Vorab-Check: Elektro-Harley LiveWire

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Elektrisierend? Harley-Davidson LiveWire. Die Farbe heisst Orange Fuse.

Der Salatprynz fliegt am Freitag nach Amerika, um Harley-Davidsons Elektromotorrad LiveWire zu fahren. In Portland im Bundesstatt Oregon, einen Tag lang, am Sonntag. Ob das Erlebnis elektrisierend verläuft? Gute Frage mit offener Antwort. Vielleicht ja, vielleicht nein. Maybe irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall wird es mega-interessant. Weil alles neu und anders ist. Harleys erstes Eisen ohne Big-Twin, ohne Potato-Potato, ohne Benzin im Bauch, ohne Kolben und Auspuff, dafür mit Batterie. Was grundsätzlich positiv ist, weil: Wenn man gerne neugierig ist, kann einem schwerlich Besseres passieren, als komplett Unbekanntes zu entdecken und auszuprobieren.

Ist das Bike emotional dürr bis aseptisch? Wird das wenigstens ein wenig vibrieren oder Hitze verströmen? Wie fährt es sich ohne Sound? Surrt das so unscheinbar wie ein E-Scooter oder so kirre wie bei Batmans BatPod-Motorrad, welches in »The dark Knight« durch die City flitzt? Ich habe einmal Stuntman Jean-Pierre Goy kennengelernt, der dieses elektrobetriebene Gefährt bei den Filmaufnahmen steuerte und mir brühwarm erzählte, wie unglaublich schwierig das Kino-Vehikel zu lenken war (wegen des abenteuerlichen Fahrwerks, nicht wegen des Antriebs, klar). Aber das nur am Rande. 

Ob ich jemals ein E-Bike gefahren bin? Nein. Einziges E-Vehikel bisher war ein Autoscooter auf der Kirmes. MZ´s Charly kann man ja wohl nicht mitzählen. Ich bin also ehrlich gespannt. Erstens generell auf das elektrische Fahren. Zweitens auf die Stille. Harley dichtet auf seiner Website »Das Lauteste, was sie hören werden, ist ihr Herzrasen.« Und drittens klingt auch die Beschleunigung vielversprechend. »Von Null auf 100 km/h in 3 Sekunden« wird grobmaschig umrissen. Hoffentlich gibt´s dort keine Radarkästen, die wie bei uns inzwischen überall lauern oder grimmige Police-Officer im Gebüsch neben den Straßen, wenn wir lautlos Oregon durchzippen.

Was es vorab noch Wissenswertes zu erzählen gibt?

Die Harley-Davidson LiveWire kostet 32.995 Euro in Deutschland (33.390 Euro in Austria), die Vororderphase läuft bereits und die Ausliefer­ung soll im Herbst 2019 beginnen. Die Entwicklung der Maschine zog sich über 10 Jahre hin.

Fast schlanke Frontansicht.

Die LiveWire kommt ohne Kupplung und Getriebe aus. Das bedeutet: Gas geben und kein Schalten. Einfache Bedienung also wie beim Rollerfahren. Die Batterie besteht aus Lithium-Ionen-Zellen, die von einem gerippten Aluminiumgehäuse umgeben sind. Der Elektromotor ist unter der Batterie positioniert, was die Schwerpunktlage mitbestimmt. Der Antriebsstrang »H-D Revelation« soll ein ziemlich gewaltiges Drehmoment von der ersten Radumdrehung an und dynamisch imposante Beschleunigung bieten. Aufgezogen sind vorne 120er und hinten 180er Reifendimensionen, Erstausrüster ist Michelin, der (bei uns unbekannte) Sportreifen hat die Bezeichnung »Scorcher«.  

Bis hinters Komma genau soll die LiveWire in 3 Sekunden von 0 auf 60 mph (96,56 km/h) beschleunigen, der Durchzug von 60 mph (96,56 km/h) auf 80 mph (128,75 km/h) in 1,9 Sekunden erledigt sein. HD kommuniziert auch: Fahrer werden die Bremswirkung bei der Rekuperation zu schätzen wissen, die die Batterie nachlädt. Die Batterie ermöglicht eine Reichweite von 140 Meilen (225 km) in der Stadt oder 88 Meilen (142 km) im kombinierten Stop-and-Go-Highway-Zyklus.

Der Rahmen ist aus Aluminiumguss. Upside-Down-Gabel und Monoshock-Federbein von Showa sind voll einstellbar. Für die Verzögerung des E-Eisens sind Brembo Monoblocksättel zuständig. Dazu gibt es Kurven-ABS, Traktionskontrolle und eine Launch Control an Bord. Im Cockpit glänzt ein TFT-Display, die Elektronik verfügt über modernste Sechsachsen-Bewegungs- (IMU) und ABS-Sensorik.

Hier muss der Saft rein.

Der Ladevorgang kann mit einem in die Maschine integrierten Level-1-Ladegerät erfolgen, über ein unter dem Sitz befindliches Netzkabel an einer Haussteckdose. Damit nimmt der Akku in einer Stunde Strom für rund 20 km auf. So kann die LiveWire über Nacht also vollständig geladen werden. Alternativ kann über einen CCS2-IEC-Typ-2-Ladestecker (USA: SAE-J1772-Stecker) geladen werden, für Level-2-, Level-3- oder DC-Fast-Charge (DCFC)-Ladevorgänge. Harley-Händler, die die LiveWire verkaufen, werden eine öffentlich zugängliche Schnell-Ladestation aufstellen. Damit lässt sich der Akku in 40 Minuten zu 80 Prozent bzw. in 60 Minuten auf 100 Prozent füllen, jeweils von Null ab.

Für eine Harley ist der Auftritt eher uncruisig.

Die LiveWire ist mit H-D Connect ausgestattet, das über das Mobilfunknetz Konnektivität und Cloud-Services mittels einer Harley-Davidson App bietet. Damit stehen dem Fahrer übers Smartphone diverse Infos zur Verfügung: Ladezustand der Batterie, verfügbare Reichweite, der Standort der nächsten Ladesäule, beim Laden die Zeit bis zur vollständigen Ladung, der Standort der geparkten Maschine über GPS-gestützte Ortung, Erinnerungen an Service-Termine usw.. Sollten Unbefugte am Bike herumfingern oder es bewegen, erhält der Eigner am Handy ebenfalls einen entsprechenden Hinweis.

So weit der erste Vorab-Check. Alles Weitere über die spannungsgeladene (sic!) Jungfernfahrt mit Harleys E-Eisen in den USA dann in Kürze hier auf Gasgriffsalat.com.

Abschließend noch ein erleuchtendes Video über die Entstehung:

Fotos und Videos: HD

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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