VanderHeide Carbon Gentlemans´ Racer

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Vielleicht erstmal tief Luft holen. Eine VanderHeide kostet ab 150.000 Euro aufwärts, die erste Serie ist auf 25 Exemplare limitiert. Die extravagante Carbon-Kreation mit V4-Herz ist vor allem handwerklich ein schönes, exquisites, innovatives und sichtlich voller Enthusiasmus konstruiertes Motorrad. Man kann es bewundern oder übertrieben finden. Jeder wie er mag.

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Konstruiert und in Handarbeit gefertigt hat die VanderHeide der holländische Ingenieur Rolf van der Heide, Bruder Sjors war ebenfalls mit involviert. Die Formgebung steuerte Designer Michiel van den Brink bei. Die Entscheidung, diesen »Gentleman´s Racer« zu bauen, fiel vor fünf Jahren. Erstmals hergezeigt wurde das fertige Bike heuer in Goodwood beim Festival of Speed.

Alles ist aus Carbon: Der Monocoque-Rahmen mit integriertem 24-Liter Tank, die gebogene Schwinge, das Heck, die Fior-Vorderradführung (starre Gabel mit zwei Dreieckslenkern und einem Scherengelenk). Ebenfalls die Verkleidung, die Felgen, die Schutzbleche. Das 1000er V4-Herz stammt von Aprilia. Das bedeutet 201 PS bei 13.000 Touren; auf Wunsch werden bis zu 230 PS in Superbike-WM-Konfiguration eingefüllt. Öhlins liefert die TTX-36-Inline-Federelemente zu.

Feinheiten gibt es viele: Die fünfspeichigen Blackstone-Tec-Felgen messen 17,5 Zoll, vorne wie hinten.  Sitzbezug und Handgriffe sind aus Leder gefertigt, der HP Corse Pro-Auspuff aus hauchdünnem Edelstahl. Der Lenkkopfwinkel der Vorderradführung ist einstellbar. Der Öhlins-Dämpfer für das Vorderrad ist praktisch in einer Linie über dem Hinterrad-Dämpfer angeordnet, ragt damit also schräg nach oben, durch den hinteren Teil des Tank-Gebildes hindurch. Das ist nur schwer vorstellbar? Korrekt. Am besten auf der Internetseite www.vanderheidemotorcycles.com mal reinschauen, da sind Bilder, die helfen, diese ungewöhnliche Federbeinanordnung zu verstehen, bei der sich die Kräfte gegeneinander abstützen sollen.

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Doch weiter im Text: Das Motec-C125 Full Color TFT-LCD-Display im Cockpit reicht jede nur erdenkliche Info dar, eine leichtgewichtige Ultrabatt-Batterie hilft Gewicht sparen. Zwei schmale Kühler sind vor dem Motor angeordnet, ein weiterer Kühler wird liegend im Heck über Luftzuführungen durchströmt, wie früher bei der Benelli Tornado oder bei Kenny Roberts´ 500er Modenas-GP-Dreizylinder-Renner. Was die VanderHeide wiegt? 165 Kilo ohne Benzin als Rennmaschine, 175 kg mit Lichtanlage, Blinker und Kennzeichenhalter, Spiegeln etc. für die Straßenzulassung.

Genau so wie sich das Design von vorne bis hinten schwungvoll durchzieht, ist das Finish der Maschine bis in den letzten Winkel makellos. Der Tankverschluss auf der rechten Seite etwa ist versenkt und schließt glattflächig mit der Carbonhülle ab. Zum Öffnen drückt man den Deckel, der federbelastet ist, dann kann man ihn aufschrauben. Danach drückt man ihn wieder herein. Ich habe die VanderHeide auf der Mailänder Messe ziemlich lange bewundert. Die Form, die Anmutung, die Details – und dabei ziemlich oft tief durchgeatmet.

Fotos: Buenos Dias

 

 

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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