Ausprobiert: Arai Pro Shade System

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Etliche Helmhersteller bieten Modelle mit integrierter Drop-Down-Sonnenblende an. Arai hält nichts davon, dergleichen in die Helmkonstruktion mit einzubauen, weil zusätzliche Zwischenräume erforderlich sind und auch der Betätigungsmechanismus Platz benötigt. Stattdessen bieten die Japaner ihr Pro Shade System (kurz PSS) an. Dabei handelt es sich um eine äußerlich angebrachte, dunkel getönte Sonnenblende, die sich in Stufen herunterklappen lässt und schließlich etwa zur Hälfte auf dem klaren Visier aufliegt.

Der Salatprynz hat Arai´s Pro Shade System zuerst am Integralhelm Profile-V ausprobiert und schließlich am Jethelm SZ-R VAS, über mehrere Monate hinweg.

Das Pro Shade System sitzt knapp über die Hälfte auf dem klaren Visier.
Aufgeklappt herrscht freie Sicht durch das klare Visier.

Zunächst sollte man sagen, dass das Pro Shade System ein komplettes Paket ist aus klarem Visier plus der notwendigen zusätzlichen seitlichen Aufnahmen plus der Sonnenblende. Nur die Sonnenblende erstehen und auf ein vorhandenes Visier anbringen funktioniert nicht. Je nach Helm und Visier-Typ wird etwa zwischen 95,- und 120,- Euro für ein Pro Shade System-Paket verlangt.

Entweder oder: Arai SZ R VAS mit klarem, dunklem und PSS-Visier.

Im Sommer mit getöntem/dunklem Visier zu fahren ist so eine Marotte; es gefällt mir einfach besser. Zwar führe ich meist ein klares Ersatzvisier im Rucksack mit, aber unterwegs tauschen passiert eher selten. Bei Regen manchmal oder wenn es länger durch die Nacht geht.

Von außen betrachtet, optisch also, ist das Pro Shade System kein Gewinn, imho. Es sieht ungewohnt und gestückelt aus, wenn die Sonnenblende aufliegt. Aufgeklappt erinnert das Ganze an einen Enduro- oder ADV-Schirmvorbau, also nicht gerade hübsch oder vorteilhaft. 

Da ich der Meinung bin, dass ein Helm mit dunklem Visier besser aussieht als mit hellem, war ich mit dem Pro Shade System zuerst nicht sehr glücklich. Da man sich aber an Manches gewöhnt, trat der gewöhnungsbedürftige Look im Laufe der Wochen jedoch in den Hintergrund, dafür traten die Praxisvorteile mehr und mehr zu Tage. 

Das klare PSS-Visier verfügt über seitliche Halterungen für die Sonnenblende.

Es ist natürlich besser, bei bedeckten Verhältnissen mit klaren Visier zu fahren. Die Welt sieht freundlicher aus, nicht so duster weggedimmt. Kommt die Sonne raus, genügt ein Klapp an der Sonnenblende, um die Augen vor zuviel oder zu hellem Licht zu bewahren. Die Bedienung geht ebenfalls in Ordnung. Zum Aufklappen greift man unter die Unterkante des Sonnenblende; das geht auch mit Handschuhen problemlos. An der oberen Kante ist eine schmale Lippe, dort greift man am besten zum Herunterklappen an

Besonders wichtig: Die Sonnenblende hat keine negativen Auswirkungen im Fahrbetrieb zur Folge. Runtergeklappt nicht. Aber auch angehoben oder hochgeklappt gilt: Es werden keine Windgeräusche verursacht, es tritt kein Flattern auf, auch der Fahrtwind drückt die Sonnenblende nicht plötzlich zu- oder weiter auf. Selbst beim Seitenblick kann man den Kopf drehen und wenden wie man will, egal bei welchem Tempo; nicht einmal im Bereich zwischen 150 und 200 km/h auf der Autobahn. Dass das Pro Shade System aerodynamisch unbedenklich funktioniert und keine Nachteile in der Praxis mit sich bringt, war nicht unbedingt zu erwarten.

Ganz aufgeklapptes Pro Shade System…
…und ganz runtergeklappt. Dazwischen gibt es Mittelrastungen.

Nicht überzeugt hat die harte Hell-Dunkel-Grenze in heruntergeklapptem Zustand. Dieser Effekt ist davon abhängig, wie man den Helm aufsetzt, etwas tiefer auf der Stirn oder einen Tick höher gerückt. Ersteres hilft, letzteres passt weniger. Man kann sich zwar an eine scharfe Hell-Dunkel-Grenze knapp unter Augenhöhe gewöhnen, aber beim Blick nach vorne ist ein komplett dunkles Visier bei langanhaltend sonnigen Verhältnissen für die Augen angenehmer und harmonischer.

Arai verweist bei hoch geklapptem Sonnenvisier (und freiem Blick nach vorne) auf weitere Benefits, die mir gar nicht aufgefallen sind: Wenn die Sonne tief steht, zieht man den Schirm eine Stufe tiefer, danach ist nur ein Absenken des Kopfes erforderlich, um störendes Gegenlicht abzudecken. Und nachts wird möglicherweise blendendes Licht der Straßenbeleuchtung etwas abgehalten.

Fazit: Zum klaren Visier eine Sonnenblende bei Bedarf im Handumdrehen zur Verfügung zu haben ist angenehm. Das Pro Shade System von Arai sieht vielleicht nicht superprickelnd oder so cool aus wie ein komplett getöntes Visier, ist aber durchdacht und funktioniert ohne aerodynamische Nachteile. Ich denke, ich werde künftig in den Sommermonaten wie gehabt das voll getönte Visier montieren, aber im Frühling und Herbst das Pro Shade System als Allwetterlösung bevorzugen, weil es in Jahreszeiten mit öfter wechselnden Lichtverhältnissen praxisgerecht überzeugt.

Welche Lichtverhältnisse der Wetterfrosch auch bietet, das PSS-Visier lässt sich einrichten.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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