Harley Custom-Sportster-Spektakel

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Springergabel-Custom-Sportster, Salatprynz.

Harley-Davidson rief nach Barcelona für ein Presseevent und tischte einen funky Mix aus neuen und schon bekannten Eisen auf, mit Fat Bob, Street Bob, Low Rider S, Sport Glide und Heritage 114. Damit brausten wir zwei Tage unter blauem Himmel und 20 Grad durchs Malaga-er Hinterland, zwischendurch wurde bei einen Hillclimb mit umgebauten Street 750ern der Mutpegel der Tester bei einem Wettbewerb abgecheckt. Es gab jede Menge Stürze und much Fun, sogar einen Pokal, den der Salatprynz seltsamerweise um Lichtjahre verpasste. Die Aufschriebe zu den Bikes und dem Drumherum folgen in Kürze, sowas schleudert man nicht aus dem Ärmel, weil es soll ja ordentlich lesenswert und bebildert im Gasgriffsalat zugehen und nicht mal eben so huschhusch.

Nach den fünf Big-Twins wurde wider Erwarten noch ein Spritztour-Loop mit der LiveWire ermöglich, was besonders entzückte, weil ich das Elektrobike schon vor knapp einem Jahr auf der Weltpräsentation in Oregon/USA erleben durfte. Das Wiedersehen mit der LiveWire, die mit Mörder-Bums mit einem Sound-Mix aus Raumschiff und Düsenjet begeistert, war im Sinne des Wortes ein elektrisierendes Vergnügen.

Süffige Kreation.

Der nächste Höhepunkt liess nicht lange auf sich warten. Zwei Stunden nach der Elektrischen stellten die HD-People neun customisierte Sportster vors Hotel, mit der die deutsche Media-Honk-Bande zum Diner in ein Restaurant in Antequera brausen durfte. Neun hemmungslos umgebaute Sportster, eine wilder, abgedrehter und umwerfender als die andere und natürlich alle brutalst laut.

Sportster gibt es seit 1957 und zählen noch heute zu den beliebtesten und meistverkauften Harleys überhaupt. Die Custom-Bike-Pretiosen stammten von Sykes Harley Davidson in London, einem Dealer, der in großem Stil Big Twins unter die Roastbeefs bringt und auch für seine Umbau-Künste bekannt ist. Alle Bikes waren Kundenmaschinen, also höchst individuell; wie der Händler es geschafft hat, diese seinen Besitzern zu entreissen, um Journalisten zu bespassen, wird ein ewiges Geheimnis bleiben, aber die Idee war natürlich fantastisch.

Jeder suchte sich ein Bike aus und als die acht Sportster angestartet wurden und aus quasi ungedämpften Tröten losbrüllten, bebte die Erde und die Fahrt entpuppte sich als nächtliche Höllentour. Die Gruppe donnerte geguidet 20 Minuten durch die Stadt, durch enge Strassen, über belebte Plätze und über breite Boulevards. Wir zirkelten wie angestochen durch Roundabouts und bretterten wie eine Bande Outlaws über die Verbindungsstrassen. 

Sportster, schön gemacht und vor allem laut!

Hier und da stand eine Ampel auf Rot, was wir leider zu beachten hatten, jeder der Gruppe zupfte am Gas, acht Big-Twins veranstalteten das reinste Inferno, die Hitze und der Lärm waberten um uns herum, jeder im Umkreis von einem halben Kilometer blickte sich nach uns um, viele Passanten grinsten, etliche zeigten den Daumen (nach oben, klar), es war surreal wie im Traum oder im Kino, euphorisierend und crazy. Wir waren genau die, auf die wir sonst mit dem Finger zeigen und üble Urteile absondern, aber das Erlebnis und der Kick übertrafen alles. Es war entfesselnd: Das Blut kochte heisser als Motoröl und gleichzeitig lief es einem kalt den Rücken runter. Jeder war das erste Mal in seinem Leben ein Hooligan.

Ich steuerte eine sensationelle blaue Sportster im Rothmans-Look mit aufgepinselter Pedrosa-26, mit Stollenreifen, Zwei in-Nichts-Auspuff, crazy Sitzposition, Winz-Cockpit und am Bremszylinder fixierter blauer Tankanzeige, die sich überraschend unkompliziert durchs City-Nightlife steuern liess. Am Restaurant wurde jeder einzeln unter Flashlight von drei Fotografen abgelichtet, und trotz köstlichen Tapas und nach quasi rohen Grill-Steaks stürzten wir wie ausgehungert erneut auf die customisierten Sportster-Boliden für die Heimfahrt auf einer leider viel kürzeren Diretissima zurück ins Hotel. Diesmal steuerte ich ein silbernes Springergabel-Monster mit Riesen-Vorderrad, Beton-Sitzbank, Brüller-Exhaust, Weltumarmungslenker, kunstvollen Brems-Kupplungshebeln und überhaupt keiner Sitzposition. Was für ein unfassbarer Spass, was für ein denkwürdiges Erlebnis. Und was für eine Company, die gewichtige Eisen auf die Räder stellt und quasi nebenbei derart coole Spektakel ermöglicht.

Custom Sportster by Sykes Harley Davidson/UK

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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