Speedblock-Design-R1 für Tim Holtz

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Die Welt der Farben ist bunt; aber auch kompliziert und voller kryptischer Bedeutung. Im alten China und asiatischen Kulturen galt Gelb als Farbe der Glückseligkeit, des Ruhms und der Weisheit. In Ägypten, Russland und dem Orient ist sie Hochzeitsfarbe. In Indien legen Bräute vor der Hochzeit zerrissene, gelbe Kleider an, um böse Geister zu vertreiben. In Europa symbolisiert Gelb meist das Sonnenlicht und das Gedeihen des Lebendigen. Frucht-Freaks denken bei Gelb natürlich an Bananen und Zitronen, Postler an die Post und Motorradfahrer an Yamahas berühmtes gelbes Speedblock-Design. Als also am Wochenende diese gelbe YZF-R1 mit der Startnummer 49 durchs Gesichtsbuch huschte, griff ich zum Telefon und fragte neugierig den Vater des 17-jährigen Tim Holtz, was es denn damit auf sich habe:

Tim Holtz, #49, und seine Yamaha R1 in Speedblock-Gelb für 2017.

 

? Gratulation zum schönen Moped. Wo bitte kommt das denn her und ist das eine R1M?

Vater Thomas: »Ist ein Vorführer mit 500 km. Keine M, nur das Kassengestell. Wir haben uns erkundigt, das passt schon. Bei Tim stehen heuer ja Abitur und dann der Einstieg in eine Ausbildung im Vordergrund. Das heisst: Wenig Aufwand, nur ein bißchen rumrollen, üben und gucken, wie er zurecht kommt mit so einer 1000er.«

? Schon viel umgebaut?

Vater Thomas: »Überhaupt nicht. Sogar der Serienauspuff ist noch dran. Nur ABS ausgebaut und Rennverkleidung drauf. Fahrwerk müssen wir mal schauen, für hinten ist etwas Gebrauchtes in Aussicht, vorne kommen vielleicht die Innereien raus und eine geschlossene Cartridge rein, statt einer offenen, was immer das jetzt heisst.«

Abi und Ausbildung zuerst. Heisst: Wenig Aufwand, nur ein bißchen rumrollen, üben und lernen.

? Farbe und Design kommen super rüber…

Vater Thomas: »Das gefällt uns auch und ist schon ein bißchen speziell, ja. Das ist das originale Gelb der Anniversary-R1. Gar nicht so einfach, das zu finden. Gibt wohl nur einen Hersteller in Deutschland, der diese Farbe produziert. Wer das lackiert hat? Die Lackiererei Top-Lack in Minden. Der Meister schlägt immer die Hände über dem Kopf zusammen, wenn unsereins mit solchen Sachen aufkreuzt, weil so eine Rennverkleidung ist wie eine Plastiktüte, die hat demontiert ja keine Stabilität, da dreht man als Lackierer schon mal am Rad; aber er ist ein guter Bekannter und hat es natürlich wieder toll hingezaubert.«

? Auch die Dekorstreifen?

Vater Thomas: »Die hat uns »bits & paper« hier zu Hause in Nienburg am Computer als Aufkleber nachgebaut, so wie früher bei Kenny Roberts; wir haben das aufgebracht mit den Sponsorstickern, und dann kam eine Schicht Klarlack drüber, damit man das an der Rennstrecke auch reinigen kann, ohne gleich die Aufkleber mit runterzuziehen. War also relativ aufwändig; auch wenn das nur schick ist bis zum ersten Sturz – dann wird halt repariert. Alne schneidert Tim übrigens eine gelbe Lederkombi dazu, mit Speedblock-Design.«

? Für wann ist das erste Rollout geplant?

Vater Thomas: »Wahrscheinlich mit Dannhoff Motorsport über Ostern in Oschersleben, eventuell zuvor am 18. März in Anneau du Rhin, wenn es mit dem Wetter passt.«

? Und was kommt in Frage, wenn zwischen Abi und Ausbildungsstart ein bißchen Luft zum Fahren bleibt?

Vater Thomas: Wohl die DRC bei Bike Promotion, also die Pirelli Superstock 1000-Serie. Wenn Tim sich wohlfühlt mit der R1 und es supergut läuft, kommt vielleicht ein Gaststart in der Superbike-IDM in Oschersleben in Frage. Aber das wird sich alles zeigen. Erstmal das Motorrad kennenlernen und Spaß haben, dann sieht man weiter.«

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Nachsatz zur Historie: Yamahas umwerfendes Speedblock-Design tauchte 1972 in den USA auf, das Rennteam von Yamaha Amerika schickte damit Kenny Roberts, Kel Carruthers, Gary Fisher, Gene Romero auf gelb lackierten TZ250/350 und später 700er/750er-TZ-Rennern in die Road-Racing-Szene. Auch die Motocross-Bikes unter Leuten wie Pierre Karsmakers und Bob Hannah traten in diesem typischen Outfit auf, ebenso die Dirt Tracker. Kreiert hatte diesen später und eigentlich bis heute weltbekannten Look der Lackierer und Custom-Designer Rollin »Molly« Sanders aus Santa Ana/Californien, ein Genie vor dem Herrn. Kenny Roberts exportierte dieses Design als Inbegriff von California-Cool und Artistry dann quasi nach Europa, bei ersten GP-Gastauftritten und in der Halbliter-WM, die ersten drei Jahre zumindest, 1978 bis 1980.

Lange ist´s her: Stefan Nebel, Yellow-R1, Superbike-IDM Hockenheim 2005

Einige schon, aber allzu viele Serien-Yamahas im Speedblock-Design fanden in Europa über die Jahre nicht in den Handel, zuletzt die 60 Jahre-Anniversary-Ausgabe der YZF-R1. Einmal in Hockenheim, beim Superbike-IDM-Finale 2005, durfte Stefan Nebel den zweiten Lauf im aufregenden Speedblock-Design bestreiten, weil er zuvor in der normalen rot-schwarzen Lackierung den Titel final fix an Land gezogen hatte. Diesen Köder hatte Teamchef Michael Galinski ihm schon vor die Nase gehängt. Wenn ich mich recht erinnere, war Nebel ziemlich scharf darauf, seine R1 einmal im legendären Speedblock-Yellow ausführen zu dürfen – er schmetterte damit dann als Zweiter ins Ziel, hinter Michael Schulten (Honda) und vor Philipp Hafeneger, ebenfalls auf einer R1.

Fotos: Thomas Holtz, Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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