Grebenstein-Aprilia RSV4 RF

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Pitstopp: Räderwechsel wird in 10 Sekunden erledigt, mit Tanken verstreichen etwas über 20 Sekunden.

Vor einem Jahr (2015) gewann das Grebenstein-Aprilia-Team die Open-Klasse bei den 8 Stunden in Oschersleben. Dieses Jahr kehrte die Aprilia Truppe mit einer neu aufgebauten 2016er RSV4 RF zur Speedweek zurück und startete in der EWC-Kategorie, in der auch die Crème de la Crème der Endurance-WM-Teams aufgeigt. EWC steht für »Endurance World Championship«.

Zweiradtechnik Grebenstein ist Aprilia-, Moto Guzzi-, Piaggio- und Vespa-Händler in Gera und seit 4 Jahren im Langstreckensport unterwegs. Thomas und Karsten Grebenstein heissen die sportbegeisterten Inhaber. Gestartet wird im DLC (Deutscher Langstrecken Cup) und als Höhepunkt beim Endurance-WM-Lauf in Oschersleben. Die Fahrer Jürgen und Andy Scheffel und Ralf Uhlig konnten den DLC-Titel 2016 in der Klasse 4 nach einer tollen Saison bereits vor dem letzten Lauf sicher stellen.

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Grebenstein Aprilia RSV4 RF: Kleine Inspektion zwischendurch.

Beim Gang durch die Boxengasse beim WM-Finale stach der 1000er V4-Bolide aus zwei Gründen ins Auge. Erstens ist die Grebenstein-Aprilia bildschön und sauber aufgebaut, zweitens war es die einzige RSV4 RF im ganzen Starterfeld. »Unser Bike ist ein 2016er Modell mit der neuen Motorengeneration, die bereits seit 2015 erhältlich ist«, erläuterte Thomas Grebenstein. »An Bord ist das ABX-Elektroniksystem, wie es auch für die der Superbike-WM vorgesehen ist, also komplett mit Traction Control, Wheelie Control, Launch Control, und Schaltautomat.«

Bei Aprilia in Noale gibt es seit letzten Herbst grundsätzlich die Möglichkeit, fixfertig in verschiedenen Leistungstufen aufgebaute RSV4-Rennmaschinen zu beziehen, mit allem Knowhow der Werks-Rennabteilung. Thomas Grebenstein: »Wir verfügen dank unserer Sportaktivitäten über gute Kontakte zur Rennabteilung in Noale, haben unsere beiden Maschinen aber komplett selbst aufgebaut, weil das etwa fünf bis sechstausend Euro sparen hilft, die dann anderweitig investiert werden können.«

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Am Grid: Japanischer Strom-Generator, aber immerhin Rot.

»Für dieses Jahr haben wir die Schnellwechselkomponenten geändert, was 3 bis 4 Sekunden beim Hinterradwechsel sparen hilft. Dazu kommen Kleinigkeiten und Detailverbesserungen, zum Beispiel an der Vorderradaufhängung. Die Bremssättel haben jetzt eine Fixierung, damit diese beim Reinklappen genau in der Flucht zur Scheibe stehen, anstatt zu weit eingedreht zu werden.«

Mit der 2017er RSV4 RF legte das Fahrertrio im Schnitt 1,9 Sekunden schnellere Rundenzeiten hin als im Vorjahr. Trotzdem landete die Aprilia 2016 einen Platz weiter hinten in der Startaufstellung auf Platz 25, weil sich das Fahrerfeld stärker und schneller präsentierte.

 

Eine technische Besonderheit ist ein Kühlwasser-Vorwärmsystem, das extern aus einem Alukoffer angeschlossen werden kann. Eine Pumpe wälzt dann die Kühlflüssigkeit um, die gleichzeitig elektrisch angeheizt wird.

Auffällig sind die extrem dick dimensionierten Fußrasten (von HH-Racetec), die besonders stabil sind. Dazu steuert Thomas Grebenstein eine Anekdote von einem Sturz in der berüchtigten Wasserfall-Kurve am Sachsenring bei. Dabei wurde die Raste zwei Zentimeter kürzer geschliffen, aber die RSV4 konnte anschließend weiter gefahren werden.

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Breite Gabelbrücken mit zusätzlichen Protektoren.

Vorschrift sind seit diesem Jahr (weil in Oschersleben wieder bis in die Dunkelheit gefahren wurde) beleuchtete Startnummern. Die dazu notwendige selbstleuchtende Folie, die unter die Startnummern geklebt wird, liess sich in dieser Rundung nicht am Heck anbringen. Deshalb leuchtet die Nummer 17 vorne seitlich auf der Verkleidung, und das Heck wurde liebevoll in italienischen Nationalfarben lackiert.

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Schön verspielte Details für´s Auge.

Das Langstrecken-Bike wurde im Winter sorgfältig aufgebaut. Erst komplett zerlegen, dann mit Spezialteilen Stück für Stück neu zusammen setzen. Dauer: eine Woche, von morgens früh bis abends spät. Da es nicht viele Aprilia-Händler gibt, die auch auf Rennstrecken präsent sind, findet auch viel RSV4-Kundschaft aus der Trackday- und Rennszene nach Gera, um dort ihre Bikes präparieren zu lassen.

Die Grebenstein-Aprilia RSV4 wiegt trocken 181 kg und gibt in der Endurance-Spezifikation 204 bis 205 PS bei 12.500 Umdrehungen ab. Je nach Gang lässt sich der V4-Motor bis 13.800/min weiter drehen, ohne mit der Leistung abzufallen. Das Plateau bis zur Abschaltdrehzahl ist also vergleichsweise hoch, was das Fahren mit dem ohnehin elastischen V4 noch angenehmer gestaltet.

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…RSV4 wie ein Fahrrad um die Ecken. Und statt 125 PS Leistung schieben jetzt über 200 Pferde an.«

Im Rennen beim WM-Finale landete das Grebenstein-Team auf Gesamtrang 17 und Platz 10 in der EWC-Klasse, was mehr als respektabel ist, weil ein Sturz in der Frühphase für Zeitverlust sorgte, der im Weltklassefeld erst einmal beharrlich aufgeholt werden wollte. 35 Teams waren in Oschersleben am Start, davon sahen in Wertung 27 die Zielflagge. Durchfahren bei einem Endurance-WM-Event ist allein schon eine starke Leistung, umso mehr für ein privates Händler-Team mit der schönen, noch immer exotischen V4-Diva aus Italien.

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Auf Augenhöhe mit der Sieger-Yamaha des GMT94-Teams.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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