Neuer Bridgestone S22 in Jerez ausprobiert

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Paradies in Jerez: Träume auf Rädern auf Klebegummi, blauer Himmel und die Aufforderung, sich eine nach der anderen auszusuchen.

Nach drei Jahren mit dem S21 lässt Bridgestone mit dem Battlax Hypersport S22 nun die nächste Entwicklungsstufe folgen. Der Gummi ist für anspruchsvolle Straßenfahrer gedacht, die gerne auch mal dynamisch am Kabel ziehen mit ihrem stark motorisierten Untersatz, ob verkleidet oder nicht, wenn die Verhältnisse es zulassen, weil das gute Feeling, dass ein guter Sportreifen punkto Fahrspaß vermittelt, schlicht das Tüpfelchen auf dem i ist. Außerdem gibt es ja auch Zeitgenossen, die nicht gleich auf Racing-Reifen umrüsten wollen, wenn sich mal eine Gelegenheit ergibt, einige schnelle Trackday-Runden einzustreuen.

Beim Battlax Hypersport S22 handelt es sich um einen komplett neu konstruierten Reifen, der sich in die Angebotspalette einreiht zwischen Tourensportreifen wie T31 oder T30 Evo und den Hardcore-Racing-Gummis à la RS10 und dem renntauglichen R11. Rainer Friedmann (vom Fireblade-Forum aka Kraftrad.com) hatte Gelegenheit, den Gummi in Jerez bei der offiziellen Vorstellung auszuprobieren und gibt her seine Eindrücke mit zum Besten. Danke dafür, Rainer!

Bridgestone ist Weltmarktführer, Nachschub war genügend vorhanden.

Bridgestone umschreibt den neuen S22 als eine innovative Konstruktion, der in allen Bereichen eine verbesserte Leistung (als der S21) bietet, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Im Vordergrund stehen ausgezeichneter Gripp auf trockener Fahrbahn und hervorragende Performance bei Nässe. Kontaktgefühl und Kurvenverhalten wurden verbessert, auch leichtes Handling und präzises Feedback glänzen auf höherem Niveau. Auf der hauseigenen Teststrecke wurde mit dem Battlax Hypersport S22 im Vergleich zum Vorgänger S21 eine 1,2 Prozent schnellere Rundenzeit bei trockenen Bedingungen sowie eine 5 Prozent schnellere Rundenzeit bei Nässe erreicht.

Die Key-Points.

Andalusisches Licht zur Geisterstunde am Morgen.

Neues Profil und besserer Grip auf nasser Fahrbahn

Bridgestone Battlax Hypersport S22

Beim S22 haben die Entwickler ordentlich gezaubert. Die 5LC- (Five Layer Compound) Zusammensetzung der Lauffläche bietet eine härtere Mischung im Zentrum, eine weichere im Traktionsbereich sowie eine noch weichere auf der Reifenflanke. Der japanische Gummigigant setzt dabei eine optimierte Mischung im Traktionsbereich des Reifens ein, während die zentrale Gummimischung einen 25 Prozent höheren Silica-Anteilenthält und somit einen besseren Grip auf nasser Fahrbahn ermöglicht. Trotz der Verbesserung der Performance wurden keine Abstriche bei der Lebensdauer gemacht.

Konstruktion und (wie der Fachmann umschreibt) Compounding.

Durch die Neugestaltung der Rillen auf dem Laufflächenprofil wird die Wasserableitung erhöht, im Schulterbereich des Reifens wurde zudem der Negativ-Anteil im Profil gesteigert, beides erlaubt eine verbesserte Kontrolle bei nasser Fahrbahn. Darüber hinaus wurden der Winkel der Profilrillen und die Ausrichtung optimiert, wodurch Handlingund Feedback positiv beeinflusst werden.

Mit der KTM 1290 Superduke R.

Im ersten Test-Turn in Jerez stieg Rainer auf eine KTM 1290 Superduke R und der Reifen biss sich gleich mal ordentlich in den Asphalt der MotoGP Strecke, weil es galt dem als Guide agierenden „Texas Tornado“ Colin Edwards zu folgen. Der Gripp war vom Stand weg extrem gut und speziell das Vorderrad machte einen sehr transparenten und bärenstarken Eindruck. Beim Ausnutzen der brachialen KTM-Power wurde die Front oftmals leicht, was teilweise zu leichtem Pendeln führte, dass der S22 aber hervorragend einfing und der Hahn ordentlich geöffnet bleiben konnte.

Mit der Fireblade.

Als zweiter Testbike war die Fireblade SP an der Reihe. Der S22 harmonierte auch mit der Fireblade, lenkte spielerisch aber nicht irgendwie nervös ein, blieb auch auf der Bremse extrem stabil und vermittelte ein tolles Gefühl in Schräglage. Hondas Slogan „Total Control“ passt hier wie die Faust aufs Auge. Durch die neuen Elektronik-Modis der 2019er Blade, bei dem sich Traktions- und Wheeliekontrolle einzeln justieren lasen, war es ein Genuss für Rainer das Bike um die Ecken zu zirkeln.

