Nolan/X-lite Almeria Presse-Event 2020

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Eiskaltes Wetter bei uns bedeutet Mopedwetter in Andalusien.

Das Jahr positiv zu beginnen, fiel besonders leicht. Kurz nach Sylvester startete der Flieger ins sonnige Spanien zum Almeria Presseevent, um drei Tage lang mit lauter Verstrahlten rund um Mojacar Motorrad zu fahren und Ausrüstung auszuprobieren.

Erster Tag: Rennstrecke, Circuito de Andalucia.

RR-Perlenkette.

Als der Bus unsere Gruppe im Fahrerlager ausspuckte, umwaberte uns dichter Nebel. Der Circuito de Almeria existiert etliche Jahre, jetzt wurde gleich daneben der Circuito de Andalucia gebaut. Die beiden Pisten lassen sich einzeln befahren, in mehreren Varianten, über Verbindungsstücke auch zusammenhängend, dann addiert sich eine Runde auf 9,2 km Länge.

In einer Doppelbox harrte das Waffenarsenal. Acht BMW S1000RR, drei Yamaha YZF-R1 (eine mit M), eine R6, ein MT-07 TwinCup- und zwei R3-Racer plus drei ZX10-R. Alle aufgebockt auf Montageständern, bis auf die Kawas auf Slicks und mit Reifenwärmern eingepackt. Eine weitere Box war als Hospitality eingerichtet, ein paar Schritte weiter die Umkleide. Als Instruktoren fungierten Dario Giuseppetti, Stefan Nebel, Björn Stuppi und Markus Reiterberger. Thomas Thieme von Bike Promotion hielt die Fahrerbesprechung ab, dann wurden die Transponder ausgegeben und als die tiefe Wolkendecke von der Sonne vertrieben war, ging es auch schon los, in Gruppen und Stints à 20 Minuten. 

Für Track-Newbies wurde eine Mellow-Gruppe gebildet, der Dario Giuseppetti die Linie zeigte. Die Andalucia-Piste ist gespickt mit Hügeln, Kuppen und Blind-Spots und alles andere als einfach zu lernen. Dazu kommen Doppel-Rechts- und Dreifach-Rechtspassagen, die sich leicht verwechseln lassen, eine Rechteck-Links mit vertrackt spätem Einlenkpunkt und eine Bodenwelle in der Links-Passage vor der Boxenmauer. Sogar Reiti meinte später, dass er drei bis vier Stints brauchte, um sich halbwegs zurechtzufinden. So kurvten wir also dahin, ich steuerte abwechselnd eine BMW und eine Kawa. Zu gerne hätte ich mal eine der R-Einsen und das Twin-Cup-Bike ausgeführt, aber alle Yamahas warteten mit umgekehrtem Schaltschema auf, worauf ich lieber verzichtete. 

Salatprynz: Linie? Tricky!

Die Piste entpuppte sich als tricky und sackschwierig zu lernen. Einmal schnappte ich mir eine BMW und fuhr alleine herum. An einer Stelle, wo es zwischen zwei Links einfach geradeaus geht, aber mit einem blinden Hügel dazwischen, wäre ich ums Haar auf eine Querspange nach rechts abgezweigt. Später überholte mich einer unserer Truppe vor einem Hügel und bog dahinter nach links in die Botanik ab, obwohl die Piste rechts weiterführte. Ziemlich starker Tobak also.

Das klebt.

Nach der Mittagspause wurden beide Pisten zusammen am Stück befahren, was mir gut gefiel. Der ältere Teil ist schmaler und besser einzusehen, was die Eingewöhnung erleichtert. Eine blinde Bergabrechts und eine Schikane hinter einer Kuppe sind rasch zu überreissen. Björn Stuppi übernahm als Instruktor, dahinter rückten in der Krabbelgruppe in jeder Runde ein anderer eine Position nach vorne. So liessen sich Fortschritte bei Linenwahl und Kurvenspeed nicht verhindern, der Fahrspass stieg und am Ende gab es jede Menge glücklich-zufriedene Gesichter.   

Krabbelgruppe hinter Instruktor Stuppi.

BMW und Kawa glänzen mit irrer Power und bleiben gleichzeitig lammfromm, wenn auf der Suche nach Ideallinie und Bremspunkten unentschlossen rumgestochert wird. Möglichst viele Runden drehen und versuchen, immer besser in Schwung zu kommen, lautete also die Devise. Vor einem halben Jahr kurvte ich zwei Tage in Oschersleben mit einer Ducati Supersport herum. In Almeria hat mich gewundert, wie schwierig es war, mit den 200 PS-Bikes an das Gelernte anzuknüpfen. Offenbar muss man sich einfach durchtanken und in Geduld üben – bloss nicht aufgeben.  

