Know how: Alles über Stahlflex-Leitungen

0
Stahlflexleitung: Teflonschlauch mit Chromnickelstahl ummantelt.

Stahlflex-Leitungen werden passend gekauft, angebaut und genutzt. Wie sie in Handarbeit gefertigt werden, konnte bei LSL verfolgt werden. Die Marke gehört zur Handelsfirma Paaschburg & Wunderlich in Hamburg- Glinde. Dort schaute der Salatprynz Montagespezialist Christof Kreeck über die Schulter, der in Handarbeit die Bremsleitungen anfertigt und auch Gabelbrückenkits, Fussrastenanlegen oder Brems- und Kupplungshebel von LSL zusammensetzt. 

Zuerst wird die Leitung in der benötigten Länge zugeschnitten, die Länge der Fittinge wird dafür mit berücksichtigt. Gemessen wird die fertige Leitung von Anschluss zu Anschluss, jeweils in der Mitte. Ist ein Fitting 60 Grad oder mehr angewinkelt, erfolgt die Messung ab der Außenkante. Beim Durchtrennen der Leitung wird ein spezielles Trennblatt verwendet, damit das Edelstahlgeflecht nicht zu stark aufspleisst. Würde man dafür eine Flex verwenden, liessen sich Stütz- und Presshülsen nicht mehr aufschieben.

Enden geschält, damit Hülsen aufgeschoben werden.

Die Enden die Leitung werden geschält – und zwar in jenem Bereich, in dem die Hülsen aufgeschoben werden, damit das vernünftig passt. Die spezielle Apparatur dafür ist exakt justiert mit drei Schneiden, die im Kreis laufen; diese trennen die Ummantelung auf und gehen nicht auf das Edelstahlgeflecht. Auf das geschälte Leitungsende kommt eine metallene Presshülse und eine Stützhülse aus Kunststoff. Dabei kann man sich als Ungeübter schonmal die Finger aufpieksen, wie uns versichert wurde.

Zuschnitt nach Mass mit speziellem Trennblatt.

Nächster Schritt sind die Fittinge. Diese werden mit dem Kanalende in die Bremsleitung gesteckt. Zusätzlich gibt es eine Art Konus mitsamt einem Anschlag, den nachher die Metallhülse umschliesst. Das Ganze, also Stahlflexleitung mitsamt Fitting und Stütz-Presshülsen wird verpresst. Damit findet eine Verzahnung statt, die eine dauerhafte Verbindung gewährleistet.

Zum Einsatz dafür kommt eine spezielle Rundpresse. In deren Pressbacken sind drei Stempel, die den Hersteller deklarieren, dazu eine Jahres – und eine Monatskennung. Sollte es einmal Probleme mit einer Bremsleitung geben, lässt sich die Produktions-Charge heraussuchen und überprüfen, ob an der Einstellung oder dem Material etwas nicht in Ordnung war. Kontrolliert wird die Verpressung bei LSL monatlich. Daran wird seit Jahren eisern festgehalten, auch wenn es noch nie Abweichungen gegeben hat, die Fertigungssystematik funktioniert zuverlässig. 

Einblick: Schleifprobe zeigt das Anliegen der Presshülse um Konus und Anschlag.

Die Innenansicht eines montierten Fittings zeigt nach der Schleifprobe, wie das aussieht: Nach dem Aufschleifen sieht man perfekt den Kanal im Fitting für die Flüssigkeit und den Konus sowie den Anschlag, um den sich die Presshülse herumschmiegt, damit nichts mehr auseinander gehen kann. 

Die Presse ist so justiert, das sie fest genug presst, aber den Kanal nicht staucht. Die korrekte Verpressung bei der Produktion der Stahlflexleitungen wird bei LSL monatlich kontrolliert. Schleifproben bei neu angelieferten Leitungen, bevor diese verarbeitet werden, gehören ebenfalls dazu.

Bei LSL werden nur fest verpresste Stahlflex-Bremsleitungen verarbeitet und angeboten, kein Variosystem mit verschraubten Anschlüssen.

Exakte Verpressung von Fitting mit Leitung ohne Stauchung des Kanals.

Die Anschlüsse sind auch nach dem Verpressen verdrehbar, damit diese zum Anbau bei Bedarf im richtigen Winkel ausgerichtet werden können. Die Pressung zum Teflongefüge sollten dabei nicht überbeansprucht werden. Eine Umdrehung bis zu 180 Grad geht in Ordnung. Dafür hält man mit Zange oder passendem Maulschlüssel die Presshülse, geht mit einem 10er Dorn durch den Ring und richtet das Fitting in eine Position, die zur Bremspumpe oder dem Bremssattel passt. Verbaut sollte keine Drehspannung auf der Stahlflex-Bremsleitung anliegen. 

