Feine Donnersberg-Ausfahrt

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On the Road: Hartwig, Lothar und unsere drei Vehikel.

Ein freier Tag, ein Telefonat und schon steht die gemeinsame Ausfahrt fest. Vor einem Jahr war das Café Fahrtwind in der Eifel das Ziel, im Odenwald das Museum von Zweirad Röth sollte es diesmal sein, aber Fronleichnam passte nicht in die Planung des Betreibers; halb so wild, in Kürze im Juli steigt dort in Hammelbach eine Museumsnacht, dann wird das eben vorgemerkt. Also richten wir unsere Nasen gen Nordwesten und düsen von Ingelheim, der weltberühmten Rotweinstadt, in Richtung Donnersberg. In Meisenheim soll das Eis besonders gut schmecken.

Unsere Vehikel sind an Qualität nicht zu übertreffen. Hartwig lenkt seinen Peugeot 200 Citystar-Roller, mit dem er in 4 Jahren bereits über 50.000 km abspulte. Lothar schiebt mir seine 125er MZ Supermoto unter und steigt selbst auf jene Honda CBF125, die er vor geraumer Zeit günstig erworben vor dem Abdecker bewahrte, indem er einen (gebrauchten) neuen Rahmen montierte. Kleine Motorräder sind etwas Feines, wenig Gewicht ist besser als mehr und Hubraum wird generell überbewertet; wer sich auskennt, wird das sofort unterschreiben.

 

Ausgeführt wird der Plan, überwiegend Nebenstraßen unter die Räder zu nehmen. Der Verkehr ist dünn, Kurven gibt´s reichlich, wir haben Spaß. Wir strömen dahin, queren dahindösende Dörfer, das Wetter passt, die Landschaft ist großartig.

Großartige Donnersberg-Natur.

Tempo? Ist relativ. Wir bewegen uns im 10 bis 15 PS Fenster. Heisst: 60-80-100 km/h, darüber wird die Luft schon dünn. Fleißig schalten und Schwung mitnehmen ist angeraten, und wenn ab und zu eine Steigung auftaucht, ist eine Sonderportion Geduld angesagt. Haben wir aber. Das Fahren erinnert ein bißchen an frühere 50er Zeiten, was ja auch schön war. Beim Zwischenstopp meint Lothar, dass er seine Fireblade im Moment gerade nicht vermisst. Unterschreiben fällt leicht; ich meine CB1300 auch nicht.

Unwiderstehlich: Amarena Eisbecher.

In Meisenheim, in der Eisdiele am Dorfplatz, wird ein Eisbecher mit Amarena-Kirschen verputzt. Danach wechseln Lothar und ich die Untersätze. Nach der Dynamik der MZ darf ich die Ausgewogenheit der CBF auskosten. Natürlich fahren beide super. Die MZ ist kerniger, einen Tick stärker und bietet einen Gang mehr zum Sortieren an. Die Sitzbank ist deutlich höher, die Körperhaltung aufrechter. Die Honda ist schlanker, tiefsitziger und der Motor laufruhiger. Angenehmen Viertakt-Charme haben beide Einzylinder zu bieten.

Meisenheim, Stadttor.

Die MZ wirkt erwachsener und biegt mit breiter Stollenbereifung einen Tick sturer um die Ecken. Harmonisches Feeling und leichte Bedienung charakterisieren die Honda, die sich total easy bedienen lässt und wie auf Autopilot um die Ecken biegt. Für beide gilt: Das mühelose Handling gestaltet den Umgang mit den Achtelliter-Leichtgewichten doppelt sympathisch.

Jetzt wird´s schottrig. Kleine Bikes können alles.

Hartwig mit dem Peugeot-Roller ist unser Guide, er ist in der Gegend aufgewachsen und kennt sich aus. So brausen wir dahin durch die Landschaft. Wir kurven aber nicht nur über Asphalt. Ein paar Abstecher über Feldwege und zwischen den Feldern einher gehören auch dazu. Sogar schottrige Abschnitte sind mit dabei. Kleine Motorräder sind patent, können alles und erlauben auch abseits befestigter Wege ein Durchkommen – auch wenn jetzt nicht »Adventure« auf den Tank gepinselt ist.

Ohne Rucksack zieht der Salatprynz nicht los. Und ohne Jethelm auch nicht.

Sollen wir noch einkehren, auf eine Wurst oder eine Pizza? In Obermoschel wäre dazu bei einem Feuerwehrfest Gelegenheit. Wir verwerfen aber den Gedanken. Lieber noch ein bißchen Kurven suchen und Wind um die Nase wehen lassen. Rechts, links, geradeaus. Längst habe ich die Orientierung verloren und irgendwann sind wir wieder zu Hause. 160 Kilometer zeigt der Zähler am Ende an. Benzinverbrauch? Die Tankanzeige steht noch immer auf etwa 95 %. Lothar sagt, die supersparsame CBF hat auf dieser Distanz etwa 3 Liter zu sich genommen, die MZ ein Bierglas mehr. Unsere 125er Ausfahrt war vielleicht nicht superlang, aber schön. Wieder zu Hause kommt ein dickes Gewitter runter. Man muss halt eine Nase haben für das richtige Timing.

Hört, hört. Kleine Motorräder sind patent.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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