Freddie Spencer-Buch: Feel – My Story

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Freddie Spencer war »Der Außerirdische« und in seinen besten aktiven Jahren als Honda-Werksfahrer ungefähr so erfolgreich und unantastbar wie Marc Marquez heute. Der Amerikaner hatte »King« Kenny Roberts bezwungen; er war der Beste, der jüngste 500er GP-Sieger und jüngster Halbliter-Champion, Doppelweltmeister in einem Jahr (1985) – seine überragende Fahr- und Driftkunst begeisterte die weltweite Fangemeinde.

Spa GP 1983: Roberts, Spencer, Mamola, Lawson

Doch das Karriere-Glück währte nur kurz: Beim Jarama-GP 1986 in Spanien musste »Fast Freddie« mit einer gefühllosen rechten Hand aufgeben. Auf die später diagnostizierte Sehnenscheidenentzündung folgte eine Reihe andere Verletzungen, es ging mehr und mehr und mehr bergab. Nach einigen Pausen und Comebacks beendete er schließlich seine Karriere und betrieb eine Rennfahrerschule.

Spencer, Honda NSR 500 V4, Jarama GP 1985

In seinem Buch »Feel – My Story« schreibt sich der Amerikaner seine Geschichte von der Seele. Wie er aufwuchs in Louisiana, seine Familie, die frühen Jahre als Racer, begleitet vom Vater, erste Erfolge als Professional in der 250er Klasse und mit Superbikes in der US-Szene, der Durchbruch bei den Match Races in England, weitere Stationen in den USA, der GP-Einstieg mit der 500er Dreizylinder-Honda, das WM-Duell mit Kenny Roberts, das vertrackte Folgejahr, die anstrengende Doppeltitel-Saison und danach die Jahre mit Problemen, Verletzungen und unfassbaren Schwierigkeiten, der Durchstart mit seiner Rennfahrerschule und als TV-Kommentator sowie als Ehrengast bei Classic-Events.

Freddie Spencer, Yamaha YZR 500, GP Spa 1989

Wer sich für Racing interessiert, auch und vor allem für die Hintergründe und Inside-Stories, die Entwicklung und das Auf und Ab eines Rennfahrerlebens, dass das Riesentalent aus dem ländlichen Shreveport/Louisiana über drei Jahrzehnte durchlief, wird das 300-Seiten-Werk so schnell nicht aus der Hand legen, sondern die einzelnen Kapitel lesend durchsteppen wie ein Sechsganggetriebe mit dem Quickshifter.

Freddie Spencer, Glemseck 2017

Freddie erzählt, wie als Bub in ein Laubfeuer fiel und eine Hand verbrannte, wie er besessen im Garten hinter dem Haus einer Eltern mit Minibikes trainierte, von den Träumen seiner frühen Jahre, von Daytona, den ersten Reisen nach Japan zum 8 H-Rennen, vom Durchbruch bei den Match Races in England, von den Ovalkolben-NR500-Abenteuern, wie er Soichiro Honda zu Hause besuchte, wie er eine erstaunliche Anzahl Knochenbrüche immer wieder wegsteckte, wie er eine großzügige Kawasaki-Offerte ausschlug, bevor Honda sich schliesslich meldete, wie aufreibend sein Leben war in den erfolgreichen Jahren und wie erschütternd vieles verquer lief in den Phasen danach, immer wieder detailliert vermixt mit familiäre Einblicken und Anekdoten abseits der Ideallinie.

Freddie Spencer, NSR 500, Misano GP 1984

Freddie Spencer hat sich in der Karriere und danach immer auf sein Gefühl verlassen. Wie er sich mitteilt, mitunter selbst unter die Lupe legt und den Leser an seinem Leben teilhaben lässt, verleiht seiner Autobiographie einen authentischen Touch, der Inside-Information und Lesevernügen auf rare Weise einfühlsam verbindet. Deswegen: Nach der Lektüre des englischsprachigen Werks kann das Urteil nur lauten: good read.

Fotos: Buenos Dias

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Die Autobiografie von Freddie Spencer (Virgin Books, ISBN 9780753545614) trägt den Titel »Feel« und den Untertitel »My Story«, ist englischsprachig und erhältlich bei Amazon – der Preis für die Kindle-Reader-Edition beträgt 14,99 Euro. Das gebundene Buch kostet 20,55 Euro, eine Taschenbuch-Ausgabe ist noch nicht erhältlich.

 

 

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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