Suzuka 8H: Kawa-Doppeltriumph

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Happy People: Die grüne Armee um Rea-Haslam, denen der Sieg erst im Nachhinein zugesprochen wurde, völlig zu Recht nach dem Sturz im letzten Umlauf auf der Ölspur der SERT-Suzuki, nachdem die Rennleitung es versäumt hatte, sofort per roter Flagge abzubrechen oder zumindest das Pace-Car rauszuschicken.

Nach superspannendem Kampf der drei Werksteams von Honda, Yamaha und Kawasaki über die gesamte Renndistanz, bei der jeder zwischendurch Führungsarbeit leistete, wirbelten die letzten 5 Minuten beim Suzuka 8H-Rennen alles durcheinander. Auf der Ölspur der SERT-Suzuki, die kurz vor Schluss geplatzt war, rutschte der mit 20 Sekunden führende Jonathan Rea in der letzten Runde vor der Zielflagge aus. Danach wurde per roter Flagge abgebrochen und Yamahas Factory Team mit Nakasuga/Lowes/vd Mark zunächst zum Sieger erklärt, vor der Red Bull Honda, pilotiert von Takahashi/Bradl (die dritte Kraft Kiyonari kam bei Rennen nicht zum Einsatz). 

Die S-Pulse Dream Suzuki führte nach einem Blitzstart das Feld in die erste Kurve.

Weil im Endurance-Sport im Regelwerk nicht verankert ist, dass ein Bike nach einem Abbruch per roter Flagge binnen 5 Minuten das Ziel zu erreichen hat, wurde das Ergebnis später korrigiert und Kawasaki mit Rea/Haslam (Razgatlioglu kam als dritter Fahrer wie Kiyonari nicht zum Einsatz) zum Sieger erklärt, indem der Stand der Runde vor dem Abbruch herangezogen wurde, bei dem die Kawasaki unter Rea in Führung lag. Damit rutschte die babyblaue Factory-Yamaha auf Platz 2 und die Red Bull Honda auf P3.

Nachtflieger Stefan Bradl, Dritter beim ersten Suzuka-Einsatz und ersten Endurance-Rennen überhaupt: »Ich bin überwältigt. Es war ein Wahnsinns-Rennen, unglaublich spannend bis zum Schluss. Ich hätte das nicht so erwartet. Bis zum letzten Stint war alles offen. Letztendlich wurde das Rennen erst in den letzten Minuten entschieden. Kurz vor dem Start mussten wir alles ändern, da Ryuichi Kyonari wegen Nackenproblemen nicht fahren konnte. Wir waren also gezwungen, die Distanz auf Takumi Takahashi und mich aufzuteilen.«

Die WM-Wertung der jahresübergreifenden Saison 2018/19 ging ebenfalls an Kawasaki, an das SRC-Team mit Nigon/D.Checa/Guarnoni, denen Rang 12 zum Titelgewinn reichte, nachdem die SERT-Suzuki punktelos blieb und der 4. Rang von Titelverteidiger FCC TSR Honda nicht genügend WM-Punkte einbrachte, um die SRC-Truppe noch zu überflügeln.

Platz 7 für Dominique Aegerter auf der Musashi Harc Pro Honda Fireblade, trotz 90 Sekunden-Penalty gleich zu Beginn.

Das erste europäische Team, YART Yamaha mit Parkes/Fritz/Canepa belegte den 6. Platz vor Musashi RT Harc-Pro Honda (Aegerter/Mizuno/Forés), die mit einer 90 Sekunden-Penalty ins Rennen gehen mussten, wegen einer falschen Reifenmarkierung im Training.

Ein Team ohne Race-Queens ist in Japan kein Rennteam.

