ccm ausmachen. Und tatsächlich sieht man die Cub in sehr kreativen Cargo-Umbauvarianten durch den dichten Verkehr in den koreanischen Städten wuseln.

Daneben hat sich auch eine mindestens ebenso kreative Szene etabliert, die die Cub als Basis für individuelles Tuning im Privatbereich nutzt. Da bleibt dann häufig kein Stein auf dem anderen und man hat mitunter Mühe, das Grundmodell zu erkennen. Dazu ein buntes Foto-Potpourri diverser Cubs…..«

Diese Honda SuperCub ist ständige Laternenparkerin in einer Seitenstraße bei uns. Sie sieht auch leicht beschneit sehr hübsch aus.
Die Honda CrossCub ist die hochgelegte und scramblermäßig angehauchte Variante der SuperCub. “Enduro” ist für dieses Erdferkelchen etwas hoch gegriffen, aber die Optik ist richtig klasse! Der Besitzer dieser CrossCub ist viel unterwegs, auch auf unbeleuchteten Wegen (man beachte die LED-Zusatzscheinwerfer!!) und überdies Aufkleberfan. So richtig weit weg geht’s ja mangels tauglicher Landverbindungen aus Südkorea dann doch nicht – in den Norden führt kein legaler Weg und der Rest ist halt Wasser ringsrum…
Eine CrossCub in Signalgelb mit diversen nützlichen Anbauteilen.
Eine CrossCub in Olivgrün, deren Fahrer sichtlich stolz posiert mit seinem Schätzchen.
Eines Tages fand ich direkt vor unserem Haus parkend diese Cub vor. Als krass gechopptes Bike ohne Zierrat, dafür mit den knuffigen Blinkerchen auf Gabel und Schwinge, gekröpftem Auspuffende, Stollenreifen und starrem Heck.
Auf einem Motorradtrip ins Land parkten wir unsere NC 750X neben einer SuperCub, die über und über mit Aufklebern bedeckt war, sogar auf der Auspuffblende. Cub-Piloten sind offenbar meist fröhliche Gesellen…
Ein besonderes Exemplar: Honda “LittleCub”, die 50er-Variante (3,4 PS aus 49 ccm) der SuperCub, die es auch gibt und die mit gelegentlichen Sondereditionen attraktiv gehalten wird. Diese hier ist besonders apart ausstaffiert: die pausbäckige Heckverkleidung mit Gepäckfächern ist der Hammer! Wie sie sich ums Federbein und die hinteren Blinker schmiegt – das hat fast italienische Klasse…!
Ein Amerikaner betreibt in einem pittoresken Viertel unweit des Hauptbahnhofes von Seoul eine Eis-Manufaktur. Um zu seinem Arbeitsort zu kommen, nutzt er eine bereits eingangs erwähnte DMC Honda Super DH88, Baujahr 1988. Er erzählte, daß er sie bei einem Händler auftrieb, der sie eigentlich zum Alteisen geben wollte. Sie war in gutem Zustand (Originallack!) und läuft bis heute ohne größere Probleme. In der leicht gechoppten Variante sieht das Teil extrem knuffig aus, meine ich.
Hier eine Standardversion mit Soziussitz-Tasche, bewacht von ernsten Blicken asiatischer Steinstatuen. Die Cub hat ja kein Staufach, da sind andere Lösungen gefragt. Interessant auch das Federbein mit Zusatzbehälter.
Eine Ausführung mit Doppelsitzbank und apartem Rosa sowie Leder-Seitentäschchen.

»Mein freundlicher Hondahändler im Seouler Stadtteil Gangbuk bietet eine Fahrzeug-Präsentation, auf der viele Cubs Platz haben. Die Bilder zeigen die 2020er SuperCub und eine Kollektion der 110er Standard-Modelle. Bis letztes Jahr gab es hier nur diese Ausführung, jetzt sind auch die 125er am Start, allerdings empfindlich teurer als die alte: 2,4 Mio Won (ca. 1.800 Euro) kostet die bisherige 110er, dagegen sind 4,6 Mio. Won (3.520 Euro) für die neue 125er zu berappen, also fast das Doppelte!«

Eine Sinfonie in Gelb: eine 110er Cub in der “Working-class-hero”-Ausführung mit gelber Transportkiste am gelb markierten Straßenrand und gelben Mittelleitplanken, im Hintergrund eine Busfront ebenfalls in Gelb.
Eine besonders edle Variante der SuperCub: Speichenfelgen, Weißwandreifen, runde Chromspiegel, Chromränder an fast allen Blechteilen, Ledertäschchen, abgesteppte Sitzbank, Beinbleche – alles sehr schick und in schönem Schwarz eine Augenweide. Die Parts stammen von Takegawa, einem japanischen Honda-Tuner, der seit 1972 für viele Modelle Teile fertigt.
Im Osten der Stadt handelt “Rockers” mit Retro-Klamotten, Accessoires, Custom-Parts und Zubehör. Der Eigner fährt, na? – richtig: eine getunte SuperCub. Diese Custom-Version hier oben, gestrippt und mit sehenswerten Details ausstaffiert (Lampe, Nummernschildhalter, gesteppt vernähte Sitzbank, Speichenräder), ist ein Blickfang. Zum Vergleich daneben eine Standard-Cub (unten). Man muß schon genau hinsehen, um noch Ähnlichkeiten festzustellen.
Eine sehr farbenfrohe Kombi zeigt dieses Foto: eine gelbe Cub mit knallroter Sitzbank und ebensolchen Federbeinen. Einzig das gewaltige Topcase paßt nicht dazu. Der Aufkleber auf der Scheibe ist Programm: “Team Safe and Slow”.
Eine Cub in der Pac-Man-Edition. Spiegel sind entbehrlich, dafür hat der Fahrer am Helm eine GoPro-Halterung – vielleicht liefert die ein Live-Bild vom rückwärtigen Verkehr aufs Handy?

»Auch hier in Korea hat die Saison erst begonnen. Es gibt mit Sicherheit noch viele sehenswerte Exemplare dieses so vielseitigen und hübschen Zweirads. Gebaut und in die Welt gesetzt worden sind ja genügend – in 60 Jahren weltweit über 100 Millionen Stück. Im koreanischen Prospekt wird für die SuperCub mit dem Spruch “Personal commuter for global “NICEST LIFE” geworben. Mehr geht also kaum….«

Text und Fotos: Wolfgang Faust

Link zu Teil 1 der Super Cub C 125 Serie – Die Historie

Link zu Teil 2 der Super Cub C 125 Serie – Das Design

Link zu Teil 3 der Super Cub C 125 Serie – Fahrbericht

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Wolfgang Faust

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