CSBK #66 Marc Imroth, GPz-Kawasaki

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Die Faszination der CSBK-Eisen, Teil 5: #66 Kawasaki GPz 1100 von Marc Imroth 

Schwungvolle Linienführung: Tüchtig aufgebohrte 1983er GPz 1100 UT.

Rote Motorräder sind besonders anziehend; weil das auch im CSBK-Paddock gilt, lande ich also wie magnetisch angezogen vor der wunderbaren GPz 1100 von Marc Imroth.

»Ausgangsbasis waren eigentlich zwei Motorräder«, erzählt der stämmige Racer aus der Nähe von Wolfsburg. »Das eine wurde bei ebay für 870 Euro ersteigert, das war die Basis für das, was hier jetzt steht. Das zweite habe ich aus einem Schweinestall gezogen, da war ein Motor drin, der hatte nur 12.ooo Kilometer runter, weil für ordentliches Tuning braucht man schon Kurbelwellen, die möglichst wenig runter haben.«

Power-Starter Marc Imroth: »Am Start fahre ich einfach zwei Reihen vor mir durch und biege in den Top Ten in die erste Kurve ein.«

Imroth, dessen Nickname Mickey Messer lautet, ist seit 3 Jahren in der CSBK unterwegs. »2017 war ich Zweiter in der Endwertung meiner Klasse; letztes Jahr Vierter, war aber nur 3 Rennen dabei. Dieses Jahr greife ich wieder an und fahre die ganze Serie mit allen Läufen.« Das Motorrad mit der schmissigen Tank-Sitzbank-Schwung ist 1983er Baujahr, das sogenannte UT-Modell (Ute zu sagen, passt auch, klar). 

Erzähl mal ein bisschen von den Umbauten, fordere ich Marc Imroth auf, also sprudelt er los: »Der Motor ist aufgebohrt auf 1.378 Kubik, mehr geht nicht. Kolben und Laufbuchsen sind eigene Anfertigungen. Ein Freund von mir führt ein Tuning-Business namens »Fette Mechanik« in Braunschweig. Gemessen haben wir 136 PS Leistung am Hinterrad, und 125 Newtonmeter zwischen 5.000 bis 9.500 Touren, der Drehzahlbegrenzer ist auf 9.800 eingestellt. Damit fahre ich am Start zwischen den zwei Reihen vor mir durch und biege in den Top Ten in die erste Kurve ein.«

»Superstabil, wegen dem langen Radstand, aber trotzdem handlich genug.«

»Das Fahrwerk, also Gabel und Schwinge stammen von einer ZX-10R, Baujahr 2004/05; die Gabelbrücken sind selbstgefräst und 20 mm abgesenkt, damit die Gabellänge passt. Federbein und Schwingen-Umlenkung wurden ebenfalls komplett übernommen und eingeschweisst. Auch die Felgen stammen von einer ZX-10R. Die Verkleidung wurde vorne eigenhändig  zugemacht und erhielt einen zusätzlichen Luftkanal. Viele Kawas sind ja Grün, ich fahre das originale Rot, weil es die 11er GPz nie in Grün gab, nur in Rot und Silber.« 

»Der Lenkkopf ist nicht umgeschweisst, durch das 17 Zoll-Rad kommt das vorne eh schon weiter runter. Wie sich das fährt? Superstabil, wegen dem langen Radstand, aber trotzdem handlich genug. Ein bißchen Arbeit ist das Fahren gewiss, man muss schon immer wuchten; aber das als Panzer zu titulieren wäre übertrieben.« 

Nomen est Omen: Motortuning bei »Fette Mechanik«.

»Die Zündung ist einstellbar und auf Batteriebetrieb umgebaut. Links ist die Lichtmaschine demontiert, aber der Kurbelwellenstumpf belassen, nur ein Deckel drüber gesetzt. Das hat weniger mit einer Sturzbügelfunktion zu tun, sondern mit der Kurbelwelle, die ja ausgewuchtet ist. Einfach den Stumpf wegschneiden ist auch nicht immer gut. Weil die Lagerböcke bei Kawa-Motoren relativ offen sind, ist die Welle zusätzlich über ein Trapez abgestützt. Was das für ein Klötze seitlich am Motorrad sind? Das sind meine Sturzprotektoren, ich mache da gerne lieber mehr als wenig hin.«

»Die Vergaser sind 39er Mikunis, damit schluckt meine Big-Bore-GPz schon tüchtig. In Spa mit den Vollgas-Passagen laufen 1,6 Liter pro Runde durch. Also umgerechnet zwischen 20 bis 25 Liter. Irgendwo muss die Leistung ja herkommen, allerdings geht es bei uns auch immer um die Innenkühlung.« 

Irgendwo muss die Power ja herkommen: »In Spa mit den Vollgas-Passagen laufen 1,6 Liter pro Runde durch. Also umgerechnet zwischen 20 bis 25 Liter.«

Beruflich arbeitet GPz-Treiber Marc Imroth übrigens bei VW in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und baut Prototypen-Motoren auf, in kleinen Gruppen, vom W12 bis zum Vier- oder Dreizylinder. Das passt gut zusammen:  Interessanter Job und cooler CSBK-Renner für die Freizeit!

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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