Honda Super Cub C 125, Teil 1: Historie

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Heute: Honda Super Cub C 125 mit 9,7 PS-Einzylinder

Seit Oktober 2018 bietet Honda die Super Cub C 125 in Deutschland an, als liebenswert-charmant aufgezwirbeltes Neo-Retro-Leichtkraftrad. Dabei ist speziell die Historie dieses Bikes mehr als bemerkenswert. Die Produktion der kleinen Honda mit den großen Rädern läuft seit über 60 Jahren, wobei Modellpflege und einige Modifikationen den Charakter nie wesentlich verändern konnten. Sage und schreibe über 100 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, mehr als VW vom Käfer oder Ford vom Modell T je unter die Leute gebracht hat. Kurzum: Honda´s unverwüstliche Super Cub ist tatsächlich das erfolgreichste und meistverkaufte motorgetriebene Fahrzeug dieses Planeten.

1958: Erste Honda Super Cub C 110 (mit 50 Kubik) und 4,5 PS.

Soichiro Honda, Firmengründer und genialer Techniker, hatte die Super Cub einst selbst entwickelt, nachdem sein nicht minder geniales Verkaufstalent Takeo Fujisawa ihn beharrlich zu einer leichten, praktischen und alltagstauglichen Maschine angehalten hatte. Honda selbst hätte lieber etwas Großvolumiges auf die Räder gestellt oder an seinen Rennmaschinen weiter getüftelt, lenkte dann aber ein. Die Entwicklung zum ersten Prototypen dauerte etwa ein Jahr, die Verkaufserfolge nach Fertigstellung und Produktionsstart übertrafen bald alle Erwartungen.

Soichiro Honda 1971 im Suzuka-Werk auf seinem Bestseller.
Über 100 Millionen Stück wurden bis heute produziert.

Die bescheidene Maschine mit 50 Kubik-Einzylinder kam im August 1958 in Japan auf den Markt. Honda als Company war damals 10 Jahre alt. Die Modellbezeichnung lautete Super Cub C 100. Die Serienproduktion begann im Werk Yamato nördlich von Tokio. Der Verkaufserfolg war auf eine Reihe von Merkmalen zurückzuführen. Die Langlebigkeit des 4,5 PS starken 50er Viertaktmotors, eine praktische Fliehkraftkupplung, die die Bedienung vereinfachte, das Design mit Durchstiegsrahmen sowie großem Beinschild als Schutz vor Wind und Wetter. Das simple und leicht beherrschbare Bike setzte sich rasch überall durch, weil es den Bedürfnissen der Zeit entsprach. Jeder Mann und jede Frau konnte damit seine/ihre Mobilitätswünsche lösen, ohne technische Probleme oder große Kosten.

Mobil mit der Super Cub: Auch Frauen wurden in der Werbung gezielt angesprochen.

In der Autobiographie »Honda über Honda« schrieb der Gründer des weltgrößten Motorrad-Herstellers später: »Die Super Cub wurde ein Bestseller. In Japan wird alles ins Haus geliefert, die Zeitung, die Milch, die Mahlzeiten, die Post. Fast alle Lieferanten fuhren damit und wurden unsere besten Werbeagenten. Wir konnten uns darauf verlassen, dass frühmorgens die Honda als erste vor jedem Haus erschien. Auch Japans 15.453 Mittel- und Oberschulen benutzten die 50er Super Cub zur praktischen Ergänzung des Unterrichts über Technik und Verkehrsbestimmungen. Spassvögel sagten schon, dass die Japaner vielleicht zwei Beine, aber bestimmt eine Honda hätten.«

Nur Rocker und Strolche? Wie Honda die öffentliche Meinung umdrehte.

Als Honda dann in den 60er Jahren in Amerika den Markt eroberte und mit dem berühmten Slogan »You meet the nicest people on a Honda« den Boden bereitete für ein neues, freundlicheres Motorradimage in der Öffentlichkeit, wurde zuerst gezielt die 50er Super Cub als Transportmittel beworben. Honda zeigte auf Plakaten, in der Fernsehwerbung und Anzeigen in Magazinen wie »Time«, »Life« und »Look« Hausfrauen, Familienväter, Liebespaare, Studenten und sympathische Zeitgenossen, die unbeschwert durch die Gegend flitzen. Schnellere, ausgewachsene Bikes folgten erst eine Weile danach. Die Entwicklung des Motorrads als Freizeitgerät und weg vom Rocker-Image, die später nach Europa herüberschwappen sollte, hat die Super Cub also ebenfalls mit angeschoben. 

It´s Tea-Time: Unterwegs mit der Super Cub.

Die erste Super Cub hatte 50 Kubik, im Laufe der Jahre folgten Versionen mit 65, 70, 90, 100, 110 und 125 Kubik, wobei das grundlegende Konzept stets unverändert geblieben ist. Honda produzierte die Super Cub über die Jahrzehnte an 16 Standorten in 15 Ländern auf der ganzen Welt. Die Super Cub wurde von Kunden in mehr als 160 Ländern gekauft, wobei die Verbreitung später vor allem auch im asiatischen Raum sowie in Entwicklungsländern als universelles Transportmittel fast unvorstellbare Dimensionen erreichte.

1956, frisch von der Universität, heuerte Jozaburo Kimura bei Honda an. Über 2.000 Personen zählten bereits zur Belegschaft, aber Kimura war der erste Industrie-Designer an Bord der aufstrebenden Motor Company. Seine Aufgabe: Die Gestaltung der in Entwicklung befindlichen Super Cub. Jozaburos Erinnerungen erzählen wir nächsten Samstag (21.3.) im zweiten Teil der Honda Super Cub-Story.

Hin und wieder zurück: Mit dem richtigen Bike ist es am Rhein nochmal so schön.

Als die Beach Boys 1964 den Hit »Little Honda« spielten (»First gear, it’s all right – second gear, I’ll lean right – third gear, hang on tight«), war das Blechpressrahmen-Gefährt noch mit einer 3-Gang-Halbautomatik ausgerüstet. Heute wird eine 4-Gang-Schaltbox verbaut. Wie die aktuelle Honda Super Cub C 125 mit luftgekühltem Euro4-Einzylinder, Telegabel, Gussrädern, Scheibenbremse, Smartkey-System und LED-Lichttechnik funktioniert, folgt dann im dritten Teil in einem Fahrbericht.

Zum Abschluss von Teil 1 hier noch ein Honda-Video aus 2008 von einem der ersten Flüge des Honda-Jets, der durchblicken lässt, wie wertvoll die Rolle der kleinen Maschine mit den großen Rädern aus historischer Sicht für Honda ist. Als die beiden Piloten auf einer angejahrten 50er Super Cub übers Airportgelände zum Flugzeug rollen, zoomt die Kamera gross auf das Schutzblech mit dem Flügellogo. Als der Flieger schließlich abhebt und in den Himmel sticht, wird die passende Message dazu eingeblendet: »We´ve always had wings. Now we are flying«.

Fotos: Buenos Dias, Honda

Video via Youtube

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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