Neuer Arai Profile-V

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Flexibel bleiben: Statt mit Jethelm und langem Visier integral unterwegs mit dem neuen Arai Profile-V.

Arai Europa ist in Holland (in der Nähe von Amersfort) angesiedelt, für die Vorstellung des neuen Integralhelms Profile-V, der in Kürze bei den Händlern eintrifft, reiste eine Delegation nach Deutschland und präsentierte den jüngsten Kopfschutz in den Räumlichkeiten der Honda Akademie in Erlensee einer Gruppe interessierter Berichterstatter.

Vorstellungs-Event in Erlensee.

Laut Arai bietet der Profile-V einen frischen Stil, dazu den bekannten Komfort, die 1a-Passform und das gleiche an Besessenheit grenzende Streben nach maximaler Sicherheit, das durch konstruktive Merkmale, handwerklich aufwändige Fertigung und extreme Sorgfalt bei den Kontrollen gekennzeichnet ist. Besonderer Wert wurde beim Neuen auf erleichterten Ein- und Ausstieg gelegt; wer genau hinschaut, wird ein rundlicher ausgeformtes Kinnteil bemerken, welches vorne und seitlich mehr Platz bietet und in Kombination mit neu geformten Polstern in diesem Bereich das Überstülpen auf den Kopf erleichtert.

Eelco van Beek von Arai Europa erklärt: »Harte Außenschale und weiche Innenschale gehören zur Hausphilosophie, die rundlich-glatte Form unterstützt das Abgleiten über Hindernisse hinweg.«

Arai spielt im Helmmarkt bekanntlich in der Premium-Liga, das gilt auch hier; dennoch ist der neue Profile-V mit 479,- Euro (uni) bzw. 579,- Euro (mit Dekor) um unteren Ende der Integralhelm-Preisskala angesiedelt; die teuren Replikas des Arai RX-7-Topmodells rangieren bei 999,- Euro, die superedle Carbon-Variante RX-7V RC für superstolze 3.199,- Euro jetzt einmal außer Acht gelassen. Insofern wird der Profile V hausintern als preislich vorteilhaftes Angebot gesehen, um als helmkaufender Endkunde in die Arai-Familie einzusteigen.

Den Arai Profile-V gibt´s mit schicken Dekoren oder Uni-Farben, auch in modischem Grau, das optionale Pro Shade System erlaubt praxisgerechten Sonnenschutz, der die Sicherheit nicht beeinträchtigt.

Zunächst einige wissenswerte Details zu Konzept und Konstruktion des neuen Modells Profile-V:

Arai fertigt seit beinahe 70 Jahren Motorradhelme. Gründer Hirotake Arai, ein Motorradfahrer, der auch schon mal stuntähnliche Kunststücke vorführte, stehend im Sattel zum Beispiel, baute zunächst einen Kopfschutz für sich selbst, weil damals der Markt in Japan nichts Schützendes anzubieten hatte. Weil sich daraus eine Nachfrage entwickeln sollte, wurde mit der Produktion von Motorradhelmen begonnen.

Nachfolge-Generation: Akihito Arai justiert wie selbstverständlich den Visier-Mechanismus.

Die Firma ist ein Familenbetrieb, immer gewesen und bis heute geblieben. Als später Michio Arai, der heute über 80 Jahre alt ist und noch immer nach dem Rechten schaut, sogar täglich, wie erzählt wurde, das Ruder übernahm, entwickelte sich eine Philosophie, die alles außer dem Allerbesten rigoros zur Seite schob. Qualität statt Quantität, Funktion statt Look, Performance und Safety statt Profit, und über allem ein Maximum an Schutzwirkung. Die besten Helme der Welt bauen – das klingt als Motto ambitioniert und ist es zweifellos auch.

 

Eine Crash-Videoszene aus dem Sport im Hintergrund demonstriert, dass ein extrem Sicherheits-optimierter Helm eigentlich unbezahlbar ist. Jeder hat nur einen Kopf, den es zu schützen gilt.

Arai ist überzeugt, dass die beste Schutzwirkung über eine extrem stabile und harte Außenschale erfolgt, um auftreffende Schlagenergie im Falle eines Unfalles zu verteilen, in Kombination mit einer möglichst weichen Innenschale, um die Aufprallkräfte und verbleibende Restenergie aufzunehmen. Zusätzlich wird die äußere Form so glatt und rund wie möglich gehalten, um bei einem Unfall möglichst ohne Widerstand über Hindernisse hinweg gleiten zu können. Ziel ist, wenige Rotationskräfte durch Verdrehen zu erzeugen.

