Guzzi-Tatra V8

0
Eigenbau von Alfred Schmaus: Guzzi-Chassis, Tatra V8-Automotor mit 2,5 Liter Hubraum.

Viele Umbauten und Custombikes lassen sich irgendwie zuordnen. Diese Kreation, die ich auf einer Glemseck-Wiese beim Herumtrüffeln entdeckte, jedoch nicht. Kein Wunder, ist ja auch ein kompletter Eigenbau aus Guzzi-Fahrwerk und Tatra V8-Motor. Erbaut hat die Maschine Alfred Schmaus, ein 68-jähriger Maschinenbau-Techniker aus Schwandorf (nördlich von Regensburg), der bereitwillig über die Entstehung Auskunft gab:

Lang und wuchtig, aber für ein V8-Bike noch erstaunlich kompakt. Respekt!

»Rahmen und Gabel entstammen einer 72er California 850, der Motor ist ein V8 mit 2,5 Liter Hubraum, war ursprünglich in eine Tatra 603 Limousine eingebaut und leistet 110 PS. Verbaut ist das Guzzi-Getriebe mit 5 Gängen, auch der Kardan ist übernommen. Die Kreuzspeichenräder sind von der Firma Behr. Gewicht? Etwa 350 kg. Die Bauzeit erstreckte sich über drei Jahre und geschätzt etwa 2000 Arbeitsstunden. Fremdhilfe habe ich dafür keine in Anspruch genommen.«

Kein TV und keine Bordbar im Cockpit, aber sonst alles , was man braucht.

»Der Sprit wird wie bei der Gold Wing unterm Sitz im Rahmendreieck gebunkert, der Tank vorne ist also nur eine Haube, darunter finden Vergaser, Luftfilterung, komplette Bordelektrik und Zündspulen ihren Platz. Für die acht Zylinder bereiten vier separate Jikov-Vergaser mit Beschleunigerpumpe das Gemisch auf. Dieser Motor wurde 1955 entwickelt und galt seinerzeit als sehr modernes, hochwertiges und auch kompaktes Triebwerk. Da Tatra-Automobile auch in der DDR vertrieben wurden, existiert sogar ein deutsches Handbuch dazu und für Ersatzteile gibt einen Online-Shop in der Slowakei, da lässt sich bis heute alles bestellen, was man braucht und überaus günstig dazu.«

Getriebe und Kardan entstammen der Guzzi, natürlich adaptiert.

»Gekauft habe ich den Motor für 500 Euro, eigentlich ohne genau zu wissen, was damit geschehen soll. Irgendwann bin ich dann auf die Idee gekommen, damit ein Motorrad zu bauen. Dabei galt es etliche Details zu lösen. Um das Getriebe anzuflanschen, war ein Adapter notwendig. Hinten hat die Schwinge nun eine doppelte Umlenkung mit schrägem Kreuzgelenk. Der Ölkühlkreislauf musste umgebaut werden und die Lichtmaschine ist nun auf der Rückseite der Nockenwelle mittels Keilriemen angebunden, weil vorne kein Platz war; dazu zusätzlich untersetzt, weil die Lichtmaschine sonst zu langsam laufen würde.«

Kunstvoller Lima-Antrieb mit zwei untersetzten Keilriemen.

Die Guzzi-Tatra ist seit etwa einem Jahr fertiggestellt. Über kurze Probefahrten ist die imposante Maschine noch nicht hinausgekommen, einfach weil noch keine Zulassung erfolgt ist. Das mindert die Faszination des Projekts jedoch nicht im Geringsten. Sondern ist eher ein Grund mehr, dem handwerklich superbegabten Erbauer die Daumen zu drücken, dass auch diese Hürde noch erfolgreich umschifft wird. 

Bei der Silhouette drängt sich kein Vergleich mit einer Boss Hoss auf.

Fotos: Buenos Dias

About Author

Avatar

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

Leave A Reply