CB1300-Jahrestreffen in Bebra

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Hier muss irgendwo ein CB-Nest sein.

Kann man sein Motorrad eigentlich beleidigen? Mein Blick fiel auf das Bordwerkzeug, das in der Garage abgelegt ist, seit die Plastiktülle dafür ein Loch aufweist. So klebte ich ein Stück Panzertape über die Öffnung, um zu verhindern, dass da etwas herausfällt und stopfte das unter die Sitzbank, bevor ich den 200 km-Hopser nach Bebra zum Jahrestreffen des CB1300 Forums in Bebra in Angriff nahm. »Das ist für die anderen….«, sagte ich laut zu meiner 13, war mir aber nicht sicher, ob der dezente Hinweis auf ein paar zu erwartende Fremdfabrikatsfahrer nicht vielleicht in den falschen Ansaughals geraten könnte.

Akute Verwechslungsgefahr und fast ein Bilder-Suchspiel.

Ein Stück vor Bebra schnupfte mich eine anreisende Gruppe auf, angeführt von Uko auf seinem Doppel-X-Gespann. Hinter dem Bremer Nordlicht erspähte ich den blonden Zopf von Ute, den Airbusianer Michael plus Schwager Dieter, Carsten samt Gattin vom Rheinland-Pfalz-Stammtisch und noch ein paar Leute.

Am Hotel bevölkerten noch andere Motorradfahrer die Lokalität. Als alle Event-Teilnehmer eingetrudelt waren, zählten zum CB1300 Forum grob überschlagen 35 Bikes, davon rund ein Drittel auf Fremdfabrikaten und knapp 50 Personen. Ja, es gab schon CB-Jahrestreffen mit doppelt soviel Teilnehmern; anderseits wird das Modell seit 7 Jahren nicht mehr verkauft, deswegen ist wenig erstaunlich, wenn manche umsteigen und auch mal Schwund zu verzeichnen ist. Auch wenn einige Forums-Gesichter fehlten, drängte sich aber nicht der Eindruck auf, sich ums Aussterben des Forums www.cb1300-forum.de gleich Sorgen machen zu müssen.

Keine CB1000 Big One vor Ort, sniff. Aber immerhin diese eine CB1300 aka SC40.

Nach der abendlichen Schlacht am Buffet wurde erfolgreich der Getränkebestand reduziert, weil angeregtes Quasseln bekanntlich nur mit angefeuchteten Kehlen funktioniert. Früher stellten sich die Guides für das Ausfahren am nächsten Tag noch richtig ordentlich vor. »Ich bin der Honk aus Dingsda, pflücke gerne Blümchen, fahre von hier nach da und wieder zurück.« Diesmal lagen zur Gruppenbildung auf einem Tisch lediglich Zettel aus. Ich trug mich bei Ralf aka Zausel ein. Knüllwald, Fahrstil normal, etwa 160 km und Rückkehr am frühen Nachmittag wegen der Hitze. Das klang nach einem Plan. 

130.000 km und nur einmal ne Birne gewechselt: Grizzly mit seiner CB.

Am nächsten Morgen wurde an Stefans neuer Speed Queen ein Nagel im Hinterreifen entdeckt. Große Aufregung. Dann konnte Grizzly, ein Holzwurm aus Köln, nicht bei uns abfahren wie geplant. Also rollten wir schließlich in einer 6er Gruppe los. Ralph vorne weg, dann Rainagain und Duschonwieder auf einer verkleideten Pommes, verfolgt von Caschi und Regine auf einer blauen Nackten, meinem Silberfisch, Michael CB1300 auf seiner Tracer-Stimmgabel und Harald mit seiner 2007er CB1300 in Schwarz.

Knüllwald-Gruppe (von links) : Harald, Caschi mit Gattin Regine, Duschonwieder, Rainagain, Guide Zausel aka Ralph und MichaelCB1300.

Die Knüllwald-Tour war ein Genuss. Ralph strömte vorne weg, über kurvenreiche Straßen in schönster Bilderbuch-Landschaft, wir gurgelten hinterher. Unter blauem Himmel und bei warmen Temperaturen, aber in den Waldpartien überwog frische, kühle Luft, zumindest die ersten Stunden. Es gab kaum Verkehr, das Fahren war beschwingt entspannt, vor meinem Auge tanzten zwei CB-Hecks mit dem besten LED-Doppelrund-Rücklicht der Welt von Kurve zu Kurve. Dazu hatte die blaue Nackte praktisch die gleiche Shark-Tröte wie ich montiert, also konnte ich dem tiefen Brooo gleich doppelt lauschen, einmal dem eigenen und dem von vorne.

Eine Kaffeepause in Alheim, draussen am Trottoir bei einem Bäcker, eröffnete ungeahnte Torten-Angebote, die auszuschlagen nicht leicht fiel. Bei der Mittagspause in einem Ausflugslokal namens Meißnerhaus im Grünen auf 660 Meter Höhe in schönster Landschaft mit superber Aussicht reichte ein leichter Imbiss (Bockwurst; Spagetti Bolognese etc.). Die letzten 50 Kilometer zurück ins Hotel eher früh am Nachmittag anzugehen, war eine geniale Idee, weil die Temperaturen inzwischen bereits in Glutofen-Regionen angestiegen waren. 

Einfach großartig, der Knüllwald.

Rund um Küchen (die Ortschaft hiess wirklich so) baute Ralph ein paar seiner legendären TomTom-Pirouetten in die am Rechner ausgetüftelte Routenführung ein. Eine Straße endete im Nichts und eine Sackgasse im Wald, einmal hatten wir Schotter unter den Rädern, dann wurden noch ein paar Baustellen erfolgreich umschifft. Unterm Strich befuhren wir eine tolle Strecke, kurzweilig und interessant und ausgefuchst, alles passte, der beschwingte Rhythmus sowieso, deshalb ein fettes Danke an Ralph aka Zausel, unseren Superguide.


Nicht jetzt! Ralph, unser Superguide.

Zurück im Hotel erzählte Stefan (»Heute ist anscheinend mein Glückstag«), dass er für seinem Plattfuß in Bebra einen Kawasaki-Händler gefunden hatte, der ihm einen gebrauchten, älteren Michelin Road in passender Größe für den Übergang und zum Nachhausefahren geschenkt hatte, nur die Montage musste er bezahlen. Später gab es an einer kniffligen Kreuzung mit abknickender Vorfahrtstrasse irgendein Mißverständnis mit einem Automobilisten, jedenfalls wurde eine Kollision nur knapp vermieden.

Nein! Doch! Echt? Ein Sympathisant!

Auch Guide Holly erzählte von glimpflich überstandenen Abenteuern mit Dosenlenkern. Der Erste kam auf einer Rollsplitt-Straße zu forsch entgegen und hätte auf der Bremse rutschend fast die ganze Gruppe aufs Horn genommen. Der Zweite kam von hinten und hätte beinahe wie beim Kegeln schwungvoll alle abgeräumt. Aber zum Glück ging alles gut, wie eigentlich immer bei CB1300-Jahrestreffen. Am Nachmittag und zum Nachtessen gab es viel zu erzählen bis in die Nacht und am nächsten Tag ging es für alle wieder nach Hause.

Dunkle Bikes look better in shape, zumindest wenn das Licht passt..
Alt, aber gut, so ähnlich wie bei den dicken CB´s.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

2 Kommentare

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    Feiner Bericht Gerhard! Dankeschön dafür – es ist immer eine Freude Dich zu lesen!
    TSFG Carsten

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