Ducati 2020: neue Streetfighter V4 / S

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Duo Infernale. Streetfighter V4 und Streetfighter V4 S (r).

Ducatis neue Streetfighter V4 basiert auf der Panigale V4 – von der Verkleidung befreit und mit hohem Lenker ausgestattet. Das Konzept lässt sich einfach, aber fesselnd umschreiben: Eine Supernackte mit 208 PS! 

Das Zahlenwerk ist beeindruckend genug: Die Streetfighter V4 wird vom 1.103 ccm großen Desmosedici Stradale-Motor angetrieben. Der 90° V4 leistet 208 PS (153 kW) bei 12.750/min. Das maximale Drehmoment beträgt 123 Nm bei 11.500/min und ist gegenüber der Panigale V4 praktisch unverändert. Die Basis-Variante wiegt vollgetankt 201 kg, die S ist mit 199 kg zwei Kilo leichter. Die temperamentvolle Fahrdynamik soll laut Ducati durch schlaue Elektronik sowie seitliche Winglets stets gut kontrollierbar bleiben, auch für Nicht-Supermänner und -Frauen. 

Das Design der LED-Scheinwerfer soll übrigens an das Grinsen des Jokers erinnern, jenes der V-förmigen Daytime Running Lights an die Front der Panigale V4.

Wow: Winglets

Die Winglets erzeugen 28 kg Abtrieb bei 270 km/h (20 kg am Vorderrad, 8 kg am Heck). Die Flügel tragen auch dazu bei, dem Triebwerk Wärme zu entziehen, indem sie die Durchflussgeschwindigkeiten von Wasser und Ölkühler um 2 % bzw. 10 % erhöhen. Der durch die Flügel erzeugte Abtrieb wirkt laut Ducati der Wheelie-Neigung entgegen und dämpft das „Aufschwimmen“ des Vorderrads bei hoher Geschwindigkeit sowie die Tendenz zum Pendeln. Außerdem verbessern die Winglets die Stabilität beim Bremsen bis zum Einlenkpunkt und in der Kurve. 

Das Elektronikpaket überwacht wie ein Schutzengel sämtliche Phasen der Fahrt. Einige Features optimieren den Start, das Beschleunigen und helfen beim Bremsen, andere sorgen für mehr Traktion oder greifen am Kurvenein- und Ausgang ein. 

Bei der S-Version der Streetfighter V4 gehören zur Ausstattung: leichte Marchesini-Schmiederäder, ein semiaktiv-elektronisches Fahrwerk von Öhlins (mitsamt 43 mm NIX 30-Upside-Down-Gabel und TTX 36-Federbein) sowie ein Lenkungsdämpfer. Die Fahrwerkskomponenten werden von dem Öhlins Smart EC 2.0-System der zweiten Generation gesteuert, das neben dem Datenaustausch mit der Sechsachsen-Sensorbox (6D IMU) auch eine user-freundliche Benutzeroberfläche anbietet. 

Erhebende Power.

Die Ausstattung der Streetfighter V4 

·  1.103 ccm Desmosedici Stradale-Motor 

·  Front-Frame 

·  16 Liter-Aluminiumtank mit Verlängerung unter dem Sitz 

·  43 mm Showa Big Piston Fork (BPF), komplett einstellbar 

·  Sachs-Federbein, komplett einstellbar 

·  Sachs-Lenkungsdämpfer 

·  Bremssystem mit Brembo Monoblock-Bremssätteln 

·  Pirelli Diablo Rosso Corsa II-Reifen (hinten 200/60) 

·  Winglets 

·  Elektronikpaket mit 6-achsiger Sensorbox (6D IMU aka Inertial Measurement Unit) für: Kurven-ABS EVO; Traction Control EVO 2; Slide Control; Wheelie Control EVO; Power Launch; Quick Shift Up/Down EVO 2; Engine Brake Control EVO 

·  Taster am linken Lenker zur schnellen Menübedienung 

·  5 Zoll TFT-Instrument 

·  Fahrmodi Race, Sport, Street 

·  LED-Scheinwerfer mit Daytime Running Light 

·  Vorbereitet für: Lap Timer GPS, Data Analyser+ GPS und Multimedia System

·  Zweisitzer-Kit 

LED-Scheinwerfer mit Daytime Running Lights.

