Classic Superbikes in Schleiz

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Sieht gut gefüllt aus, dennoch wären mehr CSBK-Reiter gerne gesehen.

Schleiz, die zweite Station im Kalender der IG Classic Superbike (aka CSBK) nach Oschersleben (Link zum Insider-Bericht von #108), war eingebettet in ein Moto Trophy-Event und eine runde Sache, die Strecke lässt eh alle Aktiven wie beseelt umherlaufen, das Fahrerlager ist von der gemütlicheren Sorte, jedenfalls wo Gras wächst, und auch das Wetter spielte mit. Racing in Schleiz geht mehr unter die Haut als anderswo, speziell mit den alten Eisen, die Tradition quillt dann noch mehr aus allen Gemäuern, überzuckert mit sportlichem Enthusiasmus aller, die dazu beitragen, das alles läuft wie es soll.

Schöne Gefechte in beiden Rennen: Thomas »Ruckifumi« Ruckriegel gegen Dirk Schnieders.

Ich habe vor 10 Jahren erstmals ein CSBK-Rennen besucht, ebenfalls in Schleiz. Einige von damals sind weiter mit von der Partie. Jörg Rohde etwa, damals Bol d´Or-Honda, steuerte jetzt eine Suzuki Katana (er hat aber dazu noch etliche Bikes anderer Marken, die wechselweise ausgeführt werden). Andreas Peck lenkte 2009 die Ex-Meyer-Endurance-Bakker-Honda, und heuer nach diversen Zwischenlösungen eine superbe V4-Eigenbau Replica jener FWS-Honda (aka RS1000RW), die 1982 zuerst reifenshreddernd in Daytona lief (mit Freddie Spencer/Mike Baldwin) und dann in der F1-US-Championship unter Baldwin und Steve Wise.

Das Bild täuscht, Puls und Herz kurz vorm roten Bereich.

Es fällt leicht, Classic Superbikes gut zu finden, immer noch. Alt können die ohnehin nicht mehr werden, weil sie sind es ja schon. Interessant ist die Technik trotzdem oder gerade deswegen, weil der Phantasie beim Optimieren kaum Grenzen gesetzt sind, es gibt also viel zu entdecken, egal wohin man blickt. In den drei Klassen Open Extreme, Vintage und AMA Legends sind längst zu luftgekühlten Vierzylindern auch wasserkühlte Modelle wie FZ-Yamaha, VF-Honda und diverse alte Gixxer zulässig. Die Vielfalt könnte sogar noch größer sein, denn inzwischen dürfen als sogenannte Neo-Classics auch Basisfahrzeuge wie Suzuki Bandit und Inazuma, Honda CB1000 Big One und CB1300 (SC40 mit Vergasern), Yamaha XJR 1200/1300 oder Kawasaki Zephyr oder ZRX 1100/1200 eingesetzt werden.

41: Edgar Böntrup. 105: Heiko Schlünz aka Rase Hase. 68: Ruckriegel. 33: Schnieders. 39: Holger Jansen. Gelbe GSX: Luc Liebis. 79: Jörg Rohde.

Das erste CSBK-Rennen am Sonntagmorgen gewann Dirk Schnieders, Routinier und Vollgastier erster Klasse, mit seiner »Franz-Josef«-Yamaha. Weil er hinten einen neuen Reifen montiert hatte, liess er es die ersten zwei Runden in Rechtskurven, die es in Schleiz weniger gibt, etwas piano angehen. Dann seilte er sich von Thomas Ruckriegel ab, der seinen riesig anmutenden XS-Brummer ziemlich schmerzfrei um die Ecken prügelte. Am Samstag bekam ich noch mit, wie Dirk am zerlegten Gasgriff herumhantierte, Gaszüge austauschte und allerlei Tricks probierte. »Da hast aber einen schönen Gasgriffsalat«, konnte ich mir nicht verkneifen. Am Ende steckte irgendwo eine Schraube verquer, danach funktionierte der Mischer wieder wie gewünscht.

Jan Reimann hatte Glück im Unglück.

GSX 1100-Reiter Jan Reimann, einer der Jüngsten, erwischte eine Bodenwelle in Turn 1, wurde rausgetragen und fuhr mit Schmackes in die Ballen am Streckenrand. Ein Wunder, dass ihm nix passierte dabei. Auch die Suzuki sah, gemessen am Knall beim Einschlag, eher zart ramponiert aus. Erstaunlich, was alte Eisen so alles aushalten….

Zweimal Dritter: Holger Jansen, ZXR-Kawa.

Der zweite CSBK-Lauf wurde per roter Flagge abgebrochen, weil ein Grüner sich in der Links nach dem ersten Bergabstück verschätzte und beim Zurückfahren auf die Piste einen Highsider produzierte, worauf der nachfolgende Marc Imroth auf der schönen UT-GPZ 1100 in die Wiese ausweichen musste, um den Bruchpiloten nicht zu überfahren. Eher seltsam: Sieben Fahrer wurden nach dem Abbruch-Durcheinander ins Paddock rückgeführt, nur diejenigen 16, die in die Boxengasse abgebogen waren, durften sich zum Restart aufstellen. Am Ende hatte wieder Dirk Schieders vor »Ruckifumi« auf der grünen XS die Nase vorne, den dritten Podestplatz eroberte wie im ersten Durchgang ZXR-Kawasaki-Treiber Holger Jansen.

Rase Hase: Dickes Suzuki-Herz in 550er Katana-Rahmen, zumindest die vordere Hälfte.

Die meiste Zeit neben dem Fotografieren habe ich in Schleiz dafür aufgewendet, Infos über ein paar interessante Bikes einzusammeln: Peckys wunderbarer V4-Walfisch, das Katana-Sahneteil von # 108 (Thomas Seeler), die klassische Z 1000 R von HW Borsdorf, die mighty GPZ1100 UT (#66) aus der Nähe von Wolfsburg, dazu das Bol d´Or-Doppelpack von Nico Reimann und, last but noch least, die in Ehren ergraute Bolle von Georg Baierlein. Alle auf einmal einzustellen, wäre nicht klug, also werden diese Geschichten hier im Salat nach und nach folgen, schön verteilt bis zum nächsten CSBK-Rennen in Spa Mitte Juli.

Suzuki Katana von Thomas Seeler.

Das CSBK-Feld umfasste zumindest im ersten Lauf 27 Starter, was eigentlich stattlich ist; dennoch würden 10 bis 15 Bikes mehr mit offenen Armen aufgenommen. Wer mal reinschnuppern will: Beim Alteisenreiten, das bei einigen Events für Interessierte zusätzlich angeboten wird, ist dafür eine gute Gelegenheit, ohne wie mit Nummernschild am Heck.

Fotos: Buenos Dias. Diese und weitere Aufnahmen sind auch in Rennfotoarchiv.de eingestellt und online käuflich zu erwerben.

FWS-V4-Honda Replica von Pecky.

Hans-Werner Borsdorf, Schuler-Tom: Grünweisser Plausch.

66: Marc Imroth, GPZ UT. 372: Manfred Weiler, Martin-Yamaha., 101: Andreas Thode, Z1000.

Seinen »Gasgriff-Salat« erfolgreich repariert, na also: Dirk Schnieders mit Franz-Josef III.

11: Klaus Strobel. 105: Rase Hase. 79: Jörg Rohde.

Alt und gut.

Fotos: Buenos Dias. Diese und weitere Aufnahmen sind auch in Rennfotoarchiv.de eingestellt und online käuflich zu erwerben.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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