Spritztour mit Honda Fireblade und CB1300

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Zeit muss man sich nehmen, vor allem wenn man eigentlich keine hat. Also lassen wir alles stehen und liegen und heizen die Öfen an. Lothar seine Fireblade und ich meine 13. Die Sonne scheint, Kurs West-Südwest, also Richtung Donnersberg-Saarland, so ungefähr. Das letzte Mal waren wir hier mit Lothars Kleineisen-Sammlung (125er CBF-Honda und MZ Supermoto, begleitet von Peugeot 200-Rollerkapitän Hartwig) unterwegs, also nicht genau, aber ähnlich. 

Höret die scharrenden Hufe. Los jetzt.

Von Ingelheim, der weltberühmten Rotweinstadt, rollen wir über Bad Kreuznach gen Idar-Oberstein, passieren die GP-Werkstatt des Kiefer-Teams und bestaunen beim Durchfahren die sehenswerte Architektur etlicher Bauten in der Schmuck- und Edelsteinstadt, inklusive der Felsenkirche, die bizarr in eine Feldwand hineingebaut ist.

Lothar hat grob eine Schleife durch unser Zielgebiet ausbaldowert und statt Navi oder irgendwelcher moderner Hilfsmittel einen Ausdruck einer Straßenkarte eingesteckt. Ab und zu halten wir an, um diese zu studieren, was relativ unterhaltsam ist, weil er nicht die Lesebrille auf der Nase hat, sondern eine andere, jedenfalls ist dank unlesbarer Buchstaben und seltsamer Hieroglyphen reichlich Phantasie vonnöten, was aber kein Problem ist, schließlich befinden wir uns nicht auf einer Schnitzeljagd.

Hieroglyphenkunde: Gehts da lang oder dort?

Die Straßen und Kurven, die wir schließlich finden und bewältigen, sind wunderbar. Es geht immer durchs Grüne, entweder geradeaus oder rechts oder links herum, mal verhalten, mal beschwingt, zum Glück hält sich der Verkehr relativ in Grenzen. Wir pusten also unser Hirn durch, was genau unserem Plan entspricht; so brausen wir entspannt dahin durch KurvenKurvenKurven, bis sich irgendwann die Spritanzeige der Reserve nähert und wir die nächste Tanke anlaufen.

Mit e-Bikes ständen wir jetzt noch dort.

Zwischendurch galt es Baumholder zu kreuzen, dort ist rundum reichlich Militär angesiedelt. Soviel Kasernenbauten, Hinweise auf Schiessplätze, explosives Zeugs und militärische Einrichtungen sieht man selten. Zum Glück bleibt alles friedlich. Keine Panzer zuckeln kettenrasselnd vor uns dahin, es gilt keine versteckten Minen zu umschiffen, auch fliegen keine blauen Bohnen durch die Luft. Das Gefährlichste, was uns droht, ist so eine neumodische Rundumschiess-Radarsäule, die wir aber frühzeitig erspähen und brav vorbeirollen.  

Lothars CBR900RR ist eine SC28, Baujahr 1992. Rund 75.000 km stehen auf der Uhr. Die Fireblade steht nicht nur optisch pikobello da, sie schnurrt immer noch wie eine Eins. Der Superbike-Lenker ist erst seit kurzem montiert. Demnächst wird wieder ein neuer Kettensatz fällig, ansonsten gilt die alte Flügel-Weisheit »Sie rennt und rennt«. Ich erinnere mich, wie sie einst als Neukauf vor dem Haus parkte und wir kaltgetränkevernichtend auf der Treppe davor sassen und sabbernd die Details bewunderten. Die erste Blade vor 27 Jahren war ein federgewichtiger Hammer. Was heisst war? Sie ist auch heute noch ein feines Teil.

Meine 13 ist elf Jahre jünger und inzwischen sechsstellig. Klagen? Keine. Im Gegenteil. Obwohl, ich glaube, ich muss mal die Front nachschauen und einem Geräusch auf den Grund gehen, das sich ankündigt. Könnte sein, dass die Radlager ersetzt werden müssen. Es soll einem Schlimmeres passieren. Radlager vorne hatte ich schon mal, als Student mit einer CB500 Four, weit weg in Jugoslawien. Ein Freund schickte mir die Ersatzteile per Post, also hängte ich einfach ein paar Tage länger die Angel ins Meer. 

Ahhh. Ohhh.

In Meisenheim ist es unmöglich, nicht in dieser Eisdiele in der Altstadt einzukehren. Einmal Eierlikör-Becher, einmal Eiskaffee. Natürlich lassen wir Hartwig, der auf dem derzeit total verregneten Mallorca urlaubt, feixend eine Foto-Message zukommen: »Alles super hier und Sonne satt….«.

Auf dem Rückweg, kurz vor zu Hause, statten wir in Gau-Algesheim Lothars Sohn Jörn einen Besuch ab, der dort eine Motorradwerkstatt betreibt. Jörn nennt zwei SC28 sein Eigen, die eine ist als grimmig nacktes Custombike umgebaut und steht in der Wohnung nebenan, die andere gleicht der seines Vaters wie ein Ei dem anderen, inklusive Superbike-Lenker. Vor wenigen Tagen war der Filius damit in den Alpen unterwegs, zusammen mit ein paar Freunden, alle auf angejahrten Blades. 

Salatprynz, Lothar: Zeit muss man sich nehmen.

Soll also niemand sagen, dass mit den alten Eisen nicht noch ordentlich auf Achse gegangen und lustvoll gefahren werden kann. Hauptsache, der Fahrtwind pfeift um die Nase, ob in der Nähe oder in der Ferne. 

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

1 Kommentar

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    “Soll also niemand sagen, dass mit den alten Eisen nicht noch ordentlich auf Achse gegangen und lustvoll gefahren werden kann”

    …..sagten die zwei Hondas lobend über ihre Fahrer 🙂

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