LSL Clubman »Spirit of Meriden«

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Wenn die Roastbeefs etwas Neues bringen, kommt Jochen Schmitz-Linkweiler von LSL und baut es um. Deshalb heisst die Thruxton jetzt Clubman »Spirit of Meriden«. Das Bike ist handwerklich tiptop und rundum mit Bedacht optimiert, verdient es also, genauer gewürdigt zu werden.

Jochen nimmt den Faden zu seiner Kreation auf: »Die neue Triumph-Twin-Generation lässt sich schön fahren, fällt für meinen Geschmack aber zu agil aus, so wie die Buells etwa, die auch extreme Lenkkopfwinkel hatten. Also haben wir da angriffen und von Öhlins vorne eine etwas längere Gabel und hinten etwas kürzere Federbeine eingebaut. Mit passenden LSL-Gabelbrücken ergibt das 65,5 Grad Lenkkopfwinkel und knappe 100 mm Nachlauf, damit wird das Fahrverhalten – ich will nicht sagen konservativer – aber ausgewogener.«

Nebenbei notiert: Die Gabel ist eine RWU (Right-Way-Up), also keine USD (Upside-Down).

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Das hübsche Heck (ursprünglich vom Kölner Bike-Builder Jens vom Brauck (JvB) für Pantahs entworfen) wurde modifiziert. »Das Heck ist jetzt anderthalb Zentimeter verbreitert, mit einer Polster-Sitzschale versehen und lässt sich wie in Serie über den Schließmechanismus abnehmen. Wenn man zu Zweit fahren will, lässt man die Beifahrerrasten dran und wechselt einfach zur Orginal-Sitzbank.« Inzwischen haben sich Jens vom Brauck und Jochen Schmitz-Linkweiler darauf abgestimmt, dass diese angepasste Variante nach JVB-Designvorlage der Einfachheit halber als LSL-Höcker interessierten Kunden, die eine Wechselsitzbank suchen, angeboten werden wird.

Das Motorrad ist in Black & White mit rotem Dekor lackiert und mit einem Fatbar-Superbike-Lenker in Weiss betont, den LSL demnächst ins Programm rückt. Die Inspiration dazu kommt aus der Motocross-Szene, in der bunte und zudem mit Logos verzierte Lenker öfter zu sehen sind. Begründung: »Ich wollte mal etwas mit mehr Pepp.«

Dazu sind Kineo-Speichenräder verbaut, die In-Motion in Verona fertigt und wirklich etwas Besonderes sind. Technikus Jochen schwärmt: »Die sind aus Aluprofil gewickelt, verschweisst und auf einem Bearbeitungszentrum ausgedreht, so dass sie rundlaufen wie ein Gussrad, also null Schlag haben. Mit der Nippelbefestigung, zylindrig und quer eingebaut, gibt es keinen Effekt wie beim normalen Speichenrad, bei dem die Nippel sich langsam setzen. Leicht sind Kineos auch: Die Nabe ist filigran, ein Ruckdämpfer gleich eingearbeitet und über die geringe Anzahl von 32 Speichen kommt man auf ein richtig gutes Gewicht.«

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Der Motor blieb serienmäßig. Die Auspuffdämpfer der 2-in-2-Anlage fertigte Hattech an. Die Krümmer sind keramikbeschichtet. Diese Beschichtung ist (nebenbei bemerkt) übers Warmlaufen in einem bestimmten Zyklus eingehärtet, sonst könnte man das mit Aceton wieder abreiben.

Der komplette Umbau addiert sich auf 13.000 Euro. Zu allen genannten Teilen gehören aber auch noch 310er Bremsscheiben, gefräste Nissin-Zangen, Stahlflexleitungen, klassischer Rundscheinwerfer, einstellbare Brems- und Kuppungshebeleien, Aluminium-Kettenschutz, CNC-gefräste Lampenhalter, Crashpads, Kennzeichenhalter, gefräste Schalt- und Bremshebel und Bridgestone T30-Pneus dazu.

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»Wenn einer so alt ist wie ich«, fügt Jochen über seine Umbau-Beweggründe hinzu, »wurde um 1974 der Führerschein gemacht. BSA war schon weg, von Triumph waren nur Tiger und Bonneville übrig. Ich bevorzugte die leichten Twins mit toller Straßenlage und viel Drehmoment, weil ich genau das mochte und damit mehr Spaß hatte, auch wenn die Japaner damals ständig Neues auftischten. Einige Kumpels fuhren Hondas CB 750, die tierisch Druck hatte. Trotzdem konnte man in der Eifel mit denen mithalten.«

»Inzwischen gab es schöne retroklassische Twins, also die Bonnie´s und Thruxton´s der luftgekühlten Generation. Und jetzt seit 2016 die wasser-/luftgekühlte Basis mit modernem Fahrwerk. Mein Gefühl sagt mir, dass sich damit trotz aller Einfachheit gegen andere Naked-Bikes ankommen lässt. Damals wurde in Meriden gefertigt, heute in Hinckley; also habe ich diesem Umbau den Namen »Spirit of Meriden« gegeben, weil es eben meine Vision wiederspiegelt, wie eine moderne Triumph auch sein kann.«

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Fotos: Buenos Dias, LSL

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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