Dakar-Buch von Werner Jessner

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Die Wüste ist so mysteriös wie die Rückseite des Mondes und warum man ausgerechnet mitten durch Afrika mit dem Motorrad im Renntempo fährt, um irgendwann oder auch nicht Dakar zu erreichen, lässt sich mit gesundem Menschenverstand weder erklären noch nachvollziehen. Und trotzdem passiert es seit 1978 jedes Jahr aufs Neue, mit einer Ausnahme, erst von Paris aus, später von anderen Destinationen und sogar zu neuen Zielorten wie Kapstadt oder auf anderen Kontinenten wie Südamerika, was am Mythos aber keinen Deut änderte.

Den Abenteuern und Legenden des wüsten Events wurde über 40 Jahre in etlichen Magazinen und TV-Beiträgen gehuldigt. Aber ein Buch, dass allesallesalles, was man wissen sollte, wenn man sich dafür interessiert, intensiv auf 340 Seiten ausbreitet, gibt es erst jetzt. »Dakar – Die härteste Motorradrallye der Welt« (Werbung) von Werner Jessner ist ein echter Schinken, großformatig gedruckt und wunderbar bebildert und satte 2,5 Kilo schwer.

Es geht im Buch um die Bikes von BMW, Honda, Yamaha und KTM und um die Menschen, die involviert waren, diese gebaut haben oder damit nach Dakar geritten sind. Jessner erzählt und fasst zusammen, spannt Bögen und lässt großteils die Beteiligten aus ihrer Perspektive und ihren Erinnerungen erzählen. Big- und No-Names, Fahrer, Techniker und Betreuer. Was mitreissend funktioniert, Abenteuer und Anekdoten nehmen kein Ende, das Verschlingen der Seiten bereitet sensationellen Lesespass. Super kommt auch, dass nur von Motorrädern die Rede ist, Dosen spielen keine Rolle, wenn man von Service-Trucks absieht, deren Besatzungen ebenfalls unglaubliche Geschichtln erzählen, das man fast aufs Atmen vergisst.

Kurzum: Das großartig lesenswerte Dakar-Buch verdient die volle Gasgriffsalat-Empfehlung mit Blümchen und Fünfer-Stern.

Was man noch hinzufügen könnte: Werner Jessner, Jahrgang 1975, Österreicher, hat die Dakar als Journalist ein paarmal begleitet und fährt selbst ganzjährig Motorrad. Er kennt sich aus, hat den richtigen Zugang und glänzt als brillianter Schreiber. Man liest und liest und liest, wird vom Bücherwurm zum Junkie, der sich nicht mehr losreissen kann, und zwar etliche Nächte, bis wirklich alles zu spät ist.

Ganz am Schluss, hinter Fahrerkurzporträts und einer Doku mit technischen Daten und Seitenansichten der Wüstenschiffe aus vier Jahrzehnten, folgen ein paar Zeilen über die Entstehung des Buches, in denen es heisst:  »….die Arbeit war journalistisch mindestens so beglückend wie persönlich: Wann immer ich höflich an eine Tür klopfte, öffneten sich bereitwillig die nächsten mit der freundlichen Aufforderung, doch bitte einzutreten und weitere Geschichten zu hören. Helden der Frühzeit flogen meinetwegen ein, langjährige Gegner versöhnten sich, Superstars boten an, mich vom Bahnhof abzuholen, und kochten eigenhändig Kaffee. Es gab keine einzige Absage, ausschließlich offene Arme, Unterstützung und Einsatz weit jenseits des Erwartbaren.« 

Das merkt man. Was für ein grossartiges Buch über ein außergewöhnliches Event! Das ohne Wenn und Aber die volle Gasgriffsalat-Empfehlung mit Sternchen verdient.

Dakar – Die härteste Motorrad-Rallye der Welt, von Werner Jessner. Erste Auflage Dezember 2019, Pantauro bei Benevento Publishing, Salzburg-Wien, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg. ISBN 978-3-7105-0042-8. Preis 58,- Euro

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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