Streetfighter V4 S zusätzlich mit

·  Ducati Electronic Suspension EVO 

·  Öhlins NIX 30 Upside-Down-Gabel mit Öhlins Smart EC 2.0-Steuerung 

·  Öhlins TTX 36-Stoßdämpfer mit Öhlins Smart EC 2.0-Steuerung 

·  Öhlins-Lenkungsdämpfer mit Öhlins Smart EC 2.0-Steuerung 

·  Geschmiedete Marchesini-Aluminiumräder 

Panigale V4 S

Eigentlich liesse sich hier bereits aussteigen, weil alles Wesentliche mitgeteilt ist. Da die Streetfighter V4 aber noch etliche interessante Details und Funktionen zu bieten hat, plaudern wir noch ein bisschen weiter. Vielleicht möchten Sie sich ein Glas Rotwein oder einen Frucht-Cocktail einschenken und zwischendurch die Kehle befeuchten, dann liest es sich gleich entspannter weiter…..   

Im Vergleich zur Panigale V4 wurde die Sitzposition (mit 845 mm Sitzhöhe) neu definiert. Nakedbike-gerecht sind die Lenkerstummel durch einen hohen, breiten Lenker ersetzt. Damit gestaltet sich die Körperhaltung in Einklang mit moderater Fußrasten-Position sportlich und fahraktiv, was die Kontrolle und Übersicht bei innerstädtischen Fahrten wie auch auf der Landstraße erleichtert.

Dank gleicher Abmessungen und Geometrien wie am MotoGP-Herz besitzt der Desmosedici Stradale die gleiche Strömungsdynamik. Übernommen sind Motorkonfiguration und Einbaulage: 90° V4, um 42° nach hinten gedreht. Diese Lösung macht den Motor kompakt, ermöglicht die Zentralisierung der Massen und, wie Konstrukteure gerne festhalten, eine einwandfreie Integration ins Gesamtfahrzeug. 

Reds are more Fun.

Wie beim MotoGP-V4 dreht sich die Kurbelwelle gegenläufig. Dadurch wird der Kreiseleffekt der Räder verringert und das Motorrad bei Richtungswechseln agiler. Außerdem reduziert es die Wheelie-Neigung beim Beschleunigen und das Abheben des Hinterrads beim Bremsen. Die Hubzapfen sind um 70° versetzt, was zu einer Twin Pulse-Zündfolge führt, die neben dem sonor-dumpfen Klang eine einfach zu handhabende Beschleunigung sowie gleichzeitig gute Traktion aus Kurven heraus bietet.

Der Desmosedici Stradale-V4 verfügt natürlich über eine desmodromische Ventilsteuerung. Die vier Nockenwellen betätigen sechzehn Stahlventile, deren Durchmesser an der Einlassseite 34 mm und an der Auslassseite 27,5 mm betragen. Die Ventilsitze sind aus Sinterstahl gefertigt. 

Die Box-in-Box-gegossenen 81 mm-Aluminiumkolben haben zwei Kompressionsringe und einen Ölabstreifring (den gleichen wie beim Desmosedici GP-Motor). Das hohe Verdichtungsverhältnis von 14:1 unterstreicht das aus dem Rennsport stammende Design. 

V4-Muskelprotz.

Der Lufteinlass erfolgt über vier ovale Drosselklappen (entsprechen jeweils 52 mm Ø), die mit 70 mm langen (starren) Ansaugtrichtern verbunden sind. Jeder Zylinder verfügt über zwei Einspritzdüsen: eine unterhalb der Drosselklappe für den Teillastbereich und eine weitere oberhalb der Drosselklappe, die zum Einsatz kommt, wenn maximale Motorleistung gefordert ist. Die Drosselklappen jeder Zylinderbank werden von einem Stellmotor bewegt. Das Ride-by-Wire-System ermöglicht komplexe elektronische Steuerstrategien und die Modulation der Drosselklappe (und damit des Ansprechverhaltens) entsprechend dem gewählten Fahrmodus. 

