KTM 1290 Super Duke R für 2020

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Aufgebrezelt als Trackday-Traum. KTM ist soooo gemein!

KTM sagt, dass die 1290 Super Duke R für 2020 „re-beasted“ wurde, was eine hübsche Umschreibung ist für eine Überarbeitung mit Änderungen an Fahrwerk, Motor und Elektronik. Damit präsentiert sich das Nakedbike-Flaggschiff aus Austria leichter (189 kg trocken sind 6 kg weniger als beim Vorgänger), kräftiger (180 PS sind 3 PS mehr als zuvor) und auch beim optischen Auftritt modifiziert. Werfen wir einen Blick auf die Einzelheiten:

Runderneuerte KTM 1290 Super Duke R: leichter (189 kg trocken sind 6 kg weniger als beim Vorgänger) und kräftiger (180 PS sind 3 PS mehr als zuvor).

MOTOR Auf dem Papier stehen 180 PS bei 9.500/min (zuvor 177 PS bei 9.750/min) in Verbindung mit 140 Nm max. Drehmoment bei 8.000/min (vorher 141 Nm bei 7.000/min). Das Motorgehäuse des 55 Grad-V2 mit 1301 Kubik Hubraum wurde überarbeitet. Marginal dünnere Gehäusewandstärken sowie überarbeitete Halterungen für Wasser- und Ölkühler sparen 0,8 kg Gewicht ein. Zusätzlich sind die Motoraufhängungen und der Aufhängungspunkt der neuen Schwingen-Umlenkung in das Motorgehäuse integriert. Dadurch sitzt der Schwingenbolzen nun 5 mm höher, was Stabilität und Eintauchen beim Beschleunigen zu Gute kommen soll. Die Ölzufuhr wurde ebenfalls verbessert: Zum Einsatz kommt nun eine leichte Aluminium-Ölleitung, was den Einsatz eines doppelwandigen Systems überflüssig macht.

Naked Bike-Flaggschiff »re-beasted« für 2020.

Neue obere Einspritzventile in den Drosselklappen verbessern das Mischverhältnis bei hohen Drehzahlen und unterstützen einen günstigeren Verbrauch. Änderungen an den Zylinderköpfen sollen das Drehmoment im unteren bis mittleren Drehzahlband verbessern, dazu soll das V2-Aggregat nun ruhiger laufen, weniger verbrauchen und etwa 10 % weniger CO² ausstoßen. Auch beim Getriebe wurde gefeilt: Verbesserte Keilwelle und bronzierte Kupferbeschichtung auf den Schaltgabeln bewirken reibungslosere Gangwechsel und damit kürzere Schaltzeiten.

Ram-Air mitten durchs LED-Lichtgesicht.

Dank eines neuen Ram-Air-Einlasssystems in der Mitte der LED-Scheinwerfers wird die Ansaugluft nun unter Druck den Brennräumen zugeführt. Zudem macht ein neu gestalteter, einfach zu erreichender Luftfilterkasten Servicearbeiten einfacher. Dank der neuen Abgasanlage erfüllt die 1290 Super Duke R die Euro5-Abgasnorm, die ab 2020 greift. Die bis zu 60 mm breiten Krümmer sind kurvig verschlungen ums Motorgehäuse geführt, um die Abgas-Strömungsdynamik zu optimieren. Zwei Katalysatoren reinigen die Emissionen.

Der neue Rahmen, genial geradliniges Konstrukt à la KTM RC8, mit dem Unterschied, dass das Hauptrohr beim Superbike oben zum Lenkkopf verlief; hier greift es unten an.
Zum Vergleich der RC8-Rahmen, am 2011er IDM-Meisterbike von Martin Bauer.

FAHRWERK Komplett neu ist der Rahmen, dessen genial geradlinige Rohrführung – nicht 1 zu 1, aber schon stark – an die selige KTM RC8 erinnert. Der neue Rahmen, bei dem der Motor eine mittragende Funktion übernimmt, wiegt 2 Kilo weniger und ist torsional dreimal so steif. Die Rohre sind voluminöser, aber mit geringerer Wandstärke als beim Vorgänger. Der neue Rahmen soll neben optimiertem Handling das Feedback übers Vorderrad verbessern helfen und auch die Sitzposition. Um an der Hinterhand beim Gasanlegen das Feedback und die Traktion zu verbessern, wurde die ebenfalls neukonstruierte, längere Einarmschwinge näher an das Ritzel gerückt. Der verlagerte Schwingendrehpunkt soll die Gesamtgeometrie und den Federweg verbessern helfen.

Statt einem verschraubten Gitterrohr-Heckrahmen ist das neue Beast mit einem Aluminium-Kohlefaser-Verbundheck ausgestattet. Dieses Bauteil hilft Gewicht zu sparen und die Funktionalität zu erhöhen: Soziussitz, Kennzeichenhalter und Rücklicht sind direkt damit verschraubt, was zusätzliche Halterungen oder Bauteile entbehrlich macht.

Das neue Verbundheck-Bauteil.

Die neue, voll einstellbare WP APEX-Gabel bedient sich (wie beim Vorgänger) eines Split-Designs für Zug- und Druckstufe und soll leichter als bisher sein. Für weitere Gewichtseinsparung ist eine neue, geschmiedete Aluminium-Gabelbrücke mit einem Versatz von 32 mm verbaut. Ebenfalls neu ist das WP APEX-Federbein mit separaten Gas- und Öl-Reservoirs, welche in Highspeed- und Lowspeed-Dämpfung einstellbar ist, während die Vorspannung ohne Werkzeug verändert werden kann. Auf neu designte und ebenfalls leichtere 5-Speichen-Gussfelgen sind toppmoderne Bridgestone S22-Gummis aufgezogen. Vorne sind künftig Brembo Stylema 4-Kolben Monobloc-Zangen verbaut, die wie gehabt auf zwei schwimmend gelagerte 320er Scheiben zugreifen; hinten verzögert ein schwimmend gelagerter 2-Kolben-Bremssattel auf einer 240er Scheibe.

Das türkise Blau zur orangen Variante könnte vom Tech3-Outfit inspiriert sein.
Die schwarze Version auf der EICMA.

AUSSTATTUNG Der 16 Liter-Stahltank (vorher 18 Liter) soll dank Form und Montagewinkel besseren Halt ermöglichen und der einstellbare Lenker vier Positionen bieten, über 21 mm Einstellbereich. Die Fußrasten erlauben zwei Positionen (weiter oben und hinten), dazu kann das Schaltschema umgekehrt werden. Auch Schalt- und Bremshebel sind einstellbar. 

Zur Steuerung der elektronischen Fahrhilfen ist eine Sechsachsen-Sensorbox der neuesten Generation verbaut. Um das Feedback vom Motor zu verbessern hat KTM die Software für die Fahrmodi überarbeitet und aufgewertet. Als Resultat spricht die Traktionskontrolle in allen Modi später an, während auch der Anti-Wheelie-Modus kultivierter agiert. Der Quickshifter+ wurde verbessert. Die Fahrmodi sind Rain, Street, Sport. Die Modi Track und Performance gibt es optional. Das Cockpit schmückt ein neues 5 Zoll TFT-Display mit verbesserten Funktionen und neu gestalteter Menüstruktur. Die Armaturen glänzen mit neu gestalteten Bedienungselementen.

Den Preis für die neue 1290 Super Duke R hat KTM auf 18.295,- Euro festgesetzt, zuzüglich Überführungs- und Nebenkosten von 360,- Euro.

Schöne Aussicht.

Fotos: KTM, Lulop, Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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