Schauspieler Lucas Gregorowicz mit Youtuber Jens Kuck.

Youtuber Jens Kuck weihte Schauspieler Lucas Gregorowicz in die Kunst des Trackday-Fahrens ein, mit sichtlichem Vergnügen und noch mehr Erfolg. Der Tatort-Kommissar, der privat eine alte Norton besitzt und mit einer customiserten R NineT durch Berlin flitzt, absolvierte ersts Stints mit dem MT-07 Twin Racer und wollte anschließend aus dem Sattel der ZX10-R-Kawasaki kaum mehr absteigen. Später sollte der motorradbegeisterte Darsteller noch erzählen, dass er sich bei der nachfolgenden Offroad-Turnerei in die Ténéré 700 verliebt habe und nun nachsinne, wie er sein Boxer-Bike, dass auch bei seinen TV-Ermittlungen immer wieder durchs Bild flitzt, abstossen könne, um auf die Leicht-Enduro umzusteigen.

Ein Hauch Grand Prix.
Reiti fabrizierte Kondensstreifen.

Schlaue Anmerkungen zum X-803 Carbon RS von X-lite mit neuem Rearspoiler erfolgten von Markus Reiterberger bereits unter diesem LINK. Lesenswert ist auch, was Racer Tim Holtz als Gasgriffsalat-Tester Erstaunliches über die S1000RR bei der Fahrvorstellung in Estoril im Frühjahr 2019 im Sinne des Wortes erfahren konnte, hier der LINK dazu.

Zweiter Tag : Landstrassen-Kurvenorgie

Die Testmaschinen-Flotte am Hotel für die Landstraßen-Ausflüge bestand aus vielen BMW´s, noch mehr Yamahas, etlichen Kawasakis und ein paar customisierten Exoten. Ich liess alle links liegen und griff mir die B-King aus dem Fahrpark von Nolan, weil vier Zylinder und gerader Lenker waren schon immer mein Ding. Deshalb fahre ich ja eine CB1300. Die schwarze Suse wurde von 2008 bis 2011 verkauft, rotzt als nackte Hayabusa 185 PS heraus, der optische Auftritt walzt alles nieder. 

Quite a handfull: Suzuki B-King.

Mir wurde schon öfter erzählt, wie toll und leichtfüßig die B-King fahren würde. Ich hatte dann den Eindruck, einen übermotorisierten Tanker zu steuern, eher übergewichtig, ziemlich frontlastig und quite a handfull. Mein sturstes und unhandlichstes Motorrad bisher war eine Harley mit Springergabel. So störrisch war die B-King zum Glück nicht. Aber ordentlich Kraftaufwand und reichlich Konzentration war schon angesagt, um den 270 Kilo-Bolzen mit 200er Hinteradpelle in den Kurven im andalusischen Hinterland über die Berge zu wuchten. Ich habe die Mischung aus Unikum und Legende trotzdem genossen. Kraft über die ganze Drehzahlleiter und schöner Motorlauf; B-King fahren ist ein sehr spezielles Erlebnis. 

Januar-Sehnsucht.
B-Prynz, quasi.

Klaus Weymann, langjähriger Suzuki-Technikus und heute Verkaufsleiter bei Nolan/X-lite, nahm nach dem Mittagessen die Direttissima zum Hotel. Dafür übernahm er die B-King und ich seine 1200er Yamaha Super Ténéré. Klaus hatte die ADV-Kreation bereits anerkennend gelobt, aber mit so einem Fahrerlebnis im Sattel der XTZ hatte ich nicht gerechnet. Charmanter Motor, müheloses Handling dank 110er/150er Reifenformat, Top-Sitzposition, toller Komfort und einen Kardanantrieb, den man erst zur Kenntnis nimmt, wenn der Blick nach dem Absteigen aufs Hinterrad fällt.

Und danach als Ténérist.

BiPro-Thomas führte die Gruppe über Kurvenorgien von Feinsten. Top-Asphalt, null Verkehr, wunderbare Radien und Abfolgen, die sich mühelos durchströmen liessen, unbeschreiblicher Fahrspass. Dazu hatten wir den Dusel der Beschwingten, als hinter einem Pass eine zum Glück gut einsehbare Bergab-Linkskurve im Schatten plötzlich mit nassem Asphalt aufwartete. Mir rutschte das Vorderrad trotz angepasstem Tempo eine Handbreit weg, aber irgendwie kamen wir alle heil durch. Jemand vermutete nachher gar Eis an dieser Stelle, aber wäre dem so gewesen, hätte es wohl einen nach dem Anderen zerwürfelt, an einem bezaubernden Januar-Nachmitttag in der andalusischen Bergwelt bei plus 17 Grad.

