IDM 600 Assen: Gradinger-Erfolgserlebnis

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In Zolder kam Thomas Gradinger mir entgegen im Fahrerlager, gerade aus dem Spital zurück und fluchte, weil der linke Unterarm steckte in Gips. Also zeigte er mit der Rechten in Richtung Turn 3, wo es ihn per Highsider zerlegt hatte mit der R6, im zweiten Training am Freitag. Diagnose: Kahnbein entzwei. Könnte länger dauern, oder? Naa, sagte er, in Schleiz will ich wieder fahren, das passt schon. Pustekuchen: Schleiz ging sich nicht aus, erst Assen wieder.

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In Assen am Samstag in der Schikane zielte ich mit der Kamera nach links, als es rechts beim Rausbeschleunigen schepperte. Als ich den Kopf drehte, lag Gradingers Yamaha in der Wiese, er hüpfte wie Rumpelstilzchen umher und ärgerte sich sichtlich tierisch, während die Streckenposten das Bike bargen. Später wurde klar, ein Wasserschlauch hatte sich gelöst, trotz extra sorgfältiger Montage. Arghhh….

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Gradinger ist seit Kindesbeinen auf zwei Rädern sportlich unterwegs, erst Offroad, dann Supermoto, gefolgt von ADAC-Junior Cup, Moto3, erst IDM, dann CEV und zuletzt Moto2 in Spanien, wenn auch nur kurz. Nach einem Schluckauf mit dem Team trennte man sich, immerhin friedlich. Jetzt hat er sich mit Buchner Motorsport für die 600er Stocksport-IDM geeinigt, seit Zolder im Juli also.

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Der erst 20-jährige Österreicher ist Testfahrer bei KTM, hat also den wahrscheinlich coolsten Job der Welt, nachdem er zuvor den Kfz-Technikerberuf in Mattighofen erlernt hat. Gut zu wissen, dass Racing beruflich außer in mancher Sackgasse auch anders enden kann.

Auch in Assen wurde am Ende alles gut. Nach Platz 5 im ersten Rennen am Samstag, das wegen einsetzendem Regen abgebrochen wurde, drehte Gradinger im zweiten Durchgang am Sonntag unerhört auf und brauste von Startplatz 13 vor auf den zweiten Platz. Im Viererpulk mit WM-Kaliber Kevin Wahr, dem unerschrockenen Suzuki-Neuling Eemeli Lahti sowie IDM-Leader Christian Stange wogte der Kampf hin und her, in der Schlussphase schaffte er sich ein paar Bikelängen Luft und brauste 3 Sekunden hinter Sieger Bryan Schouten als Zweiter über den Zielstrich. Stark!

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Fight im Vierpulk im Platz 2: Vorne Gradinger, dann Kevin Wahr, Eemeli Lahti und Christian Stange.

Gradinger nach der Siegerehrung: „War echt ein hartes Rennen. Beim Sturz am Samstag habe ich den kleinen Finger rechts angehaut. Habe leider von Platz 13 starten müssen, hatten gestern und vorgestern paar Probleme; das erste Rennen war schon gut, das Zweite noch besser. Ich wusste dass die da vorne sehr schnell sind. Ich war nach erster Runde 6ter oder 7ter und habe einfach draufgehalten, um weiter vorwärts zu kommen.«

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Sieger Bryan Schouten, Zweiter Thomas Gradinger.

»Mein Start war mittelmäßig, habe aber in Turn 1 sehr spät gebremst und geschaut, dass ich eine gute Linie erwische für die zweite Kurve, das hat sehr gut geklappt; habe dann weiter Druck gemacht und bin sehr schnell in der Spitzengruppe angekommen. Es war arg, weil die halten da richtig rein, aber es hat viel Spaß gemacht. Ich habe dann probiert, in der vorletzten Runde an die Spitze des Pulks zu kommen und das ins Ziel zu bringen.«

»Danke an Buchner Motorsport, mein Motorrad ist richtig gut gelaufen, auch das Setup fürs Rennen war gut, ich denke das war der Schlüssel zu diesem zweiten Platz. Zuletzt war ich 2013 in der Moto 3-IDM am Sachsenring und in Hockenheim auf dem Podest, die Zeit in Spanien nie. Es ist schön, aufm Stockerl zurück zu sein.«

Streckensprecher-Urgestein Bernd Fulk, sonst nicht so leicht aus der Reserve zu locken, zuckte während des Rennens annähernd aus: »Kleines 600er Startfeld, großes Rennen. Und dieser Gradinger fährt ja sensationell!«

Komisch, ich glaube, so ähnlich dachte ich auch.

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Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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