Ausprobiert: Nolan N87 Plus

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Auch B-King tauglich? Na klar.

Nachdem ich bei Nolan´s Almeria-Event im Januar den lieben langen Tag herumgekurvt war, steuerte ich nach der Rückkehr im Hotel die Terasse an, auf der alle Ankömmlinge erst mal mit Getränken und Snacks begrüsst wurden. »Willstn Bier«, fragte mich Verkaufsleiter Klaus Weymann, das ich dankend ablehnte, worauf ich mit einer Softdrink-Brause beglückt wurde. Es war ein großartiger Tag gewesen mit B-King und Ténéré 1200 im andalusischen Kurven-Paradies; und weil ich ein bißchen durch den Wind war, fiel mir nichts Besseres ein als zu fragen: »Erzählst mir noch etwas über den Helm?«

Nolan N87 Plus mit N-Com-System B 901L R und ESS-Rücklicht.

»Der Nolan N87«, sprudelte Klaus los, »ist unser bewährt-beliebter Dauerläufer und Testsieger im Mittelklasse-Segment, geht los bei 209,- Euro, je nach Dekor hoch auf 279,- Euro und mit Replica-Design auf 299,- Euro. Wichtigste Merkmale sind: Lexan-Außenschale, modernes Design mit Front- und Oberkopfbelüftung, Kinnriemen mit Microlock, herausnehmbare, waschbare Innenpolster und Ultrawide-Visier mit Pinlock-Ausstattung. Was Du auf dem Kopf hattest, ist der für dieses Jahr neue Nolan N87 Plus, der zusätzlich mit NERS, einem Notfall Quick Release-System an den Wangen ausgestattet ist, zum schnellen Herauslösen im Falle eines Unfalles; sowie mit einer Höhenverstellung im Oberkopfbereich, mit der sich die Position und die Passform des Helmes bei Bedarf nochmals feineinstellen lassen.«

Kein Beschlagen, nicht mal über den Wolken.

Meine Eindrücke nach dem Tag mit der integralen Murmel: Gewicht im grünen Bereich (trotz zusätzlicher Ein- und Anbauten), Passform einwandfrei, komfortable Polsterung, ordentlich belüftet und ausreichend leise. Weil das Wetter wechselhaft war, wurde die integrierte Sonnenblende von mir fleißig benutzt und rauf und runter geklappt. Beim Auf- und Abziehen fiel eine unnachgiebige Polsterung seitlich im unteren Bereich auf, die das Überstreifen eher störrisch gestaltet. Dafür ist das Gesichtsfeld ordentlich breit gehalten und das Visier nach einfachem Runterklappen gut geschlossen, ohne weitere Verriegelung oder zusätzlichen Handgriff; auch Beschlagen war kein Thema. Die Gewöhnung an den Schnappverschluss am Kinnriemen war (für einen Doppel-D-Ring-Gewöhnten) nach dem ersten Einklicken erledigt.  Ich fühlte mich gut und sicher aufgehoben, am ersten wie auch am zweiten Landstraßentag, als es in der Gruppe diverse Aufgaben zu entkniffeln gab.

Theoretisch hätten wir uns per N-Com anfunken können, aber man muss ja nicht alles ausprobieren, außerdem hörte der Salatprynz zwischendurch lieber Musik, hier und da.

Hinzufügen lässt sich noch, dass die Visiermechanik eine elliptische Öffnungskurve aufweist. Diese sorgt dafür, dass das Visier erst auf den letzten Millimetern an die umlaufende Dichtung am Helm herangeführt wird, dann aber präzise und gleichmäßig anliegt. Der Vorteil: Das Pinlock-Innenvisier streift nicht mehr an der Visierdichtung und kann somit an Fläche zulegen.

Am zweiten Tag ging es noch mit einer Yamaha Fazer 700 rund, auch hinter der Scheibe (in tiefster Position) war aerodynamisch-srömungstechnisch Ruhe am Helm.