Über den Wolken, was für ein Schauspiel.
Stimmige Stimmung.

Ein Naturschauspiel erwartete uns am Calar-Alto-Observatorium auf knapp 2.000 Meter Höhe. Normalerweise geniesst man von der Sternwarte aus die Aussicht ins Tal. Diesmal jedoch breitete sich vor uns eine Wolkendecke aus, die von oben von der Sonne beschienen wurde. Es war ungefähr wie im Flugzeug, wenn der Blick nach draussen auf Wolken fällt und man am liebsten aussteigen möchte, um hüpfend über die endlosen Fläche aus weisser Watte zu laufen. Das Gefühl, quasi über den Wolken zu stehen, war eher außerirdisch und bekam eine noch speziellere Dimension, als unser Guide meinte, dass er seit bald zwanzig Jahren Renntrainings und Motorradtouren rund um Almeria organisiere, aber so eine Aussicht an dieser Stelle noch nicht erlebt habe. 

Nolan N87 Plus.

Den X-803 RS von X-Lite hatte ich für die Landstraßenrunde gegen einen Nolan N87 in der neuen Plus-Version getauscht, mit Höheneinstellung und NERS-Emergency System. Der Helm mit Thermoplastschale ist ordentlich belüftet und ausreichend leise, die praktische integrierte Sonnenblende wurde von mir fleißig benutzt. Zwei spezielle, zusätzliche Features waren ein N-Com Kommunikationssystem mit seitlicher Bedieneinheit und ein LED-Brems-/Rücklicht (genannt ESS-System) auf der Rückseite, das über einen Bewegungssensor aktiviert wird und wahlweise auf Dauer- oder Blinklicht geschaltet werden kann.

Alles schön bunt hier.

Nachdem Nolan neuerdings einem französische Konsortium gehört, zeichnet die deutsche Importfirma künftig auch für den Vertrieb von Segura-Lederbekleidung zuständig. Während die Mitfahrer sich in allerlei fashionable Test-Jacken hüllten, sah ich keinen Grund, meine Segura-Lederjacke »Hank« auszuziehen. 

Dritter Tag: Rallye-Schnitzeljad

Schnitzeljagd im Gebirge.

Am dritten Tag wurde es competitiv. Sechs Teams sollten jeweils eine Handvoll Ziele über Navi-Daten ansteuern. Für drei Teams waren spezielle Asphalt-Roadbooks ausgetüftelt worden, die anderen drei durften sich offroad austoben. An den Zielpunkten der digitalen Schnitzeljagd gab es diverse Foto-Aufgaben (mal dokumentarisch, mal kreativ belustigend) anzufertigen und zu übermitteln. Dazu war ein Zeitrahmen vorgegeben, auch die finale Ankunft sollte in einem bestimmten Zeitfenster erfolgen.

Ich steckte in einer Vierer-Gruppe mit Journalist Ulf Böhringer, der in Begleitung seiner Uschi eine BMW F850 pilotierte. Instagram-Queen Pepe-Lila lenkte eine S1000RR, ich als Salatprynz hatte mir eine Yamaha 700 Tracer ausgesucht, Klaus Weymann trohnte mit einem roten Nolan N70-2 X Helm mit Schirm erneut auf einer 1200er Super Ténéré. Ich musste meine nicht vorhandenen Kenntnisse über Navi-Koordinaten zum Glück nicht auspacken. Ulf als erfahrener Spanien-Reisender steuerte einfach vorne weg und peilte mit traumwandlerischer Sicherheit die Zielpunkte an: Leuchttürme, pittoreske Felsen, Flamingo-Kolonien, Solarfelder, ein Katzendorf und Aussichtspunkte. 

Wir lösten alle Aufgaben, knipsten, was das digitale Zeugs aushielt und erreichten nach einer abwechslungsreichen Tour den Zielpunkt, einen verlassenen Flughafen in der Wildnis. Dort wurde bis in den Abend hinein Food aufgetischt zu den Klängen einer Liveband, ein Trial-Künstler zeigt artistische Kunststücke und das Berliner Künstler-Duo Evelyn Frantic und Princess Tweedle Needle führte eine Feuerspucker-Sideshow auf.

Zurück im Hotel wurden die Rally-Sieger mit einem künsterisch wertvollen Porzellan-Souvenir mit Delfinen belohnt, unsere Gruppe landeten am dritten Platz. 

Die drei Tage rund um Almeria hatten es in sich. Die Saison ist damit eingeläutet, jetzt heisst es nur noch ein bißchen warten, dann geht es auch in unseren Gefilden wieder rund.

Fotos: Buenos Dias, Amelie, Knipser & Fitti, Uschi, Rainer Friedmann

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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