Um den Fahrkomfort (über reduzierte Hitzeabstrahlung) in der Stadt zu erhöhen, wird die hintere Zylinderbank im Leerlauf deaktiviert, wenn die Wassertemperatur 75° überschreitet. Die Kontrolle des Ventilspiels ist alle 24.000 km erforderlich; die Wartung erfolgt alle 12.000 km/12 Monate. 

Gedrungen.

Wissenswert für Prüftstand-Anbeter: Motor-Layout und rückwärts drehende Kurbelwelle erfordern eine Zwischenwelle (man kann auch Umkehrwelle oder „Jack-Shaft“ dazu sagen), damit sich Getriebe und Hinterrad in der richtigen Drehrichtung, also vorwärts, bewegen. Die Umkehrwelle muss bei der Ermittlung von Motorleistungsdaten an der Kurbelwelle mit einkalkuliert werden, sofern die Messung über das Hinterrad erfolgt. Auf Rollenprüfständen muss deshalb ein Korrekturfaktor eingerechnet werden, der mit 0.98 fixiert ist. 

Wie die Panigale V4 verfügt der Streetfighter V4 über den sogenannten Front-Frame, der den Motor als tragendes Element nutzt und nur 4 Kilo wiegt; dieser wird direkt am oberen Kurbelgehäuse der vorderen Zylinderbank und am Zylinderkopf der hinteren Bank befestigt. Das Kurbelgehäuse ist somit auch der Aufhängepunkt der Einarmschwinge. Ein unter dem Sitz befindlicher Hilfsrahmen, der oben mit dem Front-Frame und unten mit dem Kopf der hinteren Zylinderbank verschraubt ist, komplettiert das tragende Fahrwerk. 

Ansehnlich: Schmiederäder der S, Zentralmutter.

Die massiv dimensionierte Aluminium-Einarmschwinge stützt sich über eine geschmiedete Aluminium-Umlenkung am Motor ab. Die 43 mm Showa Big Piston Fork (BPF) ist in der Federvorspannung sowie in der Druck- und Zugstufendämpfung einstellbar. Ein Sachs-Lenkungsdämpfer rundet das Paket an der Fahrzeugfront ab. Am Heck werkelt ein Stoßdämpfer von Sachs, ebenfalls komplett einstellbar.

Die Streetfighter V4 S ist mit einer Öhlins NIX 30-Gabel, einem Öhlins TTX 36-Heckstoßdämpfer und einem Öhlins-Lenkungsdämpfer ausgestattet. Fahrwerk und Lenkungsdämpfer werden bei der S-Version durch das Öhlins Smart EC 2.0-System der zweiten Generation Event-basiert (semiaktiv) gesteuert. Während die Standard-Streetfighter 5-Speichenräder aus Aluminiumguss besitzt, ist die V4 S mit 3-Speichen-Marchesini-Schmiederädern aus Aluminium ausgestattet. Auf den Felgen sind Pirelli Diablo Rosso Corsa II montiert. Die Größen sind vorne 120/70 ZR17 und hinten 200/60 ZR17.

S mit Öhlins-Forke statt Showa Big Piston-Gabel.

Beide Streetfighter V4-Typen verfügen über Brembo Stylema Monoblock-Bremssättel, die aus M50-Bremssätteln entwickelt wurden. Die Sättel an der Vorderachse, die jeweils vier 30 mm-Kolben besitzen, wirken auf zwei 330 mm große Scheiben. Die Hinterradbremse ist aus einer 245 mm-Bremsscheibe und einem Zweikolben-Festsattel komponiert. Die Bremsanlage verfügt über Kurven-ABS EVO, bei dem der besonders leichte Bosch 9.1 MP-Modulator zum Einsatz kommt. 