Performance-Grafik und lieferbare Reifengrößen, sofort bzw. ab Januar 2020.

Der S22 glänzt mit 5 Zonen und drei Mischungen am Hinterrad.  Neues Profilbild und die Kontur erlauben mehr Kontaktfläche zum Asphalt als beim Vorgänger. Am Vorderrad sind es weiterhin 3 Zonen und zwei Mischungen die mit die Mono-Spiral-Gürtel am Vorderrad eine angenehme Steifigkeit auf der Bremse bieten,  aber dennoch genügend Flexibilität beim Einlenken. Auch hier präsentiert sich die Kontaktfläche erhöht.

Mit der Diva aus Bologna. 

Im dritten Umlauf ging es mit der Ducati Panigale V4S rund, der stärksten Diva im Testbikefeld. Das ist ja ein absolut paradiesischer Zustand, wenn man in der Boxengasse aus über einem Dutzend Traum-Bikes sich eine Perle nach der anderen aussuchen darf, um damit ein paar Runden zu drehen und im Sinne des Wortes Gummi zu geben. Mit der V4-Panigale also ging es bewusst in Kurve 4, einer schnellen Links, die am Ende öffnet, gleich mal mehr ans Gas, sodass mit Unterstützung der Traktionskontrolle ein gefühlter Drift entstand – mega! Zwar fördert dies nicht die Rundenzeiten, dafür aber den Spaß. Möglich machte dies der sehr gutmütige Grenzbereich des S22. Auch auf der Panigale harmonierte das Vorderrad hervorragend und liess die Italienerin genau dorthin pfeilen, wo man sie haben wollte.

Mit der neuen BMW S1000RR.

Im vierten Durchgang war BMWs neue S1000RR dran. Bei der Präsentation kürzlich in Estoril war noch der S21 montiert, so gab es einen direkten Vergleich. Und der war eindrucksvoll. Die S1000RR fährt mit dem S22 noch präziser und leichtfüßiger. Sie lässt sich sehr agil umlegen und bleibt bei harten Bremsmanövern sehr zielgenau. Hier war deutlich zu spüren, welchen Fortschritt die Japaner mit ihrem Pneu gemacht haben. Der Battlax S22 macht die eh schon super fahrbare S1000RR noch besser.

Tolle Kombination für die GSX-R1000R

Schließlich durfte die Suzuki GSX-R1000R noch ausgeführt werden. Auch damit funktionierte der S22 tadellos. Hatte man bei manchen Reifenvarianten auf der Kilo-Gixxer manchmal eine intransparente Front, konnte nun tief und entspannt in Kurven hineingebremst werden, sehr agil umlegt und das Gas wieder voll angelegt werden. Rainer begeistert: »Meine wohl besten Runden mit der Suzuki! Der Battlax S22 passt perfekt auf die GSX-R1000R.«

Lieferbar ab sofort

Der neue Battlax Hypersport S22 ist bereits seit Januar 2019 verfügbar, in allen gängigen Größen von 160/60 bis 200/55 hinten und 120/70 vorne. Ab 2020 kommen noch 140/70 sowie 150/60 und 180/60 vorne und 110/70 hinten hinzu. Freigaben gibt es auch bereits bereits unzählige. So waren in Jerez auch die neuen Modelle von Kawasaki (Ninja ZX-6R) und Honda (CBR650R und CB650R) mit dem S22 bereift.

Tester Rainer genoss die volle Auswahl.

Rainer Friedmanns Fazit

Zusammenfassend lässt sich über den S22 sagen, dass man für einen Straßenreifen extrem schnell und dabei noch entspannt unterwegs sein konnte. In der Bridgestone-Hexenküche wurde wieder einmal sehr erfolgreich getüftelt und an allen Molekülen zielführend gedreht. Insbesondere das Vorderrad war auf allen Bikes hervorragend transparent, zielgenau, agil und auf der Bremse sehr stabil. Reserven wurden jede Menge geboten, was das Vertrauen in den Reifen angenehm unterstützte. Der hintere Pneu kam mit jeder Leistungsentfaltung und Motorcharakteristik zurecht, glänzte durch einen gutmütigen Grenzbereich und hohes Gripniveau, dass sich durchaus mit dem von Einsteiger-Slicks vergleichen lässt. Der S22 ist also ein Straßenreifen, der auf sehr hohem Niveau funktioniert; mit dem man aber auch locker mal einen Trackday bestreiten und danach entspannt heimfahren kann.

Wichtiger Hinweis noch zum Schluss: Der Vorgänger Battlax Hypersport S21 sowie der BT-016 Pro bleiben weiterhin als günstigere Alternativen für Alltags-Supersportreifen im Bridgestone-Lieferprogramm.

Stoff, aus dem Träume sind, die reinste Gummi-Romantik. 

Foto: Rainer Friedmann, Bridgestone/Henny Stern + Jonathan Godin

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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