Holzhauer Fireblade CBR 1000 RR-R

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Heavy trucking – mal eben nach Valencia.

Licht und Schatten liegen eng beieinander in diesen Tagen. Heute morgen telefonierte ich mit dem Kundendienst-Mitarbeiter eines japanischen Importeurs, der im Home-Office arbeitet und gerade eine Telefon-Konferenz hinter sich hatte. »Derzeit dreht sich alles um die Sorge für unsere Händler«, sagte er. »Da muss zuerst unsere Hausbank ihre Aufgaben erledigen, mit Programmen, die ein Überleben sichern, was aber einfacher gesagt als getan ist.« Motorradhändler sind derzeit nicht zu beneiden: Neue Bikes sind bestellt oder schon geliefert, Zahlungstermine stehen im Raum, eigentlich ist Saisonstart für die gesamte Branche, es gilt den Winter auszugleichen, das Wetter spielt mit, aber die Dealer haben geschlossen wegen der Coronavirus-Auflagen, nur die Werkstätten dürfen offen bleiben. Die Situation scheint vertrackt bis irreal. Alle Biker scharren mit den Hufen, der eine oder andere dreht eine Runde, viele halten sich zurück, etliche wiederum haben gänzlich andere Sorgen. 

Alex Polita, Julian Puffe, Fireblade CBR-RR-R

Danach rief ich bei Jens Holzhauer an, Honda-Händler in Wittenberge, der vor ein paar Tagen noch in Spanien unterwegs war, für Testfahrten mit der neuen Fireblade CBR1000RR-R für die Superbike-IDM. Weil ich gezielt danach fragte, sprudelte Jens gleich los. »Das Ding ist der Hammer. Absoluter Knaller, muss man wirklich sagen. Honda hat etwas gebaut, bei dem sich die Racing-DNA von vorne bis hinten durchzieht, dass sich auch so fährt und so reagiert. Beide Fahrer haben sich in kürzester Zeit auf das Motorrad eingeschossen, sagten aber gleichzeitig, dass sie sich an die neuen Grenzen, also was damit fahrerisch möglich ist, erst noch rantasten müssen.« Pause. Nachsatz: »Die neue Blade ist unfassbar geil. Gerhard, wir sind hier in Valencia laut Data Recording mit einem Serienmotorrad 304 km/h gefahren! Sowas hat es noch nie gegeben.«

Wie immer: Teamkollegen haben sich ganz dolle lieb.

Ich fragte, wann die Bikes aus Japan eingetroffen sind und was der Prüfstand ergab. Jens antwortet: »In der zweiten Januarwoche. Sämtliche Peripherieteile wie Lenker, Fußrasten, Verkleidung sind fertig, auch Bremsen, Felgen. Alles was man braucht, ist da und einsatzbereit. Für den Test steckte noch die Serien-Elektronik drin. Inzwischen ist auch die Kit-Elektronik eingetroffen, wird also noch eingebaut. Am Prüfstand haben wir nach dem Einfahrt-Prozedere, das unbedingt einzuhalten ist, 206 PS am Hinterrad, das sind 219 auf der Kurbelwelle. Die alten Blades hatten 180 bis 181 PS am Hinterrad. Jetzt sind es 25 PS mehr. Hammer, oder?«

Alex Polita.
Julian Puffe.

»Klingt atemberaubend», schnappe ich nach Luft. Jens nimmt den Faden auf: »Das ist der Wahnsinn. Auch von der Technologie her. Alles was man sieht, auch über die Schulungsprogramme, ist MotoGP-Technik von der RC213V, bloss als Reihenvierzylinder. Honda hat richtig mit der großen Schippe nachgelegt.«

Beide in kürzester Zeit eingeschossen.

Und wie sieht es mit den Reaktionen und der Nachfrage der Kunden aus? »Es ist so«, schallt es durch die Leitung. »Bis letzte Woche haben wir noch im Märchenland geträumt. Das Interesse war überwältigend und es gab jede Menge Anfragen. Jetzt ist es schlagartig so, dass das Telefon nicht mehr so oft klingelt. Es ist eine Situation entstanden, wo man feststellt, irgendwas stimmt hier nicht. Mir scheint, wie soll ich sagen, dass der ganze Schlamassel jetzt doch angekommen ist. Jetzt gilt es abzuwarten, wie es weiter geht.« 

Nach der Absage etlicher Rennen auf zwei und vier Rädern im In- und Ausland flattert später am Nachmittag die Media-Info herein, dass jetzt auch das Sachsenring Classic-Event Anfang Mai abgesagt worden ist, in dessen Rahmen das Auftaktrennen zur Superbike-IDM über die Bühne gehen sollte. Licht und Schatten liegen eng beieinander in diesen Tagen.

Holzhauer-Blade 2020: 206 PS am Hinterrad, 304 km Spitze.

Fotos: Holzhauer Racing/Benny Kätzmer

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

2 Kommentare

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    Alex Blome on

    Sehr interessantes Kurz-Interview mit jemandem, der sich wirklich auskennt mit der Firblade-Historie 😉
    Vielen Dank Gerhard und beste Grüße aus dem Allgäu!

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