Ein widerstandsfreies Abgleiten seitlich sowie im oberen Helmbereich ist auch der Gedanke dahinter, die ohnehin maximal abgeflachten Seitenplatten zur Visieraufnahme tiefer anzubringen, beim Profile V um 24 mm gegenüber der sonst üblichen Position nach unten versetzt. Eine zur neuen Schale passend entwickelte Visiermechanik mit variablem Achsensystem trägt dazu bei, dass sich das Visier auch mit dem tieferen Anlenkpunkt sauber öffnen, schließen und arretieren lässt.

Für optimale Schlagdämpfung: Einteilige Innenschale mit gezielt unterschiedlichen Dichten bzw. Härten.

Die innere Styropor-Helmschale, die dazu bestimmt ist, die Aufprallkräfte aufzunehmen, ist aus einem Stück mit verschiedenen Dichten hergestellt, um die Schlagkräfte bestmöglich zu absorbieren und zu verteilen. Arai ist laut eigener Aussage der einzige Hersteller, der seine Innenschale einteilig gezielt mit bis zu fünf unterschiedlichen Härte- oder Weichegraden anfertigt, anstatt nur eine Styropor-Härte zu verbauen oder unterschiedlichen Dichten nachträglich zusammen zu stückeln.

Harte Außenschale aus speziellem Superfiber plus verstärkter Gürtel über dem Ausschnitt im Stirnbereich.

Die Außenschale des Profile-V bildet ein stabiles Superfiber-Konstrukt aus drei Schichten aus speziellen Glasfiber-Materialien und Harzen, das zusätzlich im Vorderkopfbereich mit einer Gürtellage verstärkt ist, um die Festigkeit nochmals zu erhöhen und um Schlagkräfte besser abzuleiten und zu verteilen. Bei der neuen Außenschale des Profile-V wurde die Einstiegsöffnung um 5 mm nach vorne und seitlich vergrößert, um das das Auf- und Absetzen zu erleichtern. Damit die für die Schlagdämpfung wichtigen Innenschale optimal bemessen wird (statt nur dünner oder dicker), werden für den Profile-V drei verschieden große Helmschalen angefertigt, jeweils eine für zwei Helmgrößen.

Die Bausubstanzen für eine extrem widerstandsfähige Arai-Integral-Außenschale, die in einer erhitzten Form mit Harz und speziellem Know-how handgefertigt wird.

27 Arbeitsschritte und etwa 18 Arbeitsstunden sind notwendig, um einen Arai-Integralhelm in kompletter Handarbeit entstehen zu lassen. Und es verstreichen mindestens 5 Jahre, bevor sich ein Mitarbeiter das Geschick und Recht erwirbt, händisch eine Außenschale herzustellen. Bei Arai in der Produktion durchläuft jeder einzelne Helm fünf separate Qualitätsprüfungen. Allein die Außenschale wird unabhängig voneinander zweimal auf Unregelmäßigkeiten geprüft, drei weitere nach der Lackier­ung, dem Zusammenbau und einem weiteren Zwischenschritt in der Produktion.

Für leichten Ein- und Ausstieg; Breite Helmöffnung im vorderen Bereich und spezieller Wangenpolster-Zuschnitt.

Die tragefreundlichen Innenpolster lassen sich für eine optimale Paßform optimieren. Das zentrale Kopfpolster bleibt immer fest, der untere Teil ist mit Klett befestigt. Die Innenpolster können also zur Hälfte herausgenommen werden, die Wangenpolster sind mit einer Tasche für Lautsprecher ausgestattet, ohne beim Komfort oder der Passform zu sparen. Die Wangenpolster arbeiten mit einem Federmechanismus, was für straffen Sitz und mehr Komfort am Unterkiefer sorgt, ohne zu viel Druck auszuüben. Alle Teile, austauschbar oder nicht, können mit lauwarmem Wasser und milder Seife gut gereinigt werden. Bei Bedarf gibt es Interieurteile in unterschiedlichen Größen und Dicken, um eine individuelle Passform zu ermöglichen. Arai Pro Shop Partner sind in der Lage solche Anpassungen vorzunehmen, weil sie die entsprechenden Austauschteile in diversen Größen vorhalten. Bei anderen Arai Händlern, die diesen Service anbieten, kann es etwas länger dauern, wenn die notwendigen Polster-Elemente  erst beim Importeur bestellt werden müssen.