Fazit: Verrücktes Rennen, irres Saisonfinale, Dramatik bis zur letzten Sekunde und darüber hinaus. Die 42. Ausgabe der 8 Stunden von Suzuka zog trotz eines Taifun-Unwetters am Samstag insgesamt 109.000 Zuschauer an, darunter 65.500 am Sonntag. Alles weitere im nachfolgenden Bilderbogen, der Ergebniskasten folgt unten nach dem Runterscrollen: 

Kampf von A bis Z: Die Top Drei (Honda-Yamaha-Kawasaki) verloren einander nie aus dem Blick. Ab und zu wechselte die Führung, aber richtig abseilen konnte sich keiner.
Irres Foto von Michael vd Mark aus dem teils verregneten Training. Im Rennen nieselte es ebenfalls kurz vor Schluss. Bemerkenswert sportlich auch die Aussage des Holländers im TV nach dem Zieldurchfahrt, der die Glückwünsche zum vermeintlich fünften Yamaha-Sieg in Folge relativierte, stattdessen Reas Sturz bedauerte und umriss, dass nicht sein Team, sondern die Grünen den Sieg eigentlich verdient hätten.
Am Samstag fiel das spektakuläre Superpole-Einzelzeitfahren der 10 Schnellsten dem Regenwetter zum Opfer und es blieb bei der Startaufstellung nach dem Qualifying: Factory Yamaha vor Werks-Kawa und der Top-HRC-Fireblade plus 7 weitere Schnelle.
Jonathan Rea, der zum Schluss einen Doppelturn absolvierte, zog ein schwindelerregendes Tempo durch. Sein Vorsprung in der letzten Runde vor dem Sturz auf der Ölspur betrug 20 Sekunden. Rea: »I cannot believe what is happening really. From being dejected and feeling that everything was out of our hands, I had already gone back to the hotel, said goodbye to all the guys, with lots of tears. I was in the restaurant already, ordering dinner, when my mechanic Uri called me and said, ‘Hey, are you sitting down?’ I thought he was going to ask me to go to another restaurant – but he then told me we had won the 8 Hours. I think common sense prevailed in that one. I have no words because I am really emotional and happy. The strategy was to work on fuel consumption and race consistency and make no mistakes. I feel we executed that quite well although I got quite tired and cramped at the end. But we prepared the best way possible with the limited time we had. During the race it is like hell, the hardest race you can ever imagine, but getting a result like this almost makes me want to come back for more. The emotional roller coaster is unreal.”
Das Aus ereilte die SERT-Suzuki nur 5 Minuten vor Schluss. Bis dahin gehörte den WM-Titel den Blauen und es wäre Endurance-Titel Nr. 16 gewesen!
Bunte Perlenkette: FCC-TSR-Honda, die Yoshi-Suzi, Haslam-Kawa, Nakasuga-R1 und Takahashi auf der HRC-Fireblade.
Kannste noch? Jonathan Rea im Downcoolbecken und der Teamchef beim Unterbreiten eines schnuckeligen Doppelturns….
Omega Maco-Yamaha (#14/Platz 20), Honda Suzuka Racing Team (#25/Platz 19), die Bolliger-Kawa (P 15). Die #96, Team Frontier Honda, landete auf P17.
Platz 4 nach fehlerfreier Fahrt war nicht genug: Das FCC-TSR Honda France Team mit Hook-Foray-di Meglio konnte die Startnummer 1 nicht gegen die SRC-Kawasaki verteidigen. Hinten Marvin Fritz auf der YART-Yamaha, der die Zielflagge auf P6 erreichte.
Nach Startplatz 31: Starker 15. Rang für das Bolliger-Team mit Walraven/Buchan/Deguchi.
In der Box der Red Bull Werks-Honda. Stefan Bradl: »Ich freue mich über das Podium bei meiner Premiere hier. Es war eine Wahnsinns-Erfahrung.. Im Nachhinein war die Strategie zum Schluss vielleicht nicht ganz die Richtige. Wie auch immer, wir waren sehr konkurrenzfähig und haben um den Sieg gekämpft.« Ganz links im Bild Klaus Nöhles, Ex-Racer und Crew-Chief von Stefan Bradl im MotoGP-Testteam von HRC.
Dreikampf: Die Honda Racing-Fireblade landete nach Sturz von Hernandez auf Platz 13, die Musashi Harc Pro Honda auf P7 und die Sakurai Dream-Honda #72 auf P10.
Au revoir: SERT Teamchef Dominique Meliand geht nach 40 Jahren Endurance-Racing in den Ruhestand, jetzt aber wirklich.

Fotos: FIM EWC Media, Honda, Yamaha, Kawasaki, Suzuki

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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