CSBK #80 Georg Baierlein, Honda Bol d´Or

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Die Faszination der CSBK-Eisen, Teil 4: #80 Honda Bol d´Or von Georg Baierlein

Georg mit Hubert: »Springt immer an und hält bis ins Ziel, ausser ich packe mich auf den Pinsel.«

Motorräder, denen man ihre – naja – Lebenserfahrung ansieht, sind selten in Fahrerlagern, die meisten sind bunt aufgetakelt und feinmechanisch herausgeputzt, weil schnelle Technik ja auch das Auge erfreuen soll. Die graue Honda Bol d´Or, irgendwie zerrupft und derangiert, sieht selbst für einen Oldie ziemlich alt aus und sticht beim Vorbeischlendern auf dem Weg zum CSBK-Nachbarcamp natürlich ins Auge, also hält man verwundert inne, registriert die Rat-Bike-Sticker, lässt die Augen über Macken und Dellen schweifen und denkt sich im Stillen seinen Teil.

»Das ist Hubert«, sagt eine rauchige Stimme, die zu einem baumgroßen Kerl mit zerzaustem Bart gehört, der plötzlich aus dem Boden gewachsen ist. »Und ich bin der Salatprynz«, antworte ich, wobei mir gleich dämmert, dass ich aus der Nummer jetzt nicht mehr rauskomme. Also schütze ich interessierte Neugier vor und füge hinzu: »Erzähle mir ruhig mehr davon.«

#80, der schwarze Reiter: »Rennt wie ein Biest.«

»Das ist ein 900er Motor, den hat noch der Roland Eckert gemacht, aufgebohrt auf 1062 Kubik, mit Mahle-Laufbuchsen und Kolben dazu. Classic Superbike Racing betreibe ich seit 10 Jahren, vorher habe ich mich bei Enduros und Hillclimbing ausgetobt. An der Honda halte ist fest, weil Hubert eine treue Seele ist. Wir haben jetzt mal den Steuerkettenspanner erneuert, der war gebrochen, dazu noch 1100er Nockenwellen eingebaut, aber ansonsten braucht das übers ganze Wochenende keinen Tropfen Öl. Mehr kann man nicht verlangen. Der Motor hat jetzt 100.000 km gelaufen, 80.000 auf der Straße und seither nur noch Rennen.«

»Hartes Schicksal«, werfe ich ein.

»Nee, der freut sich, das weiss ich. Springt immer an, hält bis ins Ziel, ausser ich packe mich auf den Pinsel. Hubert ist immer durchgefahren bisher, immer.«

»Sogar Stürzbügel sind dran«, stelle ich fest.

»Ja, die sind auch notwendig. Die setzen nicht auf, weil sie hochgesetzt sind, das ist extra so geschweisst und im Falle eines Falles Gold wert.«

»Manchmal schon mühsam – aber wir machen das ja zum Spaß und halten die Flagge hoch.«

Das Fahrwerk ist verstärkt an den üblichen Stellen?

»Klar, alles umgeschweisst bis zum Geht-nicht-mehr. Auch der sonst demontierbare Unterzug. Aber der Lenkkopf ist noch original. Alles ist ansonsten wirklich Vintage: Luftkühlung, PVM 18 Zoll Räder, Zweikolbenbremsen, Rundschiebervergaser, Federbein ohne Ausgleichsbehälter.«

»Leistung?«

»Bei der letzten Messung 116 PS am Rad. Danach kamen die 1100er R-Nockenwellen rein, damit liegen wir bei 120 bis 125 PS, schätze ich mal.«

»Das ist doch gut!«

»Jaja, ich beschwere mich ja auch nicht. Das rennt wie ein Biest. Allerdings hat eine 1100er EF-Suzuki, von denen inzwischen immer mehr mitfahren, serienmäßig schon 120 PS, mit scharfen Nocken 145, und wenn dann noch aufgebohrt wird….; also mit der Bol d´Or ist es manchmal schon mühsam – aber wir machen das ja zum Spaß und halten die Flagge hoch.«

Die Gabel ist nicht mehr Standard?

»Nein, von einer anderen Honda. Die Kastenschwinge ist von einer CB1100F Bol d´Or. Der Krümmer wurde in Belgien geschweisst, extra mit langen geraden Wegen, was gut ist für viel Drehmoment. Deswegen auch die 33er Keihins und die 11er Nocken für ordentlich Schmalz untenrum. Ich fahre gerne schaltfaul. Ab 5.500 Touren zieht das bereits sauber durch, ab 6.000 dann brutal nach vorne. Der Topf ist gekürzt, von einer Suzuki GSX-R 1000.«

Gelochtes Kunstwerk.

Was hat es mit dem Kunstwerk über dem Ritzel auf sich?

»Das ist für die Abnahme. Weil das Ritzel abgedeckt sein muss. Darunter ist eine Gussnase, die hält die Mutter für den Fall, dass der Sicherungsdraht reisst.«

Und warum sieht das Motorrad aus wie es aussieht?

»Das ist kein Ratbike, das sind getragene Wunden. Da (Fingerzeig) bin ich in Spa eingeschlagen, hier (Fingerzeig) in Most und das da (Fingerzeig) passierte zuletzt in Oschersleben. Wenn es zu schlimm wird, wird halt neu lackiert. Aber noch geht es. Ich sage immer – für eine Kurve ist es doch noch gut.«

»Das sind getragene Wunden.«

Heck-Artistry.

Auf der Gabelbrücke, was ist das?

Mit Schnellverschlüssen!

»Das ist die Gabelverlängerung. Extra ein bißchen länger gemacht, damit wir Luft haben, wenn es aufsetzt; die Federbeine sind auch etwas länger. Die Motogadget-Anzeige ist ein Kunstwerk. Dann gibt es noch eine LiPo-Batterie und eine frei programmierbare Zündung. Die Jägermeister-Pulle im Heck dient als Motorentlüftungs-Auffangbehälter. Und die Seitendeckel, schon gesehen?, auch wenn darunter gar nichts ist, haben Schnellverschlüsse – das ist schließlich ein Rennmotorrad.«

Und Du heisst?

»Georg Baierlein, aus Lichtenfels«.

Danke für das Gespräch!

That style!

Fotos: Buenos Dias

Nächste Woche folgt in der Gasgriffsalat-Serie über CSBK-Eisenreiter: Die GPz1100UT von #66, Marc Imroth

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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