Kawasakis Suzuka-8H ZX-10RR

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#10: Die offizielle ZX-10RR des »Kawasaki Racing Teams Suzuka 8H«

Kawasaki betreibt zum Glück keine Geheimniskrämerei um die ZX-10RR, mit der Jonathan Rea, Leon Haslam und Toprak Razgatlioglu beim 8H-Klassiker in Suzuka antreten. Hier die wichtigsten Änderungen und technischen Unterschiede zwischen einem WM-Superbike und der Maschine des offiziellen »Kawasaki Racing Team Suzuka 8H« für 2019.

Suzuka ist das längste Sprintrennen der Welt und das intensivste Langstreckenrennen, das man sich vorstellen kann. Gefahren wird volles Rohr, bei brutaler Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, die Umstände im Glutofen auf der anspruchsvollen Piste saugen die Fahrer regelrecht aus.

Dash und frei programmierbare Magneti Marelli-Elektronik (wie früher in der MotoGP).

Superbike-WM und Langstrecken-WM haben einige technische Vorschriften gemeinsam. Die Motorspezifikation beim Suzuka 8H ist nahezu identisch mit der der Superbike-WM-Maschine, selbst in Bezug auf die wichtigsten Motorteile und -komponenten. 

Wichtig für die Leistung ist vor allem das Mapping, welches Zündzeitpunkt, Kraftstoff- und Luftmenge bestimmt, damit der Motor möglichst optimal funktioniert. Je magerer das Kraftstoff-Luft-Gemisch, desto mehr Leistung wird erzeugt und desto aggressiver reagiert der Motor aufs Gas. Eine Suzuka 8-Stunden-Maschine kann im Prinzip die gleiche Leistung wie das WorldSBK-Bike erbringen. Welches Mapping Anwendung findet, hängt von der allgemeinen Rennstrategie des Teams über die 8-Stunden-Distanz ab, die nach den Trainings- und Qualidaten festgelegt wird.

Natürlich sind die Kühler speziell und riesig – wie der Superbike-WM.

Das Motorkühlsystem funktioniert trotz den irren Umgebungstemperaturen so gut, dass dass keine Änderungen vorgenommen werden. Keine Doppelkühler, keine zusätzlichen Ölkühler – das normale SBK-Setup ist raffiniert genug und in der Lage, damit umzugehen.

Ein wesentlicher Unterschied besteht im Getriebe. Die technischen Vorschriften in Suzuka sehen ein „freies“ Getriebe vor, anstatt eines vordefinierten Satzes, den die Teams die Saison über in der SBK-WM verwenden müssen. Diese Freiheit wird mit einem speziellen abgestimmten Getriebe natürlich voll ausgeschöpft. Der erste (und besonders lange) Gang wird übrigens dreimal auf jeder 5,821 km langen Runde eingelegt.

Rea, Haslam und Razgatlioglu sind unterschiedlich groß. Toprak ist ein langer Lulatsch, Leon einen halben Kopf kürzer, Jonathan liegt dazwischen. Bis auf den Anstellwinkel des Handbremshebels (für Toprak) wurde einvernehmlich eine Kompromiß-Sitzposition ausgetüftelt, mit der alle klar kommen und leben können. 

Statt auf Pirellis wie in der WM rollt die grüne Rakete auf Bridgestone-Pneus, die in Suzuka bekanntlich besonders machtvoll funktionieren und deshalb von allen Werksteams aufgezogen werden. Trotz der unterschiedlicher Reifenkonstruktionen und -eigenschaften sind Gabel, Stoßdämpfer und Umlenkhebel dieselben wie bei Superbike-WM.

Bei den Boxenstopps werden immer Vorder und Hinterradreifen gleichzeitig gewechselt. Gabel und Schwinge sind dafür mit speziellen Schnellwechselvorrichtungen versehen. 

An den WM-Superbikes sind die Scheinwerfer nur Aufkleber. Der Suzuka-Renner verfügt über kleine Xenon-Frontscheinwerfer und LED-Rücklichter. Der Kabelbaum ist mehrteilig aufgebaut, um partiellen Austausch nach Stürzen zu beschleunigen, die Position des Steuergeräts bleibt jedoch unverändert. Lichtmaschine und Batterie sind Standard wie in der SBK da der Motor des 8-Stunden-Rennens auf Knopfdruck starten muss.

Der Tank für Suzuka wurde auf 24 Litern vergrößert und mit Schnelltankstutzen versehen. Kraftstoff fließt durch einen Schlauch hinein, wenn es aus dem anderen durchsichtigen Schlauch austritt, ist der Tank vollständig gefüllt. Ein Satz Bremsbeläge hält über die 8H-Distanz, ist jedoch härter als üblich sind und auch dicker. Auch die Bremssättel sind andere und mit Schnellwechsel-Leitungen versehen. 

Gabel/Brems-Technik auf die appetitliche Art.

Inzwischen sind die zweitägigen Vor-Testfahrten erledigt (Zeitenliste siehe unten), die Werks-Kawa rangiert am 5. Platz. Zuerst hielt die Red Bull Werks-Honda die Nase vorne, dann die FCC-TSR Honda France-Honda, zuletzt die Factory R1-Yamaha in Lila-Blau (Lowes nennt es »Baby-Blau«}.

Am Freitag geht es weiter mit freiem und gezeitetem Training sowie dem Nachttraining, am Samstag folgt das Einzelzeitfahren der Top Ten, bei dem die finalen Startplätze ausgefahren werden. Die 42. Auflage des Suzuka 8H wird am Sonntag um 11.30 Uhr (Ortszeit) auf die Reise geschickt.

Die Stimmen der drei grünen Fahrer im O-Ton:

Jonathan Rea: “We have had a positive two days of testing in preparation for race weekend. We feel quite good with the bike and yesterday we confirmed the base setting. Then we changed something today that slightly changed that feeling. This is probably the best I have felt with the bike but you can always improve. All three riders are working together to give us a good bike for the race, making step-by-step changes. I am excited about the race because there is a lot of support here for the team and riders. We have a day of official practice tomorrow and we intend to take a good result from it.”
 
Leon Haslam: “We have finished our second day of testing and it stayed dry again, which was quite positive. We have been working on our rhythm and we also got to do some simulations with the fuelling procedure. Overall it has been a good test. There are a lot of other riders on track to overtake, which you have to get used to for raceday. It was all pretty consistent and our team is looking strong. There are some little areas we want to improve in but so far, so good. Let’s see what the weather does for tomorrow.”
 
Toprak Razgatlioglu: “I felt good about this test because at the previous Suzuka test in June I experienced some chattering, but not this time. The Bridgestone tyres feel different, a bit harder, than the Pirelli tyres we use in WorldSBK and now I have a better feeling with them. The lap times are coming good and we always ride with worn tyres because the last few laps of each session are very important. We are fast and now I feel some stress because I cannot wait for the race! It has been my dream to ride in the Suzuka 8 Hours and I feel like I am in a dream team with Johnny and Leon. It has been an incredible few days here and I am more than ready for the race weekend.”

Fotos: Kawasaki

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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