Die Abenteuer der Abernathy Brüder

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Those were the days, 1913: Einmal durch Amerika von Frederick nach New York mit der Indian, Louis Abernathy am Lenker und der jüngere Temple auf dem Sozius.

Die Legende der Marke Indian wird nicht nur von der eigenen wechselvollen Geschichte geprägt, sondern auch von Abenteuern, in die sich wagemutige Motorradfahrer mit ihren Eisen gestürzt haben. Dabei haben sie eine lange Liste von Rekorden aufgestellt, die zum Teil so unglaublich sind, dass sie jahrzehntelang Bestand hatten und den Mythos von der Unzerstörbarkeit der Indian-Motorräder begründeten.

Den wohl bekanntesten Rekord stellte Erwin „Cannonball“ Baker auf, als er 1914 den US-Kontinent von der West- bis zur Ostküste in nur 11 Tagen durchquerte; das war um 9 Tage schneller als der bestehende Rekord und entspricht einer Tagesfahrleistung von fast 500 Kilometern – allein, ohne Service, auf Straßen aus grobem Schotter, Sand und rutschigem Schlamm.

Zwei Jahre später bewiesen die Schwestern Augusta und Adeline van Buren mit einer Tagesleistung von 420 Kilometern, dass Rekorde keine reine Männersache sind. Sie fuhren mit ihren beiden Indians in 21 Tagen fast 9.000 Kilometer auf dem Weg von New York nach San Francisco – unter vergleichbar schwierigen Bedingungen, wie Baker sie vorgefunden hatte.

Noch verblüffender klingt die Leistung von Louis und Temple Abernathy, die bereits ein Jahr vor Cannonball-Baker´s Rekordfahrt auf einer Indian von ihrem Heimatort Frederick in Oklahoma bis nach New York gefahren sind – im Alter von 14 und 10 Jahren! Wer glaubt, solche Abenteuer waren ein Kinderspiel, sollte die unfassbare Vorgeschichte der beiden Brüder kennen, die belegt, aus welchem Holz die kleinen Helden geschnitzt waren.

Es begann damit, dass ihr alleinerziehender Vater, US-Marshal Jack Abernathy, seine Söhne 1909 auf einen Ritt nach New Mexico schickte – um die beiden abzuhärten, wie er sagte. Der fünfjährige Temp (Temple) und der neunjährige Bud (Louis) ritten also auf ihren Pferden Geronimo und Sam mutterseelenallein von Frederick in Oklahoma nach Roswell in New Mexico.

Offensichtlich gefiel ihnen diese Art Abenteuer, denn ein Jahr später ritten die Brüder von zu Hause bis nach New York. 1911 nahmen sie die Herausforderung an, in 60 Tagen von New York nach San Francisco zu reiten. Die Erfolgsprämie betrug 10.000,- Dollar, aber Bud und Temp kamen zwei Tage zu spät am Zielort an. Trotzdem sammelten sie so viel Sponsorgeld ein, dass sie sich davon ein Motorrad kaufen konnten – und zwar nicht irgendeines, sondern einen Indian V-Twin! 1913 nahmen die Abernathy-Brüder also noch einmal die Strecke Frederick-New York in Angriff – diesmal aber mit der Indian, Louis am Lenker und Temple auf dem Sozius.

Foto: Indian

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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