Mein Test N87 Plus war mit dem Kommunikationssystem N-Com B901L R inklusive angegliedertem ESS-Bremslicht ausgerüstet, das bei Aktivierung aufblinkt. Dafür ist extra ein Sensor mit verbaut, dessen Empfindlichkeit in drei Stufen eingestellt werden kann. Dazu besteht die Möglichkeit, bei Regen oder Nebel auf Dauerlicht umzuswitchen. 

Wer aufs Foto klickt, sieht das Rücklicht am Helm größer und besser.

Das LED-Rücklicht am Helm fand ich zuerst naja, aber – man muss es halt erstmal sehen bei einem Vordermann, am Ende fand ich es witzig und echt nicht verkehrt, vor allem als Dauerlicht, als wir in der Gruppe an beiden Landstraßen-Fahrtagen noch bei Dunkelheit dahinbrausten. Telefonie habe ich nicht ausprobiert, auch auf Navi-Ansagen zu verzichten fiel leicht, weil unsere Guides sich perfekt auskannten. Musik vom Handy über Bluetooth habe ich ausprobiert und fand es cool, zumindest zwischendurch. Nach dieser Erfahrung mit Pop und Rock würde ich gerne nochmal mit etwas Klassischem im Ohr über ein paar Pässe strömen, mit Bolero von Ravel etwa oder mit dem schwungvollen Walzer ´An der schönen blauen Donau` von Johann Strauss, das wäre einen Versuch wert – vielleicht klappt das im Sommer in den Alpen, dann bin ich schlauer.

Bunte Designs sind immer gut, hier gleich mehrere.

Das Innenleben des N-Com-SyStems stammt von Sena, wie auch bei den Kommunikationssystemen von HJC, Shoei und Schuberth, was bedeutet, dass es kompatibel ist mit etlichen Systemen am Markt, in denen eine Sena-Platine verbaut ist. Komponenten dieser Firma wie Lenkerfernbedienung oder ein Headset fur Fahrschulen passen ebenfalls. Das System ist nicht nur mit dem Beifahrer koppelbar, sondern auf bis zu 4 Leute, wenn man in Gruppen unterwegs ist. Bike to Bike liegt die Reichweite bei 800 Metern. Bluetooth-Anbindung an Handy und Navi gehört dazu, UKW Radio ist auch integriert. Das N-Com B901L R ist mit rund 300,- Euro sogar teurer als der Helm, es gibt aber günstigere Systeme, das B601 zum Beispiel, dass die meisten modernen Standards-Funktionen anbietet, auch Twin-Packs für Pärchen.

Gruppen-Dynamik in den andalusischen Bergen.

Erwähnenswert bei N87 und N87 Plus, die in den Größen XXS bis 3XL lieferbar sind, ist noch der Brillenkanal, bei dem die Möglichkeit besteht, ein Schaumstoffklötzchen aus dem Futter zu nehmen. Damit ist dann etwas mehr Luft für dicke oder breite Brillenbügel, bei mir passte es auch so prima. Außerdem gibt es generell bei Nolan-Helmen drei verschiedene Wangenpolster, einmal Standard sowie einmal +5 und einmal -5 mm Polsterdicke, so dass sich bei Bedarf die Passform optimieren lässt. Wobei Nolan-Mitarbeiter gerne hinzufügen, dass die italienische Marke vielen Köpfen taugt und es Interessenten bei der Anprobe eher selten nicht passt. 

Klaus Weymanns Schlusswort: »Ich habe Händler, die sagen, wenn ein Kunde zwischen 200 und 300 Euro ausgeben will, dazu Brillenträger ist, die landen meistens beim Nolan N87 und sind durch die Bank happy.«

Klaus Weymann: Mit Schirm(-Nolan), Charme und Ténéré.

Fotos: Buenos Dias, Markus Jahn, Friedrich Weisse, Rainer Friedmann

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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