Glühwein + Lebkuchen, Winter-V4-Ritt, Teil 2

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Lockmittel: Unsereins fährt meilenweit für…. genau.

Manche Einladungen sollte man nicht ignorieren, schon gar nicht solche zu Glühwein und Lebkuchen. Also schaute ich am Samstag früh aus dem Fenster. Reif auf den Autodächern, Straßen feucht, knapp über Null. Natürlich hätte ich mit dem Salatbus die knapp 100 km nach Butzbach dieseln können. Aber es wäre nicht das Gleiche gewesen. Lieber schaute ich 200 Mal aus dem Fenster, bis der Reif verschwunden war, zog alles an, was ich hatte und schwang mich auf die Winter-V4 aka VFR800X Crossrunner.

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Nur echt mit der roten Fassade: RK-Racing in Butzbach.

V4-Gurgeln und Heizgriffe auf der höchste Stufe, so lassen sich auch 5 Grad Temperatur aushalten, sehr gut sogar. Dichte Wolkendecke rund um Mainz, um Frankfurt lachte schon die Sonne. Hurra, alles richtig gemacht. Ich sauste fröhlich über die Autobahn. Zwar zog die letzten Kilometer hoch nach Hessen plötzlich Nebel auf, aber da ich den Weg kannte von einem früheren Besuch (wegen einer Bimota DB5R), war es halb so wild, trotz eingeschränkter Sicht den Weg zu finden.

 

RK-Racing in Butzbach ist eine Motorrad- und Roller-Werkstatt, die über Jahrzehnte vom hessischen Unikum Rainer Kopp betrieben wurde, der den Stab inzwischen weiter gereicht hat an Philip »Phil« Scholl, so dass dafür gesorgt ist, dass Reparaturen, Inspektionen, Reifenwechsel, Umbauten etc. weiter ordentlich erledigt werden. Das gemütliche, liebevoll mit allerlei Speed-Souvenirs dekorierte Werkstatt-Geschäft steht auf dem Gelände eines ehemaligen Autohauses, das Kopp Senior einmal betrieben hat.

 

Etwas im Hintergrund findet sich eine Halle, die sich Rainer zur Man-Cave hergerichtet hat, mit Mopeds, Sitzgelegenheiten, Werkzeug, alten Lederkombis und Deko-Utensilien aus unglaublich vielen Jahren als aktiver Rennfahrer. Auch seinen Dynojet-Leistungsprüfstand hat Rainer hier installiert, denn seine Spezialität, das Abstimmen von Renn- und Sportmaschinen erledigt er immer noch selbst, genauso wie er vom Servizieren und Umbauen von Federelementen als Öhlins-Servicepartner nicht lassen kann.

 

Ich habe gestaunt, wieviele Leute der Einladung zu Glühwein und Lebkuchen bei RK-Racing gefolgt sind. War jedenfalls ordentlich Betrieb da, um Benzin zu reden und typische RK-Eigenbau-Kuriositäten bewundern: Den V8-Motor-Tisch, einen Kurbelwellen-Barhocker, diverse Lampen-Kreationen mit Ferrari-Modellautos oder Kawasaki ER6-Getriebe, Sitzmöbel aus ausrangierten Auto-Rückbänken (7er BMW oder VW Phaeton) und allerlei Mopeds, die meistens italienischer Herkunft sind.

 

Der Prüfstandlauf einer R1 gehörte noch zum Vorführprogramm, genauso wie das Video der bezaubernd verrückten Bonneville-Salzsee-Ami-Truppe, deren Desmo-Bikes der hessische Techno-Zauberkünstler diesen Sommer beim Besuch ein paar Flausen austrieb und am Ende noch selbst eine Highspeed-Rekord mit einer Turbo-Rakete aufstellte. Käsekuchen gab es übrigens auch noch, gebacken von der Oma eines Ducati-Fahrers, wie RK trefflich umschrieb. War natürlich köstlich, wie das ganze Event.

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Office, desmodromisiert.

Nach der Heimfahrt bei feinstem Sonnenschein waren teils so komische weiße Schlieren auf der Crossrunner, also stattete ich noch dem Waschplatz einen Besuch ab und dampfte das V4-Wintergerät gschwind ab. Ich will die Honda ja nicht zuschande reiten mit Streusalzresten in dieser Jahreszeit, sondern nur lustvoll ausführen zu Gelegenheiten, sie sich lohnen und es wert sind. Solche wie diese eben.

 

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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