Wie bei Rennmotorrädern befindet sich ein Teil des 16 Liter-Alutanks unterhalb des Sitzpolsters. Im Vergleich zur Panigale V4 ist dieser untere Tankabschnitt modifiziert, um ein dickeres Sitzpolster zur Erhöhung des Fahrkomforts verbauen zu können. Vorne deckt der Tank die gesamte Elektronik einschließlich der Batterie ab. 

Die Streetfigher V4 verfügt über eine moderne Elektronik, die auf einer 6-achsigen Inertial Measurement Unit (6D IMU) basiert, die permanent die Roll-, Gier- und Neigungswinkel des Motorrads erfasst. Geboten werden:

·  Kurven-ABS EVO 

·  Traction Control EVO 2 

·  Slide Control  

·  Wheelie Control EVO 

·  Power Launch  

·  Quick Shift Up/Down EVO 2 

·  Engine Brake Control EVO 

·  Electronic Suspenison EVO

Die Parameter dieser Assistenzsysteme sind an der Streetfighter V4 werkseitig für die verschiedenen Fahrmodi (Race, Sport, Street) voreingestellt. Der Fahrer kann die Systeme entsprechend seinem Fahrstil wunschgemäss konfigurieren und per Knopfdruck zu den voreingestellten Werten zurückkehren. Die Regelintensitäten von DTC, DWC, DSC oder EBC können über einen Doppeltaster, der sich am linken Lenkerende befindet, direkt eingestellt werden. 

Brembo-Kneifer, ABS mit Kurvenfunktion.

Das ABS der Streetfighter V4 verfügt über eine Kurvenfunktion, das die Bremsleistung auch in Schräglage optimiert (Eingriffslogik und Steuerung erfolgen wie bei Panigale V4). Das Kurven-ABS EVO kann in drei Regelstufen verwendet werden.

Stufe 3 ist für den Straßeneinsatz oder für Bedingungen mit wenig Haftung abgestimmt, gewährleistet sicheres und stabiles Bremsen und verhindert das Abheben des Hinterrads bei harter Verzögerung. Die Stufen 2 und 1 legen den Fokus auf die bestmögliche Bremsleistung und eignen sich für sportliches Fahren bei hohem Gripp-Niveau und auf der Rennstrecke. 

Stufe 2 wird sportlichen Fahrern auf der Rennstrecke empfohlen. In dieser Stufe ist das ABS mit Kurvenfunktionalität vorne und hinten aktiviert, die Abhebeerkennung des Hinterrades jedoch nicht, um sportliche Bremsleistung zu ermöglichen. In Stufe 2 ist die „Slide by brake“-Funktion aktiviert, mit der Fahrer spektakulär, aber sicher in Kurven hineindriften können. 

Detail.

Stufe 1 ist keine Standardeinstellung in einem der Fahrmodi. Sie muss bewusst ausgewählt werden, da sie für den Einsatz auf der Rennstrecke von routinierten Fahrern ausgelegt ist. Diese Stufe bietet einen renntauglich späten ABS-Eingriff nur am Vorderrad. Sowohl die Kurvenfunktionalität als auch die Abhebeerkennung des Hinterrads sind deaktiviert, um maximale Bremsleistung zu erzielen. 

Die Traction Control EVO 2-Strategie ist – Achtung! – ein Ableger aus der MotoGP Desmosedici GP18 und wird bereits bei der Panigale V4 R und V4 R SBK eingesetzt. DTC EVO wurde durch die Implementierung eines neuen Steueralgorithmus weiterentwickelt. Dieser reagiert auf abrupten Haftungsabriss sanfter und vermeidet so Bewegung im Fahrwerk. Die DTC EVO 2 ist mit der Bosch-Steuerelektronik (6D IMU) gekoppelt, die die Schräglage des Motorrads permanent überwacht und dabei die Eingriffe genau berechnet, um den passenden Schlupf (abhängig vom gewählten DTC EVO-Level) zu ermöglichen. Das System arbeitet prädiktiv, erkennt den Griffverlust also früher, was schnelleres und sanfteres Eingreifen ermöglicht. Dies führt zu einer höheren Stabilität (auch bei suboptimalen Haftungsbedingungen), höherer Beschleunigung, besseren Rundenzeiten und verbessert die Performance über eine Trainings- oder Renndistanz. 