Die Belüftung funktioniert über 5 verschließbare Einlässe und 6 Auslässe. Zwei Einlassöffnungen im oberen Visierbereich, zwei Stirnöffnungen und eine Kinnbelüftung, die dreifach arretierbar ist. Alle lassen bei Bedarf frische Luft in das Innere des Profile-V strömen. Der Abtransport erfolgt beim Fahren durch Unterdruck über drei Bohrungen unter dem rückwärtigen Spoiler und zwei seitliche Schlitze. Auch im Nackenabschluss sind Entlüftungsgitter integriert, die zu Luftabsaugung und Tragekomfort beitragen.

Hochklappbares Pro Shade System.

Das Visier ist mit einer Verriegelung ausgestattet, die aus der Formel 1 adaptiert wurde, um selbsttätiges Öffnen zu verhindern. Optional gibt es ein Visier mit dem Kürzel VAS, das eine Nachrüstung mit dem sogenannten Pro Shade System erlaubt. Arai hält nichts davon, ein Sonnenvisier in die Helmschale zu integrieren. Deshalb wurde dieses PSS-System entwickelt, ein außen aufliegender getönter Sonnenschutz, der hochklappbar ist und in 4 Stufen arretiert werden kann, ohne sich aerodynamisch bemerkbar zu machen. Beide Visiere lassen sich mit Pinlock-Antibeschlag-Folie ausstatten.

Die Belüftungselemente wie Lufthutzen obenauf und der Aero-Spoiler sind nicht nur strömungsgünstig gestaltet, sondern so konstruiert und montiert, dass sie sich im Falle eines Unfalles widerstandsfrei vom Helm lösen, bevor unerwünschte Kräfte auf die Schale einwirken. Dazu ist eine flexible Kinnabdeckung integriert, die beim Einstieg nicht stört, aber das Eindringen turbulenter Luftströmungen unterbindet. Der Kinnriemen schließt natürlich per flachem Doppel-D-Verschluss, der ohne bewegliche Teile garantiert sicher funktioniert und sich gewünscht exakt einstellen lässt.

Safety first: Höchste Maßstäbe, inklusive Inhouse-Durchdringungstest.

Arai-Helme erfüllen die internationale Helm Prüf Norm ECE 22-05, die in mehr als 50 Ländern gilt. Zusätzlich checken die Japaner eigene, strengere Inhouse-Standards. Der Arai Durchdringungstest wird mit einem 3 kg schweren, spitzen Testkörper durchgeführt, der aus einer Höhe von 3 Metern auf den Helm fallen gelassen wird. Arai-Helme sind dazu mit einer 5-Jahres Garantie ausgestattet. Dazu werden Servicearbeiten bis zu einem Alter von 7 Jahren nach Produktionsdatum durchgeführt.

Eine Testrunde mit dem Arai Profile-V und einer Fireblade rund um Erlensee und einem Stück Autobahn bestätigten neben toller Passform, guter Aerodynamik auch mit hochgeklapptem Pro Shade Sonnenvisier das gute Feeling, dass mit dem Tragen eines tiptop verarbeiteten Premium-Helms verbunden ist. Auch die erste Runde mit dem Arai Profile V auf der Honda CB1300 daheim verlief positiv. Das wiederholte Auf-Absetzen klappt in der Tat geschmeidig und ohne den üblichen Hauruck-Durchzwäng-Effekt, auch das Einfädeln der Brille ist dank Extra-Brillenkanal ein Klacks. Nicht dass jemand glaubt, dass der Salatprynz seine grundsätzlich favorisierten Jet-Helme mit langem Visier (Arai SZ-M Ram und HJC RPHA Jet) jetzt außer Betrieb setzt. Das wird nicht passieren. Aber die eine oder andere integrale Extratour wird sich ergeben, bei passender Gelegenheit sogar bestimmt gerne.

Der Arai Profile-V ist in den Größen XS bis XXL zu haben, die Uni-Ausführungen White, Black, Black Frost, Modern Gray und Gun Metallic Frost kommen im April zu den Fachhändlern, die Dekor-Varianten Copy (Fluor, Black) im Juni und Bend (White/Red Yellow) im Juli.

Arai Profile-V in der Rückansicht: Aufwändige Entlüftung oben und unten, tief angebrachte und glatte Visier-Halteplatten, um den Bereich darüber optimal abgleittauglich zu gestalten.

Fotos: Buenos Dias, Arai

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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