Kunstvolle Lektüre: Brummm

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Pfundig: Brummm Ausgabe #4

Brummm? Brummm! Klingt schräg, lautmalerisch, kinda groovy.

Brummm ist ein über 200 Seiten starkes »Motorcycle Photo Bookazine«, also ein Printobjekt. Auf dem Kleberücken steht »Motorious Chronicles«. Was immer das heisst. Ich versteh´ kein Bayrisch. Als Publisher finden sich zwei Namen und eine Münchener Adresse im Impressum: Hermann Köpf und Christian Eusterhus. Köpf, der ein Grafikatelier betreibt und bei Events wie dem »Krowdrace« in Diedenbergen mit am Rad dreht, traf ich beim Almeria-Presseevent, ein paar Tage später schickte er diese Ausgabe.

Kunstvoll sind sogar die Aufkleber….

Brummm ist ein kunstvoll editierter Bildband für Motorradmenschen, der einmal im Jahr erscheint, in Deutschland und Japan seine Abnehmer findet und online bestellt werden kann. Die Ausgabe mit dem Gixxertreiber auf dem Titel, auf der Schwinge ist zu lesen »We don´t ride it fast. We fly it slow!« ist erst (oder bereits) die vierte Ausgabe.

Morbide: Langsamer Zerfall, ausgerechnet in Japan.

Ausgebreitet werden Fotos von Lichtbildnern aus aller Welt. Großzügig, ansehnlich, inspirierend. Atsuya Hori hat morbide Laternenpark-Bikes in Japan gesammelt, die verwittern und beginnen zu zerfallen. Dennis Boussard steuert Schwarzweisses vom Santa Pod Dragstrip bei: Bikes, People, Moments. Köpf daselbst war beim Goodwood-Revival, um historische Fahrzeuge und Bildwelten einzufangen. Caylee Hankins erzählt von Outlaws, die in Spanien querbeeet durchs Gemüse fahren. Ben Rosenzweig hat eine Gang auf St. Lucia abgelichtet. Auf historisch wertvolle TT-Bilder aus den 30ern folgt eine Bilderstrecke mit Gebirgs- und Landschaftsaufnahmen. Danach Impressionen von einem Built-not-Bought-Event, zum Thema Leidenschaft und zu Racing unter Palmenbäumen.

Postscript-Surprise: Grünes Papier, blaue Typo.

Brummm entführt in pittoreske Pictorials, die germanischen Kradisten so nicht unbedingt geläufig sind und versinkt geradezu in opulenten Bildern. Die Sujets werden großzügig serviert und ausgebreitet. Wobei nur wenig irritiert, dass mit Bildunterschriften teils eher sparsam hantiert wird. Dafür folgt am Ende eine sogenannte Postscript-Sektion, auf grünem Papier verspielt mit teils blauer Typo gedruckt, auf denen die Lichtbildner zu ihren Bildern und ihrer Philosophie ein paar begleitende oder erhellende Zeilen nachliefern, jeweils auf englisch und deutsch. 

Get your copies online: www.brummm.com

Sogar Anzeigen sind einige drin, von interessanten Anbietern die keiner kennt, aus nah und fern wie Japan zum Beispiel. Am tollsten fand ich die 1/1-Seite von See See, einem Coffee- und Motorradshop in Portland/Oregon. Wieviele Leser aus Berlin oder Tokio in die USA strömen, um mal eben einen Caffé Latte zu schlürfen? Wahrscheinlich muss man pretty german sein und denken, um dergleichen zu fragen. Wichtig ist doch, dass Kommunikation in Gang gesetzt und Präsenz erzeugt wird, über alle Grenzen hinweg, alles andere ergibt sich später. Die Welt ist schließlich viel kleiner, als man die meisten glauben, oder etwa nicht?

Motorious Chronicles. Aha!

Brummm ist also eher schräg und von normalen Zweirad-Gazetten soweit weg wie der Mond. Genau das macht es so interessant. Wer in andere Motorradwelten eintauchen möchte, auf die bildreiche, schwelgerische, subtile Tour, kann das online bestellen (hier der Link), sich genüßlich zu Gemüte führen und sammeln. Vier Ausgaben sind bisher erscheinen. Als Salatprynz finde ich es jedenfalls super, dass es so ein inspirierendes Kunstwerk, was es ganz sicher ist, überhaupt gibt.

Fotos: Buenos Dias

Brummm Motorious Chronicles – motorcycle photo bookazine aka the world’s most amazing motorcycle photography publication. Edited in Munich by Hermann Köpf und Christian Eusterhus, 212 Seiten, Format 24 x 30 cm, Copypreis 19,90 Euro. www.brummm.com

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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