Eleganz.

Die DTC EVO 2 greift auf die Drosselklappen zu und kontrolliert den Zünd- und Einspritzungsverlauf. In allen Situationen, in denen kein schnelles Eingreifen der DTC EVO 2 nötig ist, nutzt die Elektronik die Verbindung zu den Drosselklappen für optimale Verbrennungsparameter, um dem Motor durch sanfte Systemeingriffe ein besonders weiches Ansprechverhalten zu verleihen. Sie kann auf 8 verschiedene Stufen eingestellt werden (6 für trockene Bedingungen, 2 für nasse Bedingungen), so dass der Fahrer die Regelschwelle individuell an seinen Fahrstil anpassen kann. 

Die Einführung der 6D IMU ermöglichte es, der Traktionskontrolle die in Kooperation mit Ducati Corse entwickelte Slide Control hinzufügen. Dieses System assistiert dem Piloten bei der Kontrolle des Driftwinkels beim Herausbeschleunigen aus Kurven. Ziel ist, das Herausbeschleunigen effektiver zu gestalten und unnötig hohe Driftwinkel zu vermeiden, die schwierig zu beherrschen sind. DSC stützt sich auf die Informationen der 6D IMU, die den Drift-Assistenten mit Daten zur Fahrzeugdynamik (Schräglage, Beschleunigung etc.) versorgt. 

Wie die DTC EVO kontrolliert die DSC die Drehmomentabgabe durch Zugriff auf die Drosselklappen, Rücknahme des Zündfunkens und Unterbrechung der Einspritzung. In all jenen Situationen, in denen das schnelle Eingreifen der DSC nicht nötig ist, sorgt die Steuerung der Drosselklappen für optimale Befüllung, um dem V4-Triebwerk durch sanfte Systemeingriffe ein besonders weiches Ansprechverhalten zu verleihen. 

Bei der Slide Control gibt es zwei Einstellungen. Das Umschalten von Level 1 auf Level 2 erlaubt die Kontrolle von Slides, die sonst schwierig zu beherrschen wären. Beide Stufen kann der Fahrer über ein Menü verändern, in dem sich auch die Interventionsebenen der DTC EVO und DWC EVO einstellen lassen. Außerdem ist es möglich, über die Schnelltaster an der linken Lenkerarmatur die Slide Control zu bedienen. Die jeweilige Einstellung wird im Display angezeigt. 

Die Wheelie Control EVO sorgt für die effiziente Kontrolle eines steigenden Vorderrads, um eine optimale Beschleunigung auf sanfte und sichere Weise zu gewährleisten. Erfasst werden das Auftreten und der Grad von Wheelies, um diese auf noch höherem Niveau zu kontrollieren. 

Luftiges Detail.

Das in drei Stufen wählbare »Power Launch«-System ermöglicht blitzschnelle Starts, bei denen sich der Fahrer einzig auf das Loslassen der Kupplung konzentrieren muss. Einmal aktiviert, legt der Fahrer nur noch den ersten Gang ein und zieht das Gas auf. Während der ersten Phase des Starts, in der der Pilot den Kupplungshebel bedient, hält das System den V4 bei optimalen Drehzahlen. In der zweiten Phase, wenn die Kupplung eingerückt ist, regelt die Power Launch-Elektronik das Drehmoment, um maximalen Vortrieb je nach gewähltem Level zu generieren. 