Anschlüsse für Stahlflex-Bremsleitungen gibt es in etlichen Variationen, mit Innen- und Außengewinde, in Dreiachtel Zoll, M10 x 1, M10 x 1,25, auch mit zweifach gekröpften Ringfittingen. Farben sind frei wählbar, eloxiert in 6 Farben plus verchromt. Hohlschrauben gibt es in Anthrazit, Schwarz, Silber, Chrom, Rot, Gold und Blau. Das Anzugsmoment für die Alu-Hohlschrauben beträgt 20 Nm. 

Hohlschrauben in vielen Farben.

Stahlflex-Leitungen sind laut LSL der erste Schritt zur Verbesserung einer Bremsanlage. Die Fittings sind aus einer Aluminiumlegierung hergestellt, die besondere Verformungseigenschaften aufweist, damit bei der Herstellung der Anschlussbögen die homogene Gefügestruktur erhalten bleibt und Sprödbruch dauerhaft verhindert wird. Obligatorisch wird nur Bremsschlauchqualität mit PTFE- (Teflon) Innenseele und Kunststoffummantelung verarbeitet, wobei der PVC-Mantel angrenzende Oberflächen vor Kratzern schützen soll. Die Kunststoffhülle verhindert außerdem den Eintritt von Bremsstaub und ein Aufreiben des Stahlgeflechts. Die Ummantelung gibt es in Rauchgrau und Schwarz, andere Farben sind möglich. Ein Online-Konfigurator für Stahlflex-Bremsleitungen ist derzeit im Aufbau.

Wissenswert: Der Berstdruck der LSL-Stahlflex-Leitung ist mit 1050 bar angegeben, also ein Fünffaches über dem maximalen Dauer-Arbeitsdruck von 210 bar. Die Temperatur-Beständigkeit liegt zwischen minus 70 Grad und plus 260 Grad. Die Verwendung für den Straßenverkehr ist geprüft nach den Anforderungen gemäss FMVSS 106. 

Rohmaterial.

Herkömmliche Bremsleitungen sind aus gummiummanteltem Gewebeschlauch gefertigt. Das Gewebe wird ist in bestimmer Weise gewebt, damit der Druck gehalten wird. Die Gummiummantelung soll vor Durchscheuern schützen. Das Material ist nicht dauerlebensfähig, sondern kann mürbe werden. Früher konnte es vorkommen, dass sich regelrecht Beulen bildeten. Das ist auch die Ursache, dass Hersteller empfehlen, derartige Bremsschläuche nach einigen Jahren auszutauschen. Stahlflexleitungen hingegen sind PTFE- (Teflon) Schläuche, die mit einem Gewebe aus rostfreiem Chromnickelstahl ummantelt sind. Deren Lebensdauer gilt als unbegrenzt. 

Was ist bei einer Stahlflex-Bremsleitung wichtiger, der Teflonschlauch oder das Stahlgeflecht außen herum? Jochen Schmitz-Linkweiler von LSL sagt dazu: »Das geht Hand in Hand. Die Teflonseele sorgt dafür, dass die Bremsflüssigkeit Kunststoff nicht angreifen kann, weil das Material bremsflüssigkeitsbeständig ist. Das Edelstahlgeflecht sorgt dafür, dass es auch nach Jahren nicht zu einem Verlust der Festigkeit kommt. Die Teflonseele könnte theoretisch dem Druck auch alleine standhalten, aber die Edelstahlgeflecht-Ummantelung stellt zusätzlich sicher, dass das Teflon sich nicht ausdehnt beim Belasten mit Druck. Der einzige Kritikpunkt an einer Stahlflexleitung ist, dass man keinen engeren Radius als 40 Millimeter fahren kann, weil das Gewebe eine stärke Krümmung nicht mitmacht.«

Teflonschlauch und Stahlgeflecht, Hand in Hand.

LSL-Bremsleitungen für die meisten Motorradtypen aller Marken in den Originallängen der Fahrzeuge werden mit ABE geliefert. Individuell angefertigte Leitungen erhalten ein TüV-Teilegutachten zur Eintragung in die Fahrzeugpapiere. LSL-Bremsleitungen und/oder Kits für alle gängigen Bikes finden sich im Fachhandel, unter www.lsl.eu sowie unter www.brands4bikes.de

LSL gehört seit eineinhalb Jahren zur hanseatischen Handelsfirma Paaschburg & Wunderlich mit Sitz in Glinde bei Hamburg. Bei Sonderwünschen oder speziellen Fragen zum Thema Stahlflex-Bremsleitungen lässt sich auch direkt unter Telefon 02151-555 9-0 anfragen, dann erteilt ein fachkundiger Mitarbeiter gerne Auskunft.

Fotos: Buenos Dias, LSL

About Author

Avatar

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply