CSBK #21 Hans-Werner Borsdorff

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Die Faszination der CSBK-Eisen, Teil 2: #21, Hans-Werner Borsdorff, AMA Legend Kawasaki 

Gluckgluck in aller Seelenruhe: Oktansaft für das Kühlrippen-Superbike.

Die Kawasaki von Hans-Werner Borsdorff steht in Schleiz über Mittag vor dem Wohnmobil im Fahrerlager, leicht zerpflückt nur, Sitzbank runter, Batterielader angeschlossen, die Spritleitung per Schnellverschluss getrennt, aber der Tank ist noch drauf, dito die Reifenwärmer. Die coole Grüne sieht so aus, wie ein Z-Superbike aussehen muss, also grimmig und sauber aufgebaut, mit ein paar schönen Details. Hans-Werner biegt um die Ecke mit einem Benzinkanister, legt hier und da Hand an, und füllt schließlich mit Seelenruhe ein paar Meßbecher Sprit in den Tank, weil der zweite Rennlauf noch bevorsteht.

Zwischendurch sucht der 60-Jährige den Blickkontakt zum interessierten Beobachter: »Wennst was wissen willst, frag´ ruhig.« Ich sage also: »Du könntest auch zu Hause Schach spielen, im Garten den Rasen mähen, irgend etwas Schönes unternehmen. Warum fährst CSBK?«

»Fahre alles, was mir so reinpasst.« Hans-Werner Borsdorff, Kawasaki #21:

»Na ja«, holt er aus, »mit 20 hatte ich eine Z1-Kawa und war öfter mit Thomas Schuler unterwegs, der ja seit ewig auf Rennstrecken herumturnt, früher schon in der Langstrecken-WM. 2011 war ich dann am Lausitzring mit ihm bei der CSBK als Helfer dabei, was mir sehr gefallen hat. Die Z1 bin ich sieben Jahre auf der Straße gefahren, bis zu einem schweren Unfall. Nach drei Jahren Pause bin ich mit einem BMW-Gespann rumgedüst, das war aber nix, Boxer sind nicht meine Welt. Also habe mir dann die GPZ900R geholt, eine der Ersten, aber nach drei Jahren schließlich ganz aufgehört. Nach 20 Jahren Pause fing es 2007 mit der Restaurierung einer 74er 900er Z1 wieder an. Nach dem Lausitzring-Erlebnis 2011 hat es lange in mir rumort, schließlich habe ich allen Mut zusammengefasst und für ein Rennen genannt, um selbst einmal mitzufahren. Inzwischen bin ich seit drei Jahren dabei. In der CSBK, hier und da freie Trainings oder andere Veranstaltungen, was mir so reinpasst.«

Im Rennprogramm ist Hans-Werners Kawa für die AMA Legend-Kategorie als Z 1000 J aufgeführt. Tatsächlich, erzählt er, »ist es ein B2-Rahmen mit dem Unitrak-Motor der GPZ 1100 UT plus Mikuni-Flachschiebervergaser. Die Schwinge entstammt einer ZRX, die Gabel ist überarbeitet von HH-Racetec, also innen alles raus und neues Zeug rein.« Demontiert ist auch die Lichtmaschine. »Das Problem war, man wusste nie genau ob sie lädt oder nicht, deswegen fahre ich jetzt auf Batterie und weiss, woran ich bin.«

Eigentlich ist Thomas Schuler (blauer HJC) schuld, dass das CSBK-Fieber nun auch beim Grünen wütet.

Ich frage, ob es beim Motorrad eine Querverbindung zu Andreas Paasen gibt, den grünsten aller Duisburger, die ich kenne, der etliche Jahre in der CSBK mitmischte, zuletzt nurmehr gelegentlich am Quirl drehte, aber für sich oder andere immer noch das eine oder andere irre Bike hinzaubert. »Neee«, brummt es zurück. »Ich habe das Motorrad selber gebaut. Ich kenne Andreas aber ewig, wir tauschen uns aus und sind gute Freunde. Nur die Startnummer 21 habe ich von ihm übernommen, wenn er wieder fahren will, bekommt er die Nummer zurück, das ist so abgemacht.«

So sieht es aus hinter dem geraden Lenker und der Bikini-Verkleidung.

»Ich will mit dem fahren, was ich geschraubt habe. Natürlich kann man das auch weggeben, wenn man viel Geld hat, aber das will ich nicht. Wenn es wirklich knifflig wird, lasse ich das erledigen, Ventil-Steuerzeiten ändern zum Beispiel. Aber grundsätzlich versuche ich, das Meiste von dem zu erledigen, was ich selber machen kann.«

Eddie Lawson´s urgrüne #21 ist quasi nur ausgeliehen aus Duisburg.

Für die Straße hat der Späteinsteiger übrigens ein ähnliches Kawa-Superbike nochmal in der Garage stehen, neben inzwischen zwei restaurierten 1974er Z1-Youngtimern, eine in Grün und eine in Braun. »Die sind aufgebaut wie meine erste Z1 damals und werden mit roter Nummer bewegt, für Veranstaltungen und Treffen oder für Einstellfahrten über Land.« Hans-Werner stammt aus der Nähe von Trossingen, zwischen Tuttlingen und Villingen-Schwenningen und betreibt eine Firma für Verpackungen und Werbemittel, alles aus Karton und Wellpappe. In Spa bei den Bikers Days will er im Juli auch wieder antreten, weil das Event etwas Besonderes ist. Und weil der Fahrspass mit den alten Kühlrippen-Eisen ihn ganz offensichtlich nicht mehr loslässt.

 

Fotos: Buenos Dias. Diese und weitere Classic-Superbike-Aufnahmen aus Schleiz sind auch in Rennfotoarchiv.de eingestellt und online käuflich zu erwerben.

Nächste Woche folgt in der Gasgriffsalat-Serie über CSBK-Eisenreiter: Die superbe V4 Bakker Honda FWS Replica aka »Freddie Spencers Daytona-Walfisch« von Andreas Peck und Technikus Henry.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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