Die Startautomatik bedient sich der Wheeelie-Control-Funktionen und hält diese ständig aktiv, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Die automatische Deaktivierung des Systems erfolgt beim Erreichen einer Geschwindigkeit über Startniveau oder wenn der dritte Gang eingelegt wird. Um die Kupplung zu schonen, erlaubt ein speziell entwickelter Algorithmus nur eine bestimmte Anzahl von hintereinander folgenden Starts. Sobald der Fahrer das Motorrad normal bewegt, wird die Zahl der Power-Launch-Starts wieder auf Null gesetzt. Das ganze System ist in drei Stufen anwählbar und wird über einen Knopf am rechten Lenker aktiviert. Level 1 passt für echte Rennstarts, Level 3 ist sicherer und stabiler. 

Das für die Panigale V4 entwickelte Quick Shift EVO 2 mit Up/Down-Funktion nutzt Schräglagendaten, um die Stabilität beim Gangwechsel in Schräglage zu maximieren. Das System ermöglicht neben kurzen Schaltzeiten auch das Runterschalten ohne Kupplung, was noch härteres Bremsen ermöglicht. Das System besitzt einen in das Schaltgestänge integrierten Zweiwege-Mikroschalter, der bei jedem Gangwechsel ein Signal an das Steuergerät sendet. Dank der Ride-by-Wire-Steuerung arbeitet das System beim Hoch- und Runterschalten unterschiedlich und integriert Parameter wie Schräglage, Gangstufe, Drosselklappenstellung und Verzögerungswerte an der Kurbelwelle mit in den Schaltvorgang. Beim Runterschalten arbeitet das Quick Shift-System synergetisch mit der Anti-Hopping-Kupplung und der Bremsmomentkontrolle EBC EVO, um optimale Gangwechsel auch in extremen Fahrsituationen zu gewährleisten. 

Ausstrahlung .

Quick Shifter EVO 2 – eine weitere Ableitung aus der Panigale V4 R – verkürzt die Schaltzeit und erhöht die Stabilität im Hochdrehzahlbereich (über 10.000/min) auf der Rennstrecke. 

Engine Brake Control EVO unterstützt den Fahrer, das Bike bei extremen Bremsmanövern am Kurveneingang zu stabilisieren. Das gelingt, indem die Motorbremsmoment-Kräfte, die aufs Hinterrad wirken, reguliert werden. Das EBC EVO gleicht Infos zu Schräglage, Drosselklappenstellung, Gangstufe und Verzögerungswerten der Kurbelwelle bei hartem Bremsen ab und reguliert feinfühlig die Gaszufuhr, um die Drehmomentkräfte auszugleichen, die auf das Hinterrad wirken. EBC EVO hat drei verschiedene Einstellungen, die in die Fahrmodi integriert sind. 

Die Streetfighter S-Version ist mit dem semiaktiven elektronischen Öhlins-Dämpfersystem ausgestattet, das auf der Öhlins Smart EC (Electronic Control) der zweiten Generation basiert. Es nutzt nicht nur alle Möglichkeiten, die die Sechsachsen-Sensorbox bietet, sondern hat auch eine neue und intuitivere Fahrerschnittstelle, das OBTi (Objective Based Tuning Interface). 

Semiaktives elektronischen Öhlins-Dämpfersystem.

Das elektronische Fahrwerk bietet die Wahl zwischen der manuellen Abstimmung („Fixed“) – Druck-, Zugstufe und der Lenkungsdämpfer können von Hand mit „Klicks“ abgestimmt werden (32 von komplett offen bis komplett geschlossen beim Fahrwerk und 10 beim Lenkungsdämpfer) – und dem Automatik-Modus (Dynamic). Im Dynamic-Modus passt das System die Druck- und Zugstufe anhand der Informationen vom Steuergerät und anderen Sensoren entsprechend dem Fahrstil an. 

Der Hauptvorteil der Öhlins Smart EC 2.0 besteht in der Möglichkeit, die Level des Systemeingriffs individuell einzustellen, und zwar je nach Fahrsituation (Bremsen, Kurvenfahrt, Beschleunigung). Außerdem lassen sich die Einstellungen der einzelnen Hardware-Komponenten anpassen. Dadurch bewegt sich der Fahrer auf einem überlegenen Level der dynamischen Motorradkontrolle – das erhöht die Sicherheit auf der Straße und lässt die Rundenzeiten sinken. 

Die Fahrmodi bieten drei voreingestellte Motorradkonfigurationen, die die Streetfighter V4 in ihrem Fahrverhalten an den Stil des Fahrers, die Strecke und die Witterungsverhältnisse anpassen. Jeder Modus verändert den Charakter des Antriebs, der elektronischen Einstellungen und bei der S-Version auch die Einstellung des Fahrwerks. Zudem kann der Fahrer einen persönlichen Modus erstellen und jederzeit wieder auf die Werkseinstellungen zurückgreifen. 

Action.

Der Race Mode ermöglicht es, die volle Leistungsfähigkeit des Motorrads auf griffigen Strecken zu genießen. Race stellt 208 PS Spitzenleistung mit direkter Gasannahme zur Verfügung und bei der S-Version eine sportlich-straffere Fahrwerksabstimmung. Race reduziert die Assistenzsysteme auf ein niedriges Interventionsniveau, ohne die Sicherheit zu gefährden. Hier ist ABS Stufe 2 hinterlegt, ohne Abhebeerkennung am Hinterrad und mit aktivierter Slide by brake-Funktion. 

Die Auswahl des Sport Mode stellt 208 PS Spitzenleistung mit sportlich direkter Gasannahme zur Verfügung – und bei der S-Version eine sportliche Fahrwerksabstimmung. Die Assistenzsysteme sind so konfiguriert, dass sie ein praxisgerechtes Regelszenario für trockene Straßen bereitstellen. Die Hinterrad-Abhebeerkennung ist aktiviert, die Kurvenfunktionalität des ABS auf maximalen Kurvenspaß eingestellt. 

Gesicht.

Der Street Mode ist zu empfehlen, wenn auf schlechten Straßen oder bei geringerer Haftung gefahren wird. Dem Fahrer stehen noch 155 PS Spitzenleistung zur Verfügung, die Gasannahme ist progressiv weich und bei der S-Version das Fahrwerk komfortorientiert abgestimmt. Die Regelschwellen der Assistenzsysteme sorgen für maximale Sicherheit, Stabilität und Haftung. 

Alle Einstellungen können in jedem Riding Mode individualisiert werden – eine Rückkehr zu Standardwerten ist jederzeit per Knopfdruck möglich. So kann zum Beispiel im Race Mode die ABS Stufe 1 aktiviert werden (für den Einsatz auf der Rennstrecke durch erfahrene Fahrer), um die maximale Bremsleistung zu erreichen. In ABS Stufe 1 sind die Kurvenfunktionalität des ABS sowie die Hinterrad-Abhebeerkennung ausgeschaltet.

Belissima Aussicht.

Die Streetfighter V4 verfügt über den gleichen 5 Zoll-TFT-Farbbildschirm wie die Panigale V4. Das Display wird von einem runden, virtuellen Drehzahlmesser dominiert. Die Drehzahl wird mit einer „Nadel“ dargestellt, deren Bewegungen mit einem weißen Schweif hinterleuchtet sind. Der Schweif dient gleichzeitig als Schaltblitz und wechselt von Weiß auf Orange und schließlich Rot, wenn das Drehzahllimit erreicht ist. 

Zwei Layouts stehen zur Wahl und können vom Fahrer umbenannt werden. Mit dem Rundenzeiten-Indikator und dem Drehzahlmesser, der auch den Schaltblitz für das beim Racing relevante Drehzahlspektrum integriert, ist „Track“ speziell für die Rennstrecke ausgelegt. „Road“ zeigt statt der Rundenzeit die Informationen des Ducati Multimedia Systems und erleuchtet den Drehzahlmesser entsprechend den auf Landstraßen üblichen Drehzahlen. 

Wer nur auf brutale Leistung spitzt, wird also überrascht feststellen, was die Ducati Streetfighter V4 sonst noch alles an moderner, superschlauer Technik für dynamischen Fahrspass zu bieten hat.

Platzhirsch.

Fotos